Sonntag , 24 Juli 2016

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„Ich habe intensiv darüber nachgedacht mich aus dem Trierer Basketball zurückzuziehen“ – Chris Schmidt, Telekom Basketball Moderator und Hallensprecher der Gladiators im großen Interview

Chris Schmidt Telekom Basketball

Liebe Leser und Basketball-Fans, hier gibt es ein Schmankerl für Euch. Der 33-jährige Chris Schmidt, seines Zeichens Reporter bei Telekom Basketball und Hallensprecher bei den Gladiators Trier, nahm sich für uns Zeit und beantwortete einige Fragen. Lernt den Sportverückten kennen, wie er leibt und lebt! Viel Spaß beim Lesen.

BBLProfis: In Trier gab es vor der Saison einen kompletten Neustart. Als Hallensprecher der Gladiators – wie empfindest Du die Annahme des neuen Vereins in der Region oder auch in Basketballdeutschland durch die Fans und das Umfeld vor Ort?

Chris Schmidt: Ich habe den Prozess des Neuaufbaus in Trier intensiv verfolgt und empfinde in erster Linie eine große Dankbarkeit gegenüber den Personen, die in einer extrem schwierigen Lage und unter enormem Zeitdruck die Grundlagen dafür geschaffen haben, dass es weiterhin Profibasketball in Trier gibt. Hier ist vor allem Ronny Höpfner zu nennen, der ehrenamtlich bis an die Grenze der Belastbarkeit dafür gekämpft hat. Sicherlich hat die Übertragung der Spielberechtigung nach Göttinger Vorbild, also quasi ohne sportliche Qualifikation auf eine neue Gesellschaft, ein „Geschmäckle“.

Ich verstehe, dass dies in der ProA und auch unter Fans in Basketballdeutschland kontrovers diskutiert wurde. Andererseits hat es der Standort mit seinen treuen Fans einfach verdient weiterhin Profibasketball zu erleben. Ich fand es konsequent und richtig mit einer neuen Marke auch nach außen hin ein klares Zeichen des Neuanfangs zu setzen und mit neuer Transparenz und Glaubhaftigkeit als Gladiators Trier an den Start zu gehen.

Der Anfang ist gemacht, die Mannschaft überzeugt mit leidenschaftlichem Kampfgeist und ist sportlich trotz mehrerer verletzungsbedingter Ausfälle konkurrenzfähig. Auch strukturell sind vielversprechende Ansätze zu sehen, die der neue Manager Michael Lang eingeführt hat. Ich hoffe, dass dies nun auch Früchte trägt und sich vor allem herumspricht, das Basketball in der ProA richtig Spaß machen und auch attraktiv sein kann. Wir versuchen dazu mit unseren Videospielberichten auch einen kleinen Beitrag zu leisten, letztlich ist aber jeder Zuschauer und Fan als Botschafter gefordert, damit die Zuschauerzahlen weiter steigen. Jetzt wird sich zeigen, ob Trier wirklich eine Basketballhochburg ist.

BBLProfis: Wie hast Du selbst auf diesen Schritt reagiert?

Chris Schmidt: Das war auch für mich eine Zäsur, ich habe intensiv darüber nachgedacht mich aus dem Trierer Basketball zurückzuziehen, um neben den steigenden Einsätzen bei Telekom Basketball mehr Zeit für meine Familie und vor allem meine beiden kleinen Töchter zu haben. Michael Lang hat mich letztlich davon überzeugt, dass er mich als eine Art Sympathieträger unbedingt an Bord haben möchte und ich fühlte mich auch den Trierer Fans in gewisser Weise verpflichtet – schließlich wäre ich ohne sie nicht da gelandet wo ich heute bin. Es wäre ein falsches Signal gewesen, nachdem ich jahrelang sehr viel Zeit und Energie investiert hatte. Letztlich war es also keine rationale Entscheidung sondern eher eine des Herzens.

BBLProfis: Die neu geschaffenen Gladiators Trier spielen nun ihre erste Saison im Profibasketball. Was für Erwartungen hat Du an die 1. Spielzeit in der ProA? Ist der Aufstieg machbar oder sogar das Ziel?

Chris Schmidt: Ich finde man muss dies mit Demut und auch dem gebührenden Respekt vor der Qualität der Zweiten Basketball-Bundesliga betrachten. Sicher gibt es nach 25 Jahren erste Liga in der Region Trier zum Teil überzogene Erwartungen, weder die Verantwortlichen noch der harte Kern der fachkundigen Basketball-Fans wäre aber so vermessen das Wort „Aufstieg“ in den Mund zu nehmen.

Es geht darum sich zu konsolidieren, sauber zu wirtschaften, Vertrauen zurückzugewinnen und so das zarte neue Pflänzchen des Trierer Profibasketballs auf einem gesunden Nährboden kontinuierlich wachsen zu lassen. Natürlich ist das sportliche Abschneiden wichtig, aber noch entscheidender ist es, dass der Club für eine neue Identität und einen Wertekodex steht, mit dem sich die Sponsoren und das Publikum identifizieren können. Hier passt die Spielweise und der Einsatz der neuen Mannschaft erfreulich früh zum neuen Namen Gladiators Trier, Kompliment an Coach Marco van den Berg. Dass Topscorer Brandon Spearman trotzdem in einem aktuellen Interview mit Eurobasket vom ProA-Finale spricht sollte man nicht überbewerten – Profis müssen sich ehrgeizige Ziele setzen.

BBLProfis: Kommen wir einmal zu den Basketballübertragungen der Telekom. Telekom Basketball gibt es nun seit einer Saison, dennoch wurden schon viele neue Impulse gesetzt, die auf Anhieb sehr gut ankamen. Speziell die Moderatoren und Kommentatoren heben sich hier ab. Wie bereitest Du dich auf eine Übertragung vor? Interviewst Du vorher noch Spieler und Trainer hinsichtlich der neuesten Entwicklungen?

Chris Schmidt: Ich bin wirklich stolz darauf Teil dieses Projekts zu sein, weil es meiner Meinung nach die Basketballberichterstattung auf ein neues Qualitätsniveau hebt, technisch, aber vor allem auch inhaltlich. Es ist schön, dass ihr das offensichtlich auch so seht. Wir sind ein Team mit großem Spaß und Leidenschaft für den Sport. Gerade im zweiten Jahr wollen wir auch neue Akzente setzen, die größere redaktionelle Berichterstattung u.a. auf telekombasketball.de ist ein wichtiger Baustein.

Ich bereite mich auf jedes Spiel intensiv vor, schaue mir die letzten Begegnungen oder Spielberichte an, recherchiere zu jedem Spieler seinen Werdegang, lese nationale und internationale Pressemitteilungen, erfasse die Statistiken und die wichtigsten Infos und tausche mich selbstverständlich auch mit Vereinsvertretern, Spielern und Trainern aus. Gerade zu Beginn der Saison finde ich es z.B. auch wichtig die Namen korrekt auszusprechen und frage im Zweifel direkt bei den Jungs nach.

BBLProfis: An dieser Frage kommt wohl kaum ein deutscher Basketball-Kommentator vorbei: Frank Buschmann ist für viele Fans das Aushängeschild was Kommentatoren im Basketball-Zirkus angeht. Ist er auch Dein Vorbild? Buschi ist ebenfalls Reporter bei der Telekom und somit Dein Arbeitskollege. Tauscht ihr euch untereinander aus?

Chris Schmidt: Buschi lebt für den Basketball und ist das Aushängeschild, das Gesicht von Telekombasketball. Von seinem Erfahrungsschatz können wir jungen Kommentatoren nur profitieren. Er ist nicht umsonst gerade wieder von den Sportlern zum besten Sportkommentator Deutschlands gewählt worden. Vorbild ist in diesem Zusammenhang aber das falsche Wort, weil ich denke, dass jeder Kommentator seinen eigenen Stil, seine eigene Identität und Persönlichkeit entwickeln sollte.

Auch ich polarisiere durch meine Art des Kommentierens und werde dadurch öfter mit ihm verglichen. Ich würde ihn aber eher als Mentor sehen. Ich finde es bemerkenswert, dass Frank Buschmann sich selbst die Aufgabe gestellt hat den Nachwuchs um Jan Lüdeke, Benni Zander, Alex Klich und mich zu fördern und zu fordern. Wir hatten zum Beispiel einen ganztägigen Workshop mit ihm und wer Buschi kennt der weiß, dass da nicht um den heißen Brei herumgeredet wurde. Ich glaube, dass ich von vielen Kollegen lernen kann und bin begeistert davon wie intensiv hier der Austausch untereinander ist.

BBLProfis: Im Rahmen der vergangenen Saison veröffentlichtete die Telekom ein Video, welches den Tagesablauf von Buschi dokumentierte. Wie sieht Dein Arbeitstag als Kommentator bei Telekom Basketball aus?

Chris Schmidt: Der Ablauf ist im Prinzip immer gleich: Wir erhalten zunächst per Mail zu jedem Spieltag ein Roundup mit den wichtigsten Informationen. Es gibt immer einen Leiter der Sendung, der die redaktionelle Hoheit hat. Mit ihm spricht man im Vorfeld detailliert über die geplanten Inhalte. Wer sind die Schlüsselspieler, welche Neuigkeiten gibt es bei den Vereinen, welche Interviewgäste stehen zur Verfügung, welche Highlights aus vergangenen Spielen können wir einsetzen etc.? Wir beschäftigen uns also intensiv mit jeder Begegnung. Vor Ort gibt es zwei Stunden vor Übertragungsbeginn eine Einsatzbesprechung mit allen Beteiligten, in der der genaue Ablauf der Sendung besprochen wird. Anschließend gibt es eine technische Probe und ich suche auch immer noch mit den Trainern und Spielern das Gespräch, dann geht es bald los mit den ersten Interviews.

Bei den meisten Spielen fungiert man in Doppelfunktion als Moderator und Kommentator. Ich mache mir für die Analyse und im Hinblick auf den Gamereport auch während des Kommentierens schon Notizen, halte zum Beispiel Läufe, wichtige oder besonders spektakuläre Aktionen fest. Wenn ich einen bestimmten Schwerpunkt ansprechen möchte, wie z.B. das Reboundverhältnis, spreche ich auch mit dem Grafiker, so dass die passenden Informationen im Bild angezeigt werden. Nach dem Spiel gilt es nach dem Kurzfazit schnell aufs Spielfeld zu kommen, damit man auch von beiden Mannschaften noch Stimmen einfangen kann. Circa 30 Minuten nach dem Spiel vertont man dann noch die schönsten Szenen im Gamereport in einer Länge von ca. 5 Minuten. Alles in allem also eine sehr intensive und fordernde Aufgabe.

BBLProfis: Seit wann bekleidest du das Amt des Hallensprechers in Trier und wie bist Du dazu gekommen?

Chris Schmidt: Ich bin seit 2008 Hallensprecher in Trier und über meinen Job als Radioredakteur dazu gekommen. Zunächst war ich als emotionaler Sidekick, als Einpeitscher im Abstiegskampf neben dem etablierten Hallensprecher gestartet und habe dann auf Wunsch des Vereins ab der Saison 2008/2009 den Posten ganz übernommen. Ein Jahr zuvor, also 2007 hatte ich einen Audiostream von allen Auswärtsspielen gestartet, der nach über 100 Spielen in der vorletzten Saison von einem eigenen Videostream abgelöst wurde. Die Kosten hierfür hatten wir über ein Crowdfund finanziert und insgesamt 21 Heim- und Auswärtsspiele übertragen. Das war letztlich dann auch das Sprungbrett zu Telekom Basketball.

BBLProfis: Du warst unter anderem schon für den Radiosender RPR 1. und für die RTL-Gruppe aktiv. Was waren dort deine primären Aufgaben?

Chris Schmidt: Ich war zunächst Radioredakteur, nach dem Volontariat also als Moderator und vor allem Nachrichtensprecher und Sportreporter aktiv, u.a. in der Fußball Bundesliga und Formel 1. Nach einigen Jahren bin ich dann in den Bereich Marketing und Vertrieb gewechselt und habe mich ansonsten auf die Offair-Moderationen spezialisiert, vor allem im Sportbereich.

BBLProfis: Dass du ein Kommentator mit vielen Emotionen bist, ist ja spätestens seit der Telekom-Übertragung aus Würzburg vom 2. Spieltag bekannt. Wie sieht es in Sachen Emotionen als Hallensprecher bei den Gladiators aus? Musst Du deine Emotionen hier manchmal zurückhalten?

Chris Schmidt: Mir ist klar, dass ich als Kommentator polarisiere, aber ich glaube, dass ist letztlich gut für den Sport und auch für mich. Die Zuschauer sprechen darüber im Positiven wie im Negativen, man fällt mehr auf. Was dort passiert ist ja nicht geplant, es ist die Begeisterung, die mich mitreißt. Für mich gehören Emotionen zum Sport. Ich hoffe, dass die meisten Zuschauer das gut finden, weil es authentisch ist – manchmal erschrecke ich aber auch selbst. Die richtige Balance zu finden ist ein Lernprozess.

Natürlich muss man auch als Hallensprecher seine Emotionen im Griff haben, weil man eine gewisse exponierte Stellung hat. Es gibt auch eine düstere Vorgeschichte dazu. So habe ich einmal wegen einer Geste gegenüber des Schiedsrichters ein technisches Foul kassiert, weil ich in der Nähe der Mannschaftsbank stand.

BBLProfis: Die vergangene Saison bei der damaligen TBB Trier endete aus finanziellen Gründen mit einem Neubeginn in der ProA. Vielen Basketball-Fans ist ein Bild von dir in Erinnerung, bei dem du voller Emotionen warst. Was ging dir in diesem Moment durch den Kopf?

Chris Schmidt: Die gesamte Situation war einfach überwältigend. Als der Fanblock nach dem letzten Spiel meinen Namen rief war es endgültig vorbei, da kam alles hoch. Es war ja gut möglich, dass das für immer das letzte Profibasketballspiel in Trier war. Man denkt an die großen Momente, die man erlebt hat, an tausende Kilometer und Nächte, die man durch Basketballdeutschland gefahren ist. Zumindest für mich war auch klar dass die Ära Henrik Rödl vorbei war, ich wusste, dass mit Thomas Päch ein Freund die Stadt verlassen wird. Es war einfach ein sehr emotionaler und sentimentaler Moment nach ohnehin schwierigen Wochen.

BBLProfis: Was war Dein schönstes Erlebnis als Reporter, gleich ob beim Basketball oder vor dieser Zeit?

Chris Schmidt: Das kann ich nicht auf ein konkretes Erlebnis reduzieren, es gibt so viele Begegnungen und Momente, die unvergesslich sind. Es ist wirklich ein Privileg das tun zu dürfen, wovon man schon als Kind geträumt hat. Es sind im Grunde Meilensteine, die besonders im Gedächtnis geblieben sind. Das erste Mal als Praktikant on air im Radio zu hören zu sein, die erste Live-Nachrichtensendung, der erste Live-Kommentar aus dem Fußballstadion, ein Interview als Jungspund mit Promis wie Thomas Gottschalk oder Dirk Nowitzki, der erste Audiostream damals aus der Rundsporthalle in Ludwigsburg. Der Moment als in Quakenbrück unser erster Videostream on air ging, meine erste Übertragung bei Telekom Basketball aus Ludwigsburg, mit der ich gleich in der Sportbild landete. Die Liste ist lang und könnte sich endlos weiterführen lassen.

BBLProfis: Nun zu unserer letzten Frage an dich, Chris. Hast du ein sportliches Vorbild? Wenn ja, welches?

Chris Schmidt: Ich bewundere den Menschen Dirk Nowitzki, nicht nur den Sportler. Ich habe im Laufe der Jahre aber viele herausragende Persönlichkeiten kennenlernen dürfen und würde daher nicht sagen, dass ich ein bestimmtes sportliches Vorbild habe.

Wir bedanken uns bei Chris Schmidt für das große und ausführliche Interview und wünschen ihm alles Gute. Viel Erfolg weiterhin in der Karriere als Sportreporter und Hallensprecher, aber genauso im Privatleben.

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über Sven Fleischmann

Sven Fleischmann
Unser Autor Sven Fleischmann ist beim Basketball vor und hinter den Kulissen mit vollem Herzen dabei. Als Fans unterstützt Sven leidenschaftlich die Brose Baskets aus Bamberg, wie auch das Team der Young Pikes Baunach. Neben Neuigkeiten widmet sich Sven ebenfalls den Themen Portraits und Interviews.

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