Freitag , 1 Juli 2016

Zuhause » Artikel Karussell » Schöne neue (FIBA-) Welt

Schöne neue (FIBA-) Welt

FIBA Poster

Die Europameisterschaft 2015, die erstmals in mehreren Ländern gleichzeitig ausgetragen wurde, ist erst vor kurzem mit dem Sieg einer furios aufspielenden spanischen Mannschaft zu Ende gegangen. An den sportlichen Machtverhältnissen hat sich auch in diesem Turnier nichts verändert. Mit den im Finale unterlegenen Litauern sowie den beiden Kontrahenten im Spiel um Platz drei, Frankreich und Serbien, machten erneut vier Powerhouses des europäischen Basketballs die Medaillenränge unter sich aus.

Sportpolitisch betrachtet können die Entwicklungen der letzten Wochen aber als eine Revolution der Basketballwelt bezeichnet werden. Während die besten Mannschaften des Kontinents in Zagreb, Riga, Berlin, Montpellier und Lille um die Krone des europäischen Basketballs spielten, stimmte das Central Board der FIBA, einer seit geraumer Zeit heftig diskutierten Reform der Nationalmannschaftswettbewerbe zu. Sie umfasst weitreichende Änderungen der Qualifikationsmodi für Europa- und Weltmeisterschaften sowie den Olympischen Spielen und eine grundlegende Neugestaltung des Spielkalenders.

Die wichtigsten Änderungen im Überblick:

  • Die Qualifikation zur Weltmeisterschaft erfolgt künftig ausschließlich über eine zweijährige Qualifikationsphase.
  • Die Anzahl der Teilnehmernationen erhöht sich ab der Weltmeisterschaft 2019 in China von 24 auf 32 (1 Ausrichter, 5 Afrika, 7 Amerika, 7 Asien/Ozeanien, 12 Europa).
  • Die Qualifikation für die Olympischen Spiele erfolgt durch die vorangegangene Weltmeisterschaft und vier Qualifikationsturniere.
  • Die Kontinentalwettbewerbe werden ab 2017 einheitlich alle vier Jahre ausgetragen. Die Teilnahme an den Wettbewerben erfolgt nun ebenfalls ausschließlich über Qualifikationsspiele.

Die FIBA sieht sechs Zeitfenster vor, in denen Qualifikationsspiele stattfinden sollen. Sie sind in den Monaten Februar, Juni, September und November vorgesehen.

Die 1. Qualifikationsphase für die Weltmeisterschaft 2019 beispielsweise beginnt im November 2017. Es folgen Qualifikationsphasen in den Monaten Februar, Juni, September und November 2018 sowie im Februar 2019.

Die konkreten Termine sehen wie folgt aus:

2017

20.11.2017 bis 28.11.2017

2018

19.02.2017 bis 27.02. 2017

25.06.2017 bis 3.07.2017

10.09.2017 bis 18.09.2017

26.11.2017 bis 4.12.2017

2019

18.02.2017 bis 28.02.2017

 

Was verspricht sich die FIBA von der Reform?

Derzeit präsentieren sich die Nationalmannschaften ihren Fans nur wenige Wochen im Sommer. Danach ist in aller Regel ein Jahr Pause in dem man seine Idole nicht im Nationaldress zu Gesicht bekommen. Mit dem neuen Modus werden die Nationalmannschaften nun auch unterhalb des Jahres für die Fans zu sehen sein. Die Gruppenspiele der Qualifikation umfassen jeweils ein Heim- und ein Auswärtsspiel. Die Fans haben also die Möglichkeit, ihre Nationalmannschaften regelmäßig in Pflichtspielen in ihren Heimatländern zu sehen. Ein Prinzip das sich in den anderen großen Mannschaftssportarten schon seit jeher bewährt hat.

Wirtschaftlich verspricht sich die FIBA durch die Änderungen einen Meilensprung. Regelmäßige Heimspiele mit einem sportlichen Wert, bedeuten ausgelastete Arenen und gut gefüllte Kassen für die Landesverbände. Mehr Möglichkeiten einer dezentralen TV-Vermarktung sorgen für weitere, bislang ungenutzte Ertragsmöglichkeiten. Schließlich wirkt sich auch die häufigere Präsenz der Mannschaften in den Medien positiv auf die Teamsponsoren und deren Werbemöglichkeiten aus. So zumindest stellt sich die FIBA ihre schöne neue Welt vor. Nicht wenige aber sind skeptisch ob der rosigen wirtschaftlichen Zukunft, die sich die FIBA durch diese Maßnahmen erhofft.

Neben den Zweifeln an der tatsächlichen Ertragskraft bergen die Pläne auch Konfliktpotential im bereits schwer belasteten Verhältnis mit der Euroleague. Auf der anderen Seite des Atlantiks stößt das neue FIBA-Modell, bei der von ihren Franchisenehmern dominierten und von der FIBA organisatorisch und finanziell unabhängigen NBA, ebenfalls nicht auf positive Resonanz. Im Folgenden sollen die Reformen etwas näher aus der europäischen und nordamerikanischen Perspektive betrachtet werden.

Die Reformen aus europäischer Perspektive

In den Büros der FIBA bei Genf wird schon seit geraumer Zeit mit dem Umstand gehadert, dass der Einnahmenzuwachs in den letzten Jahren im Vergleich zu den anderen populären Mannschaftssportarten nicht zufriedenstellend war. Von den Änderungen verspricht sich die FIBA einen weltweiten Ausbau der Marke Basketball und einen wesentlichen wirtschaftlichen Machtgewinn. Dem zunehmenden Verlust ihres Einflusses auf die internationalen Clubwettbewerbe möchte sie mit einer sportlichen und wirtschaftlichen Stärkung der Nationalmannschaftswettbewerbe entgegentreten, die nun zum Flaggschiff und der Cash-Cow des Weltbasketballverbandes aufgebaut werden sollen.

Im Stillen wird man aber sicher auch hinsichtlich der eigenen Positionierung im Vereinsbasketball noch einen Schritt weiter gedacht haben. Es ist anzunehmen, dass die FIBA im Falle eines wirtschaftlichen Erfolges ihres Modells ihre gut gefüllten Kassen dazu nutzen wird, den in den letzten 15 Jahren verlorengegangenen Einfluss auf Vereinsebene in Europa, mit einem neuen Angebot attraktiver Clubwettbewerbe zurückzuerlangen. Denn der „alte Kontinent“ bleibt auf Vereinsebene vorerst der lukrativste Markt der Welt für die FIBA.

Der Machtkampf mit der  Euroleague um Europas Elite-Clubs ist auch schon im vollen Gange und hat diesen Sommer mit dem Kalenderstreit unter Einbindung der nationalen Basketballverbände, bis hin zu juristischen Auseinandersetzungen um nicht geleistete Zahlungen an die FIBA im Zuge des „peace agreements“ aus dem Jahr 2004, seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht.

Mit dem FIBA Europe Cup hat die FIBA darüber hinaus den Rahmen eines neuen Clubwettbewerbs auf den Weg gebracht. Dort tummeln sich derzeit noch die eher weniger klangvolle Namen des europäischen Basketballs wie Krasnojarsk, Rischon LeZion und Frankfurt statt den Eliteteams aus Moskau, Tel Aviv oder München. Der Europe Cup könnte aber als Testwettbewerb den Weg ebnen, um in den nächsten Jahren durch attraktive Prämiensysteme die großen europäischen Vereine wieder unter dem Dach der FIBA zu vereinen. Kurz gesagt, es gibt kein Feld auf dem sich die FIBA und die Euroleague derzeit nicht bekriegen.

Der CEO der Euroleague und einer der Hauptakteure im Machtpoker mit der FIBA Jordi Bertomeu, ließ kürzlich verlauten, dass er eine Stärkung der Nationalmannschaftswettbewerbe grundsätzlich begrüße. Scharf wies er hingegen die Pläne der FIBA zur Neuordnung des Spielkalenders zurück und warf dem Weltbasketballverband mangelnde Kooperationsbereitschaft vor. Hinsichtlich der möglichen Folgen der FIBA-Reformen für die Euroleague mag bezweifelt werden, ob ihn dabei lediglich die Sorgen um den engeren Spielkalender des eigenen Wettbewerbs oder die erhöhten Verletzungsrisiken der Nationalspieler umtreiben. Vielmehr muss die Frage aufgeworfen werden, ob er über den Spielkalender die gesamte Reform der FIBA kippen möchte.

Der starke Mann der Euroleague weiß genau, dass sich das Duell mit der FIBA an einem auf Jahre hin entscheidenden Punkt befindet. Sollte der Weltbasketballverband mit seinen neu aufgestellten Nationalmannschaftswettbewerben Erfolg haben, könnte leicht ein Umdenkprozess bei den europäischen Top-Clubs einsetzen. Wenn die FIBA es schafft gewinnbringende Nationalmannschaftswettbewerbe auszutragen, dann kann sie es vielleicht auch bei den Clubwettbewerben. Zusätzlich zu den bereits in diesem Jahr von der FIBA angebotenen lukrativen Prämiensystemen würde dann nicht mehr viel fehlen, bis die ersten Clubs der Euroleague den Rücken kehren. Das hätte weitreichende Folgen für den europäischen Basketball.

Eine solche Entwicklung könnte entweder den Beginn eines raschen Auseinanderfallens der Euroleague einleiten oder zu einer erneuten Spaltung des höchsten europäischen Vereinswettbewerbes wie in der Saison 2000/2001 führen, als es mit der Euroleague und der Suproleague gleich zwei Top-Tier Veranstaltungen in Europa gab. Mit der Zeit würde sich im besten Fall eine der beiden Ligen wirtschaftlich durchsetzen. Im schlechtesten Fall würde der europäische Profibasketball über Jahre hinweg durch die Spaltung in seiner Entwicklung und seinem Wachstum gehemmt. Ein Erfolg des neuen FIBA-Modells ist daher in keinster Weise im Interesse der Euroleague. Bertomeu weiß genau was für ihn und seinem Wettbewerb auf dem Spiel steht. Auch wenn er öffentlich gegensätzliches beteuert, wird er seine Möglichkeiten nutzen, um alle Vorstöße der FIBA, die eine Gefahr für die Existenz der Euroleague bedeuten könnten, zu torpedieren.

Zumindest ins Sachen FIBA Europe Cup konnte Bertomeu diesen Sommer einen Etappensieg für sich verbuchen und die Euroleague-Teams geschlossen hinter sich vereinen. In einer gemeinsamen Erklärung bekannten sich die europäischen Top-Teams zum jetzigen Status Quo ihrer Ligazugehörigkeit. Zuvor waren Einzelgespräche zwischen der FIBA und Clubvertretern geführt worden. Künftig soll ein gemeinsames Board die Interessen der Vereine in den Verhandlungen mit dem Weltbasketballverband vertreten. Man wolle auch frühestens im November 2015 überhaupt wieder mit der FIBA sprechen. Wie eingangs erwähnt handelt es sich hierbei jedoch nur um einen vorläufigen Sieg Bertomeus. Denn erst jüngst ließen zwei der einflussreichsten Teambesitzer der Euroleague und Mitglieder des Verhandlungsboards mit der FIBA, die Brüder Angelopoulos von Olympiakos wissen, dass es zwar dieses Jahr beim Status Quo bleiben wird, man für die Zukunft aber für alle Möglichkeiten offen stehe. Es bleibt festzuhalten, dass die Teams der Euroelague sich langfristig nicht mit immer neuen Konzepten von Bartomeu zufrieden geben werden, in denen das mögliche sportliche und wirtschaftliche Wachstumspotential der Liga proklamiert wird. Der CEO der Euroleague ist jetzt am Zug seine Versprechungen auch in die Tat umzusetzen.

Die Reformen aus der Perspektive der NBA

Die NBA als Ligaverband selbst hat ein berechtigtes Interesse daran, seine Stars auch im Dress ihrer Nationalmannschaften zu sehen um darüber neue Basketball-Märkte zu erschließen und mit Fernsehrechten, Trikots und allerlei Merchandising Artikeln zu versorgen. Doch das Sagen haben die Clubbesitzer und diese sind keinesfalls vom Nationalmannschaftskonzept und seinen finanziellen Vorteilen für die Liga überzeugt. In der Vergangenheit stand für die Clubeigner die Regeneration ihrer Stars in der Off-Season im Vordergrund. Auch die Sorgen vor möglichen Verletzungen führten dazu, dass die Vereine nur sehr widerwillig ihre Zustimmung zur Teilnahme ihrer Spieler bei Nationalmannschaftswettbewerben gaben. Eine Ausnahme davon bildeten die Olympischen Spiele, die in den USA eine große Akzeptanz erfahren. Die schwere Verletzung von Paul George in der Vorbereitung des Teams USA für die Weltmeisterschaft 2014 in Spanien und sein monatelanger Ausfall für die Pacers, wird die Clubbesitzer in Zukunft voraussichtlich noch restriktiver in Sachen Nationalmannschaftsabstellungen handeln lassen.

Will die FIBA dass ihr neues Modell zu einem Erfolg wird, dann reicht es aber nicht aus, dass die schillerndsten Protagonisten des Basketballsports sich nur bei den Olympischen Spielen die Ehre geben. Noch größer als in der Vergangenheit muss der Abdeckungsgrad an NBA-Stars bei Europa- und Weltmeisterschaften sein. Im Idealfall tauchen die Belinellis und Parkers dieser Welt auch bei den Qualifikationsspielen ihrer Nationalmannschaften in ihren Heimatmärkten auf.

Gegenüber den NBA-Clubbesitzern ist die FIBA aber im Hinblick auf die Durchsetzung ihrer Forderungen ein zahnloser Tiger. Der Weltverband hat nur wenige Einflussmöglichkeiten auf diesen erlesenen Kreis und keine, die in der Praxis tatsächlich in Betracht gezogen würden. Einen Ausschluss der NBA-Spieler von den Olympischen Spielen zum Beispiel wird der Weltbasketballverband hinsichtlich der nicht absehbaren Folgen nicht wagen.

So bleibt der FIBA nur übrig Anreize für die NBA-Teams zu schaffen. Die Gespräche der beiden Parteien sind auch bereits im vollen Gange. Neben den Versicherungen der Spieler steht dabei vor allem der finanzielle Benefit der abstellenden Vereine im Vordergrund der Verhandlungen. Jüngst ließ Patrick Baumann, Generalsekretär der FIBA, in einem Interview mit ESPN verlauten, dass man bereit sei die NBA-Teams (im Übrigen auch die EL-Teams) an den erwarteten Gewinnen der FIBA-Wettbewerbe zu beteiligen. So weit so gut. Es ist jedoch mehr als zweifelhaft, ob die generierten Summen durch die Wettbewerbe und der Anteil davon, der für die NBA-Teams vorgesehen ist, auch nur einen Bruchteil der Erwartungen der Clubeigner für die Abstellung der Spieler während der Saison erfüllen kann.

Eine Änderung des Spielplans der NBA zum Zwecke der Abstellung von Spielern erscheint vor diesem Hintergrund weiterhin utopisch. Das weiß auch Baumann. Der FIBA wird es bei den Verhandlungen wohl eher darum gehen, ein grundsätzliches Verständnis für ihre Reform  bei den Clubeignern zu wecken und dadurch zumindest für die beiden Qualifikationsphasen außerhalb der NBA-Saison eine Freistellung der Spieler zu erreichen. In den Monaten Februar und November die sich inmitten der Regular Season der NBA befinden, werden die Nationalmannschaften also aller Voraussicht nach auf ihre Spieler aus der nordamerikanischen Profiliga verzichten müssen (Non-NBA-Qualifikationsphasen). Andererseits könnte es von der FIBA als Verhandlungserfolg verbucht werden, wenn sich die Clubbesitzer dazu bereit erklären, ihre Spieler in den Spielmonaten außerhalb der NBA-Saison, also im Juni und September (NBA-Qualifikationsphasen), sowie für die Turniere selbst freizustellen. Das könnte ein Kompromissvorschlag sein dem von den NBA-Clubeignern, wenn ein entsprechender Benefit zu erwarten wäre, zugestimmt werden könnte.

Die nächsten Wochen und Monate werden aus sportpolitischer Sicht also spannend bleiben. Die Verhandlungen mit den NBA-Clubbesitzern gehen weiter. Im November treffen sich das Executive Committee der FIBA und das FIBA Europe Board. Bis dahin sollen auch die Gespräche mit der Euroleague offiziell wieder aufgenommen werden. Spätestens Anfang des nächsten Jahres wissen wir dann mehr, in welche Richtung sich der europäische und weltweite Basketball entwickeln wird.

Dies ist ein Gast-Artikel von Basket-Balls.de – Deinem Forum rund um den europäischen Basketball.

Schöne neue (FIBA-) Welt Reviewed by on . Die Europameisterschaft 2015, die erstmals in mehreren Ländern gleichzeitig ausgetragen wurde, ist erst vor kurzem mit dem Sieg einer furios aufspielenden spani Die Europameisterschaft 2015, die erstmals in mehreren Ländern gleichzeitig ausgetragen wurde, ist erst vor kurzem mit dem Sieg einer furios aufspielenden spani Rating: 0

über Babis Charalampidis

Seit jeher als Aktiver, Fan und Mitbetreiber von basket-balls.de dem orangenen Ball verbunden. Motto: In Europa wird der emotionalere und authentischere Basketball gespielt. Lieblingsspieler: Nikos Galis, Theo Papaloukas und Dirk Nowitzki

Hinterlasse einen Kommentar

scroll to top