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Dienstag, September 21, 2021

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Lawrence Hill – der Alleskönner aus dem Artland

Lawrence Hill

In einer Liga, die vom schnellen und guard-lastigen Spielstil geprägt ist und in der die großen Jungs eher unterbeschäftigt sind, in der die Dreier immer mehr beachtet und geschätzt werden und in der man Mitteldistanzwürfe lieber aus dem Repertoire streichen würde um sie dem Abschluss in der Zone vorzuziehen, ja da, gerade da findet Lawrence Hill aufgrund seiner Variabilität sein sportliches Zuhause. Genauer gesagt in der deutschen BBL, in Quakenbrück, wo er jüngst seinen Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert und seinen 27-ten Geburtstag gefeiert hat. Denn dort kann er seine Spielstärke besonders gut akzentuieren und seine Qualitäten einbringen. Entweder durch getroffene Dreier, durch Rebounds oder durch hochprozentige Abschlüsse am Ring. Hill ist jemand, der vieles richtig macht und keine großen Schwachstellen aufweist. Er hat gezeigt, dass er ein sehr guter Power Forward sein kann und will sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen. Die Bundesliga ruft schließlich und mit ihr die Gier, der Wille nach einem Titel. Einem Titel, der ihm bislang noch nicht vergönnt war. Das Team um ihn herum weiß er zu schätzen und diese wissen wiederum umgekehrt genau, was sie an ihm haben. BBLProfis.de stellt euch den athletischen Forward einmal genauer vor.

Spielerinformationen zu Lawrence Hill

Lawrence Hill wird am 16.09.1987 in Glendale, einer Stadt nahe Phoenix, geboren und verbringt dort seine Kindheit. Durch Erfolge an der Deer Valley High School macht er sich schon früh einen Namen und wird überdies sogar zum besten Spieler seines Jahrgangs im US-Bundesstaat Arizona ausgezeichnet. Nach dem Schulabschluss in seiner Heimat wählt Hill, welcher einige sehr interessante Angebote von hochdekorierten Colleges vorliegen hat, den Weg ans College von Stanford, wo bereits einige seiner Verwandten ihre schulische Ausbildung genossen hatten. Sportlich zeichnet Hill zu dieser Zeit vor allem seine Variabilität aus, die seine Trainer schnell erkennen und sie gewinnbringend einzusetzen versuchen. Diese Versuche enden schlussendlich darin, dass der trotz seines jungen Alters recht kräftige und lange Jungstar von Point Guard bis Center jeden Gegenspieler verteidigen muss. Um ehrlich zu sein, gelingt ihm dieses sogar außergewöhnlich gut und schlussendlich steht oftmals mehr als nur ein Block auf dem Statistikbogen.

Höhen und Tiefen in Stanford

Während der Jungspund zu Beginn seiner Basketballzeit noch vieles über seine Größe regeln kann, war diese am College nichts Besonderes mehr. Denn in Stanford, einer Stadt an der Westküste der USA, muss sich Hill nun mit physisch gleichstarken Spielern messen, wie die heute bestens bekannten Lopez-Zwillinge, die in Hill’s Sophomore-Jahr zum Team stoßen. Bevor diese allerdings den Frontcourt verstärkten, spielt der Tweener eine gute erste Saison, in welcher er in 30 Spielen auf dem Parkett steht und in durchschnittlich 15 Minuten 4,7 Punkte bei noch ausbaufähigen Quoten auflegt. Mit der Ankunft der beiden neuen Top-Talente entwickelt auch Hill sein Spiel weiter, was sich auch in den Zahlen wiederspiegelt. Als Starter in jedem Spiel schnellen sowohl die Punktezahlen( von 4,7 auf 15,7) als auch die Wurfquoten(von 38,6% auf 50,9%) exorbitant in die Höhe. Der Dreier fällt konstant mit über 40% und mit 1,1 Blocks pro Spiel stellt er eine schwer zu überwindende Festung in der Zone dar. Dann passiert jedoch Etwas, womit wohl weder Hill selbst noch seine Trainer gerechnet hatten. Der nun im Junior-Jahr angekommene Hill muss nämlich dabei zusehen, wie erst seine Quoten in den Keller sinken und langsam aber sicher schließlich auch seine Spielzeit schrumpft. Zu groß der Druck, den er sich auferlegt und welcher auf ihm lastet und die Konkurrenz durch die nun deutlich erfahreneren Robin und Brook Lopez ist zudem auch nicht gerade klein. Zwar verbessert er sein Ballhandling und auch seine Wurfmotorik ist durchaus ansprechend, die Defense am Perimeter und vor allem die Bewegungen im Low-Post wirken allerdings mehr als ausbaufähig. Während die beiden Kollegen von NBA-Teams in der Draft 2008 ausgewählt werden, muss Hill sich durch harte Arbeit aus dem Formtief kämpfen. Gelingt ihm das, so glauben viele Beobachter, sei eine Auswahl in der zweiten Runde im folgenden Sommer gar nicht mal unrealistisch. Die Botschaft sitzt! Lawrence Hill steht in allen 34 Spielen in der Anfangsformation und steigert seine Punkteausbeute von niedrigen 8,6 aus dem Vorjahr auf durchaus respektable 13,6 und sichert sich zudem 5,9 Rebounds. Was sich sehr gut anhört ist es im ersten Moment auch, trotzdem kann er auch im Senior-Jahr nicht ganz an die hervorragenden Leistungen aus dem Jahr 2006/07 heranreichen. Mit der schulischen Reife in der Tasche macht sich Hill im Sommer daran, vor NBA-Scouts vorzuspielen, um sich einen lukrativen Vertrag in der besten Basketballliga der Welt zu sichern. Entgegen der großen Hoffnungen, welche sowohl er selber als auch seine Familie hegen, muss er allerdings in der Draft-Nacht 2009 auf einen Aufruf von NBA-Kommissionär David Stern vergeblich warten, sodass er Ausschau nach neuen Betätigungsfeldern außerhalb seiner Heimat halten muss.

Über Mexiko nach Deutschland

Als erste Profistation wählt der mittlerweile 22-jährige das mexikanische Erstligateam aus Veracruz aus. Keine schlechte Wahl, wenn man bedenkt, dass er in dieser Saison erst im Finale der Playoffs am zu starken Gegner Xalapa scheitert. Mit dieser knappen Niederlage in der Tasche macht sich der Forward mit dem Ziel auf, entweder über die Summer League einen NBA-GM von sich zu überzeugen oder ein höher dotiertes Angebot in Übersee zu unterschreiben. Nach einer soliden Summer League beim Team der Suns muss Hill jedoch erkennen, dass im Moment wohl kein Verantwortlicher seine Fähigkeiten benötigt und er deshalb vorerst weiterhin ohne NBA-Spiel bleiben wird. Hatte er sich vor einem Jahr noch für die weniger große räumliche Trennung zu seiner Familie entschieden, wagt er nun den Sprung nach Asien. In Südkorea bei den Daegu Orions absolviert er 15 Spiele und erzielt 6,9 Punkte pro Spiel. Seine Wurfquoten können dabei überzeugen und es zeigt sich bereits dort, dass Hill sein Spiel eher etwas weiter weg vom Korb sieht und mit einer Dreierquote von 43% eine gute Option für das so notwendige Spacing darstellt. Diese Stärken bleiben schließlich auch nicht unbemerkt. Die Sacramento Kings hinterlegen ihr Interesse und möchten den Forward im Trainingscamp genauer unter die Lupe nehmen. Ein NBA-Team also, der Traum scheint zum Greifen nah zu sein. Allerdings platzt diese Hoffnung kurz darauf wieder, nachdem die Kings nach nur einem Spiel den Vertrag wieder auflösen. Doch wie es scheint, hat Hill Blut geleckt. Er versucht sich in der folgenden Spielzeit im Unterbau der NBA, der D-League. Die Texas Legends nehmen Hill unter Vertrag und müssen danach trotzdem zusehen, wie der 2,03m große Amerikaner im Trade zu den Maine Red Claws geschickt wird. Nach nur fünf Spielen versteht sich! Das neue Team weiß allerdings, was es am variablen Amerikaner hat. Hill dankt es mit durchschnittlich 12,91 Punkten und 7,39 Rebounds pro Spiel. Aufsehen erregt zudem seine enorm hohe Quote von Downtown(43,4%), die ihm im Endeffekt ein Platz im All-Star-Game der D-League verschafft. Nach diesem Erfolgserlebnis und einer weiteren Teilnahme in der Summer League zieht es ihn nach Israel. Bei Hapoel Holon steht er in der Saison 2012/13 in 39 Spielen auf dem Parkett und zeigt grundsolide Leistungen(12,97Pkt./7,74 Reb./ 1,46 Blk.). Aufgrund der sehr hohen Belastung(34,4 Minuten pro Spiel) muss sich Hill allerdings Ruhepausen auf dem Spielfeld gönnen und auch die vorher so starke Dreierquote sinkt auf indiskutable 26,8%. Gemeinsam mit seinem israelischen Team verpasst er schlussendlich denkbar knapp auf dem neunten Platz die Playoffs und muss somit relativ früh die Reise in die Heimat antreten. Dort arbeitet er kontinuierlich weiter an seinem Spiel und erhält ein Jobangebot vom neuen Trainer der Artland Dragons, Tyron McCoy. Dieser sieht in dem Power Forward einen athletischen und reboundstarken Spieler, welcher auch von außen treffen kann. Mit seiner Einschätzung liegt der ehemalige Spieler von Oldenburg gar nicht mal schlecht. Hill etabliert sich in Quakenbrück als Leistungsträger und steuert in vielen Kategorien gute Werte bei. Gerade die Dreierquote von 48,7% in der Bundesliga macht so manch anderen Verein auf ihn aufmerksam. Dass er auch gegen starke Gegner vieles zu leisten im Stande ist, zeigt der Amerikaner in den Playoffs. Gegen Bamberg hilft er der Mannschaft zum Sieg, indem er neben seiner Punkteausbeute auch seine Effektivität um mehr als zwei Punkte steigert. Zwar muss auch Hill gegen Alba im Halbfinale dann zusehen, wie der Sieg davongleitet, er persönlich allerdings überzeugt auch dort und nimmt mehr Würfe als in der regulären Saison.

Stretch-Vierer mit diversen Fähigkeiten

Wie bereits in diversen Passagen des Textes erwähnt, macht ihn vor allem seine gute Dreierquote so gefährlich. Im Gegensatz zum Engagement in Israel muss der Amerikaner nicht ganz so viele Minuten spielen(26,9 min) und hat daher mehr Frische, wenn er zum Wurf hochsteigt. Durch seinen vergleichsweise hohen Release fällt es seinen Gegenspielern besonders schwer, den Ball zu blocken und die Wurfkurve entscheidend zu verändern. Bei durchschnittlich 3,8 Versuchen von Downtown finden 48,7% der Würfe ihr Ziel. Damit ist er der beste Dreierschütze der Liga, wenn man die Quoten von Spielern betrachtet, die regelmäßig vom Perimeter abdrücken. Einen Anteil an der guten Quote haben neben seiner Wenigkeit natürlich auch seine Mitspieler, die ihm viele Räume eröffnen. Wenn David Holston oder Anthony King am Ball sind, wird eine übermäßige Fokussierung auf den 27-jährigen sofort von diesen bestraft. Auch Thomas und Graves sind in der Lage die gerissenen Lücken zu nutzen und stellen eine Gefahr von außen dar. Offensiv spielt Hill zu großen Teilen das Pick’ n‘ Pop als Blocksteller und Abroller zum Perimeter, wo er oftmals unverteidigt abdrücken kann. Wie viel besser er das Team durch diese Variante und seine Präsenz im Allgemeinen macht, wird durch das Offensivrating deutlich. Nimmt man den nur in zwei Spielen eingesetzten Mustafa Abdul-Hamid aus der Wertung heraus, dann weist Hill mit 120,4 das beste Rating auf. Seine True Shooting Quote erreicht sogar eine schwindelerregende Höhe von 62%. Möglich macht dieses seine spielerische Flexibilität. Mit einem Dribbling kann er seine Gegenspieler schlagen und mit beiden Händen abschließen. Wird er in der Zone angespielt, versucht er seine Gegenspieler ein ums andere Mal aufzuposten. Zwar ist Hill nicht der geborene Low-Post-Dominator ala Al Jefferson, doch auch von dort treffen viele seiner Würfe die Mitte des Ringes. Nur auf seine offensiven Qualitäten reduzieren sollte man ihn jedoch keinesfalls. Auch sein Defensivrating von 106,1 ist das zweitbeste im Team. Vor allem seine gute Spannweite sowie seine ordentliche Geschwindigkeit machen ihn zu einem schwer zu überwindbaren Gegner. Mit 0,9 Blocks pro Spiel in der BBL stellt er eine recht gute Rim-Protection dar und behält auch im Low-Post seine Verteidigungsposition. Nicht zuletzt die 0,88 Steals machen aus Hill einen sehr soliden Verteidiger. Da er zudem mit 4,5 Rebounds der beste Defensivrebounder der Dragons ist, übt er einen nicht zu unterschätzenden Einfluss an beiden Enden des Courts aus. Doch da gibt es bei all der Lobüberhäufung auch ein Kapitel, welches er selbst wohl lieber überschlagen würde. Hill ist kein guter Freiwerfer und zieht wenig Freiwürfe. Im letzten Jahr traf er die Versuche von der Linie wettbewerbsübergreifend mit einer Wahrscheinlichkeit von verhältnismäßig geringen 67,5%. Möglicherweise sollte sich der Forward mal bei Frontcourtkollege Anthony King melden und mit ihm Freiwurfdrills durchführen. Letzterer kann nämlich eine Prozentzahl von mehr als 80% vorweisen.

Fazit

Alles in allem überzeugt Hill auf fast allen Ebenen und hat in der letzten Saison bewiesen, dass er sich bestens an den europäischen Spielstil gewöhnt hat. Ein weiterer Entwicklungssprung kann auch in der neuen Spielzeit nicht ausgeschlossen werden. Die Aussage von Hill, dass er mit sich selbst noch nicht zufrieden sei, klingt da schon wie eine Drohung an seine Gegner. Lässt er dieser Drohung Taten folgen, dann haben die Dragons einen der besten Power Forward der Bundesliga im Kader. Hill selber will davon wahrscheinlich gar nicht so viel wissen, er will lieber Erfolg. Nach genauerer Betrachtung kann man hoffnungsvoll prognostizieren, dass in Quakenbrück im Moment vieles richtig läuft. Titel nicht ausgeschlossen!

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Matthias Schmidt
Artland Dragons und Dallas Mavericks Fan.

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