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Dienstag, September 21, 2021

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Antonio Graves – Reise (vorerst) beendet

Antonio Graves

,,Reisende soll man nicht aufhalten‘‘. In früheren Jahren musste sich wohl so mancher europäischer Basketballfan dieser bekannten Redensart bemühen, wenn er im Sommer den Abgang von Antonio Graves vom jeweiligen Lieblingsverein mehr oder weniger glücklich kommentieren sollte. Im beschaulichen Quakenbrück kennen sie dieses Sprichwort auch, allerdings bislang nicht im Zusammenhang mit besagtem Spieler. In diesem Jahr ist nämlich alles anders. Die Verantwortlichen der Artland Dragons haben es tatsächlich geschafft, den mittlerweile 29-jährigen Profi von einem Verbleib zu überzeugen, indem sie mit einer guten sportlichen Perspektive punkteten und auch monetär die Vorstellungen des Guards erfüllen konnten. Ihm gleich tun es 7 weitere Spieler aus der abgelaufenen Saison. Was Antonio Graves sportlich so wertvoll macht, was es zu seiner ereignisreichen Karriere zu berichten gibt und woher er stammt, erfahrt ihr hier.

Spielerinformationen zu Antonio Graves

Das Licht der Welt erblickte Antonio Dapreis Graves am 17.04.1985 in Mansfield(USA). Im Herzen Ohios wuchs er gemeinsam mit fünf Geschwistern auf und besuchte die High School in seiner Heimatstadt. Im Sommer 2003 wechselte er dann auf das College von Pittsburgh, welches ein starkes Interesse an ihm gezeigt hatte. Nach vier lehrreichen Jahren begann er die Karriere als professioneller Basketballer. Antonio Graves ist 1,91m groß und wiegt 86kg und bekleidet die beiden Guard-Positionen.

Collegezeit ohne Titel

In der Debütsaison 2003/2004 für die Pittsburgh Panthers erzielt Graves in durchschnittlichen 10,8 Minuten 2,1 Punkte und wirkt in allen 33 ausgetragenen Spielen mit, in vier Spielen sogar als Starter. Im NCAA-Tournament scheidet das Team aus Pittsburgh erst im Achtelfinale gegen Oklahoma State aus. Im darauffolgenden Jahr läuft es zwar für das Team etwas schlechter, die Statistiken des Sophomores können sich allerdings sehen lassen. In 26.9 Minuten, die er im Schnitt auf dem Feld steht, gelingen ihm 7,8 Punkte und eine herausragende Trefferquote von jenseits der Dreierlinie(46,2%). Auch seine Starting-5-Einsätze mehren sich beachtlich! Nur in zwei von 27 Spielen steht er nicht zu Beginn des Spiels auf dem Court. Als Bonbon obendrauf wird ihm der Titel des besten Verteidigers verliehen. Dieser rasante Aufstieg endet jedoch vorzeitig in seinem dritten Jahr in Pittsburgh, wo er zwar 33 Spiele bestreitet, jedoch fast ausschließlich von der Bank kommt und weniger Minuten sieht, welches zur Folge hat, dass die durchschnittliche Punkteausbeute von 7,8 im Vorjahr auf nur noch 5,0 sinkt. Auch das Team verbessert sich nicht, in der zweiten Runde der NCAA-Meisterschaft ist gegen die Bradley University Endstation. Angetrieben von der kleinen Enttäuschung im Jahr 2005/2006 lässt Graves dann allerding im Senior-Jahr, seinem letzten am College also, noch mal alles raus, was sportlich in ihm steckt. In 37 Spielen steht er immer in der Startformation und spult seine bis dato meiste Einsatzzeit ab. In etwa 28 Minuten gelingen Graves 9,2 Punkte und eine vorzeigbare Trefferquote von 40,2% vom Perimeter, was allerdings auch in diesem Jahr nicht das Ausscheiden im Achtelfinale gegen die UCLA Bruins verhindert.

Eine Reise um die Welt

Im Sommer 2007, nach Abschluss seiner schulischen Reife in Pittsburgh, meldet sich Antonio Graves zur Draft an, wo er allerdings nicht beachtet wird im Gegensatz zu Größen wie Kevin Durant oder Joakim Noah. Ohne einen NBA-Vertrag in der Tasche versucht er zunächst in unterklassigen heimischen Ligen sein Glück, beendet dieses Abenteuer aber kurzerhand im Dezember 2007 für ein Engagement im französischen Pau, wo er in 18 Spielen starke 20,4 Punkte auflegt und durch eine starke Trefferquote überzeugen, sein Team jedoch nicht mehr in die Playoffränge führen kann. Im folgenden Sommer beschließt er dann, nicht weiter in Frankreich zu verweilen, sondern sich dem türkischen Club aus Istanbul anzuschließen. Mit Galatasaray Cafe Crown gelingen ihm fast 15 Punkte pro Spiel und ein verdienter vierter Platz nach Ende der regulären Saison. In den folgenden Playoffs ist dann aber bereits im Halbfinale Schluss gegen Efes Pilsen, welches schlussendlich den Titel gewinnen kann. Ohne Titel aber mit einer weiteren Saison im Gepäck verabschiedet sich Graves 2009 schließlich nach Zagreb, von wo er aber nach wenigen Monaten wieder verschwindet, da er sich mit der Klubführung nicht über angeblich noch ausstehende Zahlungen einigen kann. Vereinslos bleibt er allerdings nur kurz, denn der israelische Verein Hapoel Holon bekundet Interesse am Guard und entschließt sich zu einer Verpflichtung bis Saisonende. Wo zweieinhalb Jahre vorher noch ein gewisser P.J. Tucker gute Zahlen auflegt, spielt nun Antonio Graves und startet mit vielversprechenden Leistungen. Etwas mehr als 14 Punkte in den ersten sieben Spielen lassen hoffen, jedoch kann er diese Leistungen nicht ganz bestätigen und spielt in den letzten Spielen etwas unter seinen Möglichkeiten, was zur Folge hat, dass Holon den Gang in die Zweitklassigkeit antreten muss, jedoch ohne Graves. Letzterer beschließt, seine Zelte in Israel einzureißen und einen Vertrag bei Banvit BK Bandirma zu unterschreiben. Mit großen Hoffnungen gestartet, gestaltet sich sein zweites Engagement in der Türkei jedoch schwierig. Wadenprobleme verhindern, dass Graves die Scoringlast tragen kann, die für ihn vorgesehen ist und er muss feststellen, dass die Verletzung einen Einsatz unmöglich macht. Nicht verwunderlich ist es daher, dass ihm kein neuer Vertrag angeboten wird und er seine Europatour vorerst auf Eis legen muss, was zur Folge hat, dass er nur im amerikanischen D-League-Team aus Canton eine Chance bekommt, sich für höher dotierte Verträge zu empfehlen. Zwar springen keine ganz große Spitzenleistungen, dafür aber ausreichend Spielzeit heraus, welche Graves durchschnittlich für 8,9 Punkte, 2 Rebounds und 1,7 Assists nutzt. Während seine Dreierquote in den zurückliegenden Saisons zumeist sehr schwankte, pendelt sie sich in der D-League bei 37,5% ein. Basierend auf der Erkenntnis, dass Graves zwar möglicherweise seine Glanzzeit hinter sich hat durch die Verletzung, nun aber wieder überaus solide Zahlen auflegt, legt der italienische Zweitligaverein aus Pistoia Graves ein Angebot vor, welches er schlussendlich annimmt und somit zur Saison 2012/2013 nach Italien reist. Dort angekommen muss er direkt Verantwortung übernehmen um das Ziel, den Aufstieg in die erste Liga, zu erreichen. In 30 Minuten Spielzeit scort Graves etwa 16 Punkte und legt gute Zahlen auf, was einerseits mit der Schwäche der Gegner, andererseits aber auch mit zurückgewonnener Stärke zu erklären ist. Am Ende seiner Zeit in Italien steht der Wiederaufstieg, der ohne Graves wohl nicht zustande gekommen wäre. Dass gute Arbeit auch in unterklassigen Ligen honoriert und beachtet wird, erkennt Antonio Graves dann, als der deutsche Playoffteilnehmer, die Artland Dragons, ihm einen Vertrag anbieten, welchen er postwendend unterschreibt. Nach einem starken Jahr, welches schlussendlich mit der Niederlage gegen Alba Berlin im Halbfinale der Playoffs endet, entschließt sich Graves, seine Unterschrift unter einen neuen Einjahresvertrag zu setzen und auch in der kommenden Saison im Arland anzugreifen.

Defense-First-Attitüde

Antonio Graves besetzt bei den Artland Dragons die Position des Shooting Guards. Teilweise rückt er auch auf die 1, wenn dort Not am Mann ist. Mit seinen 1,91m besitzt er eine gute Größe, um sowohl robuste Zweier als auch schnellere Guards zu kontrollieren. Seine langen Arme machen ihn daher zu einem gefürchteten 1-gegen-1-Defender. Laut Coach Tyron McCoy habe Graves in der vergangenen Saison gezeigt, was für ,,ein guter Verteidiger‘‘ er sei. Gerade die Kombination aus Graves und Holston macht die Stärke im Backcourt aus. Holston als Point Guard kann scoren und hat ein gutes Auge für den Nebenmann, Graves dagegen versteht sich auf die Defensive und greift damit seinem eher defensivschwachen Kollegen unter die Arme, indem er den besten Guard des Gegners verteidigt. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Gegenspieler bereits beim Einwurf unter Druck gesetzt oder erst in der Halfcourt-Offense in die Mange genommen werden soll, Graves löst die Aufgaben, welche an ihn gestellt werden, zumeist mit Bravour. Eine weitere Stärke vom 29-jährigen Combo-Guard ist sein Ballhandling. Denkt man an die Alba-Serie zurück, fällt einem schnell ein, dass Graves oftmals der Spieler war, der die Spielzüge einleiten musste, da sein Pendant auf Berliner Seite Cliff Hammonds David Holston in Besitz genommen hatte. Dabei fiel auf, dass er trotz harter und guter Defense wenig Turnover produzierte und die eigentliche Aufgabe des Playmakers durchaus ansprechend übernahm. Auch in der neuen Saison kann man deshalb gespannt sein, ob Holston teilweise von Graves beim Ballvortrag abgelöst wird und ob ersterer dann auf der Weak-Side auf den offenen Dreier wartet. Gewiss ist jedenfalls schon jetzt, dass Graves auch in der Offensive einige Waffen besitzt, die jedes Team gut gebrauchen kann. Aus dem Pick and Roll oder Pick and Pop mit vorzugsweise Lawrence Hill weiß Graves sich oder seine Mitspieler in Szene zu setzen. Dabei helfen ihm ein solider Midrange-Jumper sowie ein Floater, der nicht zu unterschätzen ist. Bleibt der gegnerische Big Men tief in der eigenen Zone und verteidigt den Zug zum Korb, kann Graves aus der Mitteldistanz punkten. Verteidigt der Gegner eng am Mann oder lenkt seine Aufmerksamkeit auf jemanden wie Hill an der Dreierlinie, zieht Graves zum Korb mit seiner guten aber nicht außergewöhnlichen Schnelligkeit. Ohne Schwäche ist allerdings auch der Verteidigungsminister aus Quakenbrück nicht, denn offensiv ist sein Wurf vom Perimeter nicht konstant genug, 33,3% in den gesamten Playoffs sprechen dahingehend eine deutliche Sprache. Während es in der regulären Saison noch 36,5% waren, litt seine Quote leider etwas unter der guten gegnerischen Verteidigung und der immensen körperlichen Belastung. Auch in der Defensive ist nicht alles Gold was glänzt. Die Reboundausbeute ist auch für einen kleineren Spieler wie Graves nicht herausragend und so kommt es vielleicht für einige überraschend, dass ein Spieler wie David Holston mehr Abpraller pro Spiel sichert als sein Mannschaftskollege.

Fazit

Antonio Graves ist ganz klar der Verteidigungsspezialist in Quakenbrück. Gemeinsam mit David Holston ergänzt er sich nahezu perfekt und hat maßgeblich zum Erfolg im letzten Jahr beigetragen. Im Verlauf der abgelaufenen Saison wurde er immer stärker und konnte z.B. gegen den MBC beweisen, dass er der Mannschaft auch offensiv weiterhelfen kann. Vom Spielertyp ähnelt er sehr dem starken Berliner Cliff Hammonds und gemeinsam mit dem neu dazugekommenen David McCray wird er die Artland Dragons auf den kleinen Positionen defensiv anführen. Und wer weiß, vielleicht kommt auch ein Globetrotter wie Graves mal zur Ruhe und findet seine sportliche Heimat. ,,Unverhofft kommt oft‘‘, oder wie heißt es so schön…

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Matthias Schmidt
Artland Dragons und Dallas Mavericks Fan.

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