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MHP RIESEN Ludwigsburg- der Kader für 2014/15

Teamfoto_MHP RIESEN_2014_2015

Playoffs! Das bedeutet volle Hallen, gute Stimmung, enge Partien und hohe sportliche Qualität. Wenn dann noch der Vizemeister und Hauptrundenerste aus München anreist, dann sollte der Gegner besonders motiviert sein, wenngleich die Chance auf einen Upset nicht unbedingt groß erscheinen mag. Was die Ludwigsburger aber in den Spielen gegen den späteren Finalisten und Gewinner des Ligatitels anstellten, besonders in eigener Halle, das war dann doch etwas überraschend und sorgte für viel Wirbel und positive Euphorie rund um die von Coach John Patrick trainierte Truppe. Da rückte sogar in der anschließenden Saisonanalyse die starke reguläre Saison mit 18 Siegen und 16 Niederlagen in den Hintergrund in Anbetracht des Gamewinners von Coby Karl oder dem lang und breit diskutierten Wiederholungsspiels. Zwar steht am Ende das Aus in der ersten Playoffrunde mit einer 3:1 Niederlage, dennoch dürften nur ganz, ganz wenige Zuschauer enttäuscht über die vergangene Spielzeit gewesen sein. Schließlich war Ludwigsburg 2007 letztmalig dazu berechtigt, mit den anderen sieben besten Teams um die Krone im deutschen Basketball zu spielen. Damit nach der letzten Saison nicht wieder so lange gewartet werden muss, hat man in Ludwigsburg viele Leistungsträger gehalten und auch mit dem Trainer bis 2017 verlängert. Zwar schmerzt der Abgang des Topscorers und der Kader wurde in der Vorbereitung nochmals verändert, dass die Playoffs trotzdem wieder erreicht werden, daran glauben viele. Wie gut die Chancen genau stehen und was der Kader bereit hält, erfahrt ihr hier.

Headcoach: John Patrick
Zugänge: Stephen Holt (Saint Mary‘s, USA), Kerron Johnson (New Zealand Breakers, Neuseeland), John Little (s.Oliver Baskets Würzburg), Travis Warech (BIG Oettinger Rockets Gotha), Matthew Bryan-Amaning (SO Maritime Boulogne, Frankreich), Chris McNaughton (s.Oliver Baskets Würzburg)
Abgänge: Takumi Ishizaki (unbekannt), Keaton Grant (Aquila Basket Trento, Italien), CJ Harris (Ratiopharm Ulm), Mario Stojic (unbekannt), Amadi McKenzie (Fos Quest Provence Basket, Frankreich), Robert Tomaszek (Slask Wroczlaw, Polen), Gary McGhee (CSM Oradea, Rumänien)

Point Guard: Michael Stockton / Kerron Johnson / John Little

Der Sohn von NBA-Legende John Stockton geht in seine zweite Saison in der höchsten deutschen Spielklasse. Vor der letzten Saison aus Karlsruhe gekommen, gab es durchaus einige Kritiker, die in ihm keinen Starting-PG in der BBL sahen, sondern nur einen guten ProA- Spieler, welcher allenfalls als Backup in der ersten Liga tragbar sei. Nach nur einem Jahr sollte der mittlerweile 25-jährige Amerikaner bewiesen haben, dass der geäußerte Unmut über seine Verpflichtung nicht berechtigt war. Die Statistiken zeigen vielmehr, welch konstant gute Leistungen Michael Stockton abruft und wie wenig das höhere Niveau seiner Effektivität geschadet hat. Während seine Punkteausbeute zwar pro Spiel von 13,74 aus Karlsruher Tagen auf 11,66 im Ludwigsburger Jersey sank aufgrund der geringeren Wurfanzahl, steigerte er sich in Sachen Vorlagen sogar noch einmal von 3,45 auf 3,61 Assists. Zudem stieg die durchschnittliche Minutenanzahl von 30,3 auf 31,4 Minuten an, was seine Wichtigkeit untermauert und zeigt, dass er als Aufbauspieler einer der tragenden Säulen im Team von John Patrick war. Vor allem seine Fähigkeiten als überdurchschnittlicher Passer, seine Schnelligkeit sowie sein starker erster Schritt machen ihn so wertvoll und besonders. Verbessern muss er dagegen wieder seinen Wurf vom Perimeter, der nicht zu seinem Spezialgebiet zählt und nicht konstant fallen will(32,6%). In der zweiten Liga hat er aber bereits bewiesen, dass er auch von Downtown Gefahr ausstrahlen und hochprozentig treffen kann(38% bei 2,8 Versuchen pro Spiel). Defensiv spielt Stockton sehr solide und macht wenig Fehler, auch an seiner Reboundarbeit gibt es wenig auszusetzen. Dass er zwar, bei all dem Lob über seine zweifelsfrei starke Ausdauer auch seine Pausen benötigt, hat man des Öfteren gegen Ende eines Spiels gemerkt, als er mehr als einmal ausgelaugt wirkte. Damit er nun auch für längere Zeit auf der Bank platznehmen und verschnaufen kann, haben die Ludwigsburger den 1,85m großen Guard Kerron Johnson verpflichtet. Der 23-jährige Amerikaner hat erst eine professionelle Basketballsaison in Neuseeland hinter sich, wo er allerdings durch 12,6 Punkte und 4,3 Assists überzeugen konnte. Problematisch sind dagegen seine Wurfquoten von jenseits der Dreierlinie(31,1%) sowie von der Freiwurflinie(59,8%). Auch der Neuludwigsburger John Little, welcher voraussichtlich als siebter Ausländer eingeplant ist, präferiert eher den Zug zum Korb und trifft den Dreier nicht sehr gut(30,6%). Dafür kann der 1,80m große Amerikaner durch seine engagierte Defensivleistung punkten und kennt das Patrick’sche System bereits aus Würzburg. Des Weiteren kann er auch in gewissen Fällen auf die Zwei rücken, wenn dort Not am Mann ist und jemand ausfällt.

Ludwigsburg konnte mit Michael Stockton einen der Leistungsträger aus der Vorsaison von einem Verbleib überzeugen. Große Entwicklungssprünge wird man vom Amerikaner sicherlich nicht erwarten, trotzdem weiß der Verein, was er an ihm hat und was er sportlich präsentiert bekommt. Gegen Mitte/Ende der Vorbereitung wurde zudem der junge Kerron Johnson verpflichtet, der schon alleine aufgrund seiner Größe eher ein PG ist als ein  SG. Aus dieser Personalie lässt sich zudem ableiten, dass die Verantwortlichen in der Barockstadt im Endeffekt in dieser Saison auf Defensivklette Takumi Ishizaki  verzichten wollen. Neben Stockton und Johnson konnte man zudem John Little verpflichten, welcher in der BBL bereits seine Klasse unter Beweis gestellt hat und viel Einsatz auf dem Parkett zeigt. Insgesamt hat man sich auf der Eins klar verbessert, da mit Stockton und Johnson zwei gute Playmaker im Kader stehen und mit Little ein Defensivexperte in dieser Hinsicht die Qualität hoch halten wird.

Shooting Guards: Stephen Holt

Wer John Patricks Werdegang ein wenig verfolgt hat, der ist wohl schon einige Male über kurzfristige Vertragsauflösungen oder Nachverpflichtungen in dessen Teams gestolpert, da entweder die Fitness, die sportliche Qualität oder die Mentalität dem Coach missfallen haben muss. Und wie soll es anders sein, auch in Ludwigsburg erfährt man jetzt diese zum Teil etwas eigenartige Fluktuation. Da ist der ursprünglich geplante Kader schnell mal umgekrempelt und es stehen komplett neue Spielertypen auf dem Parkett als in der Vorwoche. In dieser Saisonvorbereitung traf es neben Ruben Boykin auch den als Starter auf der Zwei vorgesehenen Anthony Goods, welcher nach einigen Verletzungen eigentlich an seine in Frankreich gezeigten Leistungen anknüpfen und den Abgang von Topscorer Keaton Grant vergessen machen wollte. Daraus wird allerdings nichts, da der Vertrag nach nur einigen Wochen und insgesamt sechs Testspielen aufgelöst wurde. Derzeit steht mit Stephen Holt also nur ein reiner SG im Kader, wenn man Coby Karl als Starter auf der Drei ansieht. Holt kommt frisch vom College und ist mit seinen 22 Jahren noch sehr jung und unerfahren. Dass er trotzdem schon ein Team anführen kann, hat er bereits in der NCAA gezeigt, wo er in seinem Senior-Jahr, seinem letzten am College also, in allen Spielen in der Starting-5 stand und in 37,5 Minuten pro Spiel 15,18 Punkte, 3,76 Rebounds sowie 3,94 Assists auflegte. Auffallend bei Betrachtung seiner Collegestatistiken ist zudem die starke Dreierquote mit 44,3%. Meistens nimmt Holt dabei Würfe aus dem Catch-and-Shoot und weniger aus dem Dribbling. Zieht er doch zum Korb, dann schließt er oft per Floater oder direkt am Ring ab, was ihm gegen physisch stärkere Gegenspieler allerdings bisweilen noch sehr schwer fällt. Auch defensiv besitzt der Guard noch Entwicklungspotenzial. Zwar verfügt er über eine gute Schnelligkeit, bleibt aber abseits des Balles zu oft an Blöcken hängen und ist noch zu unaufmerksam im Antizipieren gegnerischer Screens. Abzuwarten bleibt, wie er die Umstellung vom College auf seine erste Profistation in Europa verkraftet und wie schnell er sich in das Team integriert. Überzeugt er in den ersten Spielen und Karl bleibt auf SF gesetzt, dann könnte Holt direkt in der Startformation stehen und viele Minuten abgreifen.

Mit Holt steht derzeit nur ein wirklicher SG im Ludwigsburger Kader. Da Holt eigentlich als sechster Mann vorgesehen war, nun aber aufgrund der Vertragsauflösung von Goods als Starter auflaufen könnte, sollte man ihn nicht so sehr mit Keaton Grant vergleichen, sondern eher mit CJ Harris. Letzterer spielte eine gute erste Saisonhälfte, verlor danach aber ein wenig sein Selbstvertrauen, sodass seine Zahlen etwas zurückgingen bei gleichbleibend hoher Effizienz. Harris machte besonders durch seinen starken Dreipunktewurf auf sich aufmerksam. Da auch Holt diesen im Repertoire hat und auch wie Harris letzte Saison frisch vom College kommt, sind beide in etwa auf demselben Leistungsniveau anzusiedeln. Keaton Grant, mit 15,6 Punkten pro Spiel bester Punktesammler in der vorherigen Spielzeit, muss durch Holt und die anderen Leistungsträger ersetzt und die Last auf mehrere Schultern verteilt werden. Derzeit sieht es aufgrund der erwähnten Auflösung des Vertrages von Goods noch etwas dünn aus im Backcourt. Wenn nicht im letzten Moment doch noch etwas sehr Überraschendes passiert, dann wird der Abgang von Grant nur schwer zu kompensieren sein. Daher nach jetzigem Stand ein klares Downgrade.

Small Forwards: Coby Karl / Travis Warech / Tim Koch

Neben Stockton steht mit Karl ein weiterer berühmter Name im Ludwigsburger Kader. Aber ähnlich wie beim Point Guard-Kollegen handelt es sich nicht um George Karl, sondern um dessen Sohn Coby. Dieser kam Ende letzten Jahres aus Italien in den Süden Deutschlands und sollte auf den kleinen Positionen für mehr Qualität und Quantität sorgen, was ihm hervorragend gelang. Karl startete in 23 von 24 Spielen und entwickelte sich zum Leistungsträger und zur Identifikationsfigur. Auf dem Feld zeichnen ihn vor allem sein enorm hoher Basketball-IQ sowie seine Variabilität aus. Von der Eins bis zur Drei kann er jede Position überdurchschnittlich gut bekleiden und seine Gegner in Schach halten. Diese Eigenschaft haben die Ludwigsburger auch bitter nötig, da im Backcourt und speziell auf der Zwei die Kaderbreite ein wenig abgeht. Ähnlich wie Michael Stockton oder Keaton Grant musste Karl fast immer über 30 Minuten spielen und kam vermehrt durch seinen guten Antritt und seinen starken Dreier(41,1%) zu hochprozentigen Abschlüssen. Dazu schnappte er sich 4,6 Rebounds und verteilte 3,6 Assists pro Spiel und überzeugte durch sein starkes All-Around-Game. Defensiv tritt Karl als Leader auf, indem er viel kommuniziert und seinen Mitspielern helfen möchte. Seine gute Spannweite und seine Größe von 1,96 machen ihn daher auch am anderen Ende des Courts zu einem gefürchteten Gegenspieler. Als Leader muss er auch dafür sorgen, dass sich die Neuzugänge wie Travis Warech schnell zu Recht finden. Warech kommt vom ProA-Verein aus Gotha und kann wie Karl sowohl auf der Zwei als auch auf der Drei spielen. Mit seinen 23 Jahren besitzt er noch großes Entwicklungspotenzial und soll in Ludwigsburg an seine Leistungen in der zweiten deutschen Liga anknüpfen und sich verbessern. Dort legte der Deutsch-Amerikaner in 27,3 Minuten gute 10,11 Punkte und 5,25 Rebounds auf und gefiel vor allem durch seine Szenen im Zweipunktebereich und seinen Arbeitseifer. Der Dreier dagegen wollte bei durchschnittlich 2,8 Versuchen pro Spiel(29,9%) nicht fallen. Gemeinsam mit Tim Koch, welcher vor einigen Jahren noch als großes Talent angepriesen wurde, nun aber langsam in der tristen Realität angekommen ist, muss er sich um die arg limitierten Minuten hinter Karl oder möglicherweise Shawn Huff duellieren.

Die beste Nachricht für viele Ludwigsburger Fans war sicherlich die Weiterverpflichtung von Coby Karl, welcher sich nicht erst durch seinen Buzzerbeater und Gamewinner gegen die Bayern in die Herzen der Zuschauer spielte. Hinter ihm kommen mit Teamplayer Travis Warech und Tim Koch zwei Spieler mit deutschem Pass, die für einige Minuten gut sind, jedoch auch an ihre Grenzen stoßen werden, gerade wenn bei beiden der Dreier nicht fallen will. Vergangenes Jahr versuchte sich Mario Stojic als Backup auf der Drei und machte seine Arbeit defensiv sehr gut, offensiv dagegen weniger erbaulich. Der 34-jährige Veteran hing sich in seinen 10 Minuten pro Spiel sichtlich rein und gab dem Team viel Energie. Letzteres sollte auch Warech zu leisten im Stande sein, sodass die Ludwigsburger zwar an Erfahrung verlieren, dafür aber an Entwicklungspotenzial dazugewinnen. Da sowohl Karl als auch Koch wie im letzten Jahr noch im Kader stehen ist von einer größeren Leistungsverschiebung nicht auszugehen.

Power Forwards: Shawn Huff / Adam Waleskowski / Johannes Joos

Beim WM-Vorrundenspiel der Amerikaner gegen die Finnen musste man fast Mitleid haben mit dem klaren Außenseiter, der so gar keine Chance gegen die athletischen NBA-Superstars hatte. Während einige finnische Spieler teilweise fast vor Ehrfurcht das Punkten komplett einstellten, konnte sich ein Ludwigsburger Spieler in den Vordergrund spielen. Die Rede ist von Shawn Huff, welcher in besagtem Spiel immerhin 12 Punkte und im weiteren Verlauf der Weltmeisterschaft starke 10,8 Punkte und 3,4 Rebounds auflegte. Hoffnung machen sollte zudem die herausragende Trefferquote(58,8%) vom Perimeter, denn gerade dort feuert der Nationalspieler viele seiner Würfe ab. In Ludwigsburg wurde der 30 Jahre alte Tweener vermehrt als Stretch-Vierer eingesetzt, kann jedoch auch auf der Drei spielen. Auf PF macht Huff durch seine Gefährlichkeit von Downtown das Spielfeld breit für seine Mitspieler und kann im Fastbreak aufgrund seiner Schnelligkeitsvorteile seinen Gegenspielern entwischen und zu einfachen Punkten kommen. Dafür ist es ein Nachteil, dass er in der Defensive gegen körperlich überlegene Gegner schlecht aussieht, was bei einer Größe von 1,98m und einem Gewicht von unter 100 kg allerdings auch nicht verwunderlich ist. Lobenswert ist jedoch, dass er durchaus ansprechend reboundet(4,3 pro Spiel) und ein ums andere Mal das Offensivfoul annimmt. Egal ob er nun auf SF oder PF eingesetzt wird, auch ohne ihn muss Coach Patrick auf der Vier keine Engpässe befürchten, da mit Adam Waleskowski ein weiterer starker Forward im Kader steht. Indiz für die Wichtigkeit des in Amerika geborenen, jedoch mit deutschem Pass ausgestattetem 31-jährigen sind seine persönlichen Statistiken aus der vergangenen Saison. Dort legte er in 27 Spielen, in 23 davon als Starter, 7,9 Punkte und 3,6 Rebounds auf bei einer durchschnittlichen Spielzeit von etwas mehr als 16 Minuten. Des Weiteren lassen auch die Wurfquoten wenig Raum für Kritik. Aus dem Zweierbereich fanden 50% der Würfe ihr Ziel, aus dem Dreierbereich waren es immerhin noch sehr solide 36,2%. Genau wie Huff kann er daher als Stretch-Vierer fungieren und wichtige Räume für Stockton oder Karl öffnen. Zudem besitzt er die Fähigkeit, auch im Low-Post zu agieren und von jeder Position auf dem Feld Gefahr ausstrahlen, was ihn zu einer offensiven Waffe macht. Zwar weniger wichtig, dafür ebenso mit deutschem Pass ausgestattet ist Johannes Joos. Der Nachwuchsspieler kam in der abgelaufenen Spielzeit in sechs Spielen zum Einsatz und durfte wenigstens für eine kurze Zeit Bundesligaluft schnappen. Damit er nicht dauerhaft auf der Bank versauert, soll er durch eine Doppellizenz größtenteils in Ehingen zum Einsatz kommen und sich dort die nötige Spielerfahrung holen.

Huff und Waleskowski sind die beiden Stützen auf PF und gehen in ihre zweite Saison in Ludwigsburg. Zu ihren Stärken zählen der gute Distanzwurf sowie im Falle von Waleskowski das komplette Paket aus Outside- und Inside-Scoring, sowie gute Reboundarbeit und viel Einsatz. Huff kann auf der Vier gegen langsamere Gegenspieler zum Korb ziehen und hat vor allem gegen Ende der Saison gute Leistungen gezeigt. Insgesamt ist die Position Vier unverändert und damit in etwa gleich stark besetzt.

Center: Matthew Bryan-Amaning / Patrick Flomo / Chris McNaughton

Wie bereits zu Beginn des Textes angedeutet, wurde auch auf der Centerposition noch mal nachgelegt und Matthew Bryan-Amaning verpflichtet. Für den Briten musste Ruben Boykin das Team verlassen und seine erst kürzlich errichteten Zelte in Ludwigsburg kurzerhand abbrechen. Amaning, ein echter Wandervogel mit diversen Stationen in Europa, zuletzt in Frankreich unter Vertrag, soll durch seine Athletik und seine Reboundarbeit mehr Tiefe in den Kader bringen und sowohl als Center als auch als Forward auflaufen. Mit 2,06m hat er zudem eine gute Größe für einen Big Men, der vielseitig einsetzbar ist. Zu seinen Stärken zählen sein ausgereift wirkendes Skillset und die Durchsetzungsfähigkeit unter dem Korb. Anders als die anderen Forwards wie Huff oder Waleskowski verfügt MBA dagegen nicht über einen vorzeigbaren Distanzwurf und muss daher seine Punkte in Ringnähe erzielen. Auch Patrick Flomo, ein weiterer Spieler, welcher sowohl auf der Vier als auch auf der Fünf spielen kann, ist nicht von Downtown gefährlich, sondern beschränkt sich offensiv auf leichte Punkte in der Zone und defensiv auf seine starke Athletik sowie seinen herausragenden Einsatz. Mit 34 Jahren ist Flomo, welcher in Besitz eines deutschen Passes ist, sehr erfahren und angesehen auf und außerhalb des Spielfeldes. Im letzten Jahr stand der Veteran in 39 Spielen auf dem Parkett und erzielte in durchschnittlich 15:07 Minuten 3,8 Punkte sowie 3,2 Rebounds pro Spiel. Dass es nicht mehr geworden sind, hat neben der offensiven Limitationen vor allem damit zu tun, dass Flomo aufgrund seiner Größe von (nur) 2,03m gegen physisch starke Gegner oftmals Probleme hat, sich zu behaupten. Da mit Chris McNaughton ein dritter Center im Kader steht, kann es durchaus sein, dass in dieser Saison die Spielzeit etwas abfällt im Vergleich zur Vorsaison. McNaughton, der von Würzburg in die Barockstadt wechselt, ist ebenso wie sein Teamkollege bereits über 30 Jahre alt und kennt den Trainer durch seine vorherigen Stationen. Am Deutschen scheiden sich mittlerweile jedoch die Geister. Die einen sehen in ihm einen starken Brettcenter, der gute Wurfquoten(58,5%) auflegt und mit 2,11m recht mobil ist, die anderen bemängeln vielmehr seine schlechte Defense sowie seine Turnoveranfälligkeit(1,62 pro Spiel). Die Wahrheit liegt wohl wie so oft in der Mitte, wobei man objektiv schon attestieren muss, dass die letzten Jahre von McNaughton eher schwach waren und er sich wenig weiterentwickelt hat. Offensiv punktet der 31-jährige im Low-Post vermehrt durch Hookshots, auch seine Freiwurfquote ist durchaus respektabel(67,1%). Defensiv machen ihm Pick’n’Roll Situationen sehr zu schaffen und für einen Mann seiner Größe müsste er sich mehr als die 3,88 Rebounds aus der Vorsaison schnappen. In etwas weniger als 20 Minuten begeht er zudem etwa 3 Fouls pro Spiel, was recht viel ist und seine Minuten limitiert. In Ludwigsburg möchte McNaughton einen Neuanfang wagen und in erster Linie mit Patrick Flomo um Backup-Minuten kämpfen.

In der letzten Saison bekleidete Gary McGhee die Centerposition mehr schlecht als recht und konnte sich nicht für einen neuen Vertrag empfehlen. Mit Matthew Brayn-Admaning kommt nun ein nachverpflichteter Spieler, welcher die von Patrick so geliebte Athletik mitbringt und sich im System gut zu Recht finden sollte. Flomo, ebenso athletisch, geht nun in sein zweites Jahr in Ludwigsburg. Wird er in seinen wenigen Minuten offensiv gut eingesetzt, kann er an beiden Seiten viel Einfluss nehmen. McNaughton, welcher Robert Tomaszek ersetzen wird, muss wieder an bessere Tage anknüpfen und sich seine Minuten hart erarbeiten. Da Tomaszek oftmals nur auf dem Feld stand, damit er sich seine Fouls abholt und physisch einen bleibenden Eindruck beim Gegner hinterlässt, kann man seinen Abgang verkraften. Insgesamt stehen Patrick drei fähige Center bzw. auf Center einsetzbare Spieler zur Verfügung, die allesamt ihre Klasse aufweisen. Im Vergleich zum Vorjahr ist hier ein Upgrade gelungen.

Ludwigsburg ist auch in dieser Saison sportlich wieder gut aufgestellt und sollte im Normalfall um den achten Platz spielen. Ein Fragezeichen steht aber derzeit noch hinter der Besetzung des Shooting Guards und der damit verbundenen Ersetzbarkeit von Keaton Grant, welcher einer der tragenden Säulen der letztjährigen Mannschaft war. Positiv ist hervorzuheben, dass neben Stockton und Karl auch die beiden Forwards Huff und Waleskowski gehalten werden konnten und damit das Grundgerüst aus der Vorsaison übernommen wurde, was gerade zu Beginn der Saison von Vorteil ist. Schlägt Neuzugang Bryan-Amaning ein und Stephen Holt zeigt seine Stärke vom Perimeter, dann sollte die Zukunft der Ludwigsburger nicht allzu schlecht aussehen. Möglicherweise trifft man dann in den Playoffs wieder auf die Bayern wie in diesem Jahr und gestaltet das Ende offen. Man stelle sich nur einen zweiten Gamewinner von Karl in eigener Halle vor. Sein Trikot hätte wohl dann schon seinen Platz an der Hallendecke sicher.

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Matthias Schmidt
Artland Dragons und Dallas Mavericks Fan.

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