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Eisbären Bremerhaven – der Kader für 2014/15

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Für viele Basketballfans sind die Monate Mai und Juni das Schönste, was eine spannungsgeladene Saison zu bieten hat. Die acht besten Teams duellieren sich in mindestens drei, maximal fünf, Partien pro Runde bis aufs Äußerste, um am Ende im Finale zu stehen und dort die begehrte Trophäe überreicht zu bekommen. Während Unterstützer dieser Teams in die Halle pilgern und vom Weiterkommen träumen, gibt es jedoch auch basketballinteressierte Zuschauer, die das Gefühl von Playoffstimmung schon (zu) lange nicht mehr gespürt haben und meistens schon den Sommerurlaub planen oder sich mit dem Kader für die neue Saison beschäftigen. Selbst über den Klassenerhalt kann man sich nicht so recht freuen wie Teile anderer Anhängerschaften, weil das nun mal für viele selbstverständlich ist und man Besseres gewöhnt ist. Ein gutes Beispiel für dieses Gefangensein im Mittelfeld der Bundesliga stellt Bremerhaven dar. Wobei, wenn man ehrlich ist, hätte man einem Eisbärenfan nach dem siebten Spieltag der letzten Saison gesagt, dass sein Team die höchste Spielklasse hält, er hätte wohl entgeistert abgewunken und nur noch von den zahlreichen Problemen der damaligen Zeit geredet und wäre frustriert heimgefahren. Denn die ersten sieben Spiele gingen allesamt verloren, ALLE SIEBEN! Die Verletzung von Center Searcy zu Saisonbeginn oder die Eingewöhnung des neuformierten Teams dauerten länger, als so mancher geglaubt und gehofft hatte. Auch Trainer Calvin Oldham stand bereits, befeuert von der immer stärker aufkommenden Unruhe im Umfeld, vor dem Rausschmiss, ehe seine Spieler ihm und Basketballdeutschland bewiesen, das Gewinnen wohl doch kein Fremdwort für die Norddeutschen ist. Gegen Hagen konnte man am 10.11.2013 mit 89:93 das erste Erfolgsergebnis verbuchen, was nicht gerade wenig mit dem Scoringausbruch des besten Bremerhaveners Darius Adams zu tun hatte, der an diesem Abend ganze 28 Punkte zum Sieg beisteuerte. Eben jener Spieler führte dann im weiteren Verlauf der Saison die Hauptrolle im Team aus und schaffte gemeinsam mit dem immer stärker werdenden Devin Searcy eine kleine Wende, sodass am Ende immerhin der zwölfte Platz mit 12 Siegen bei 22 Niederlagen heraussprang. Allerdings, wenn man sich vor Augen ruft, dass 2010 das letzte Mal Playoffspielbetrieb angesagt war, nicht wirklich das, wonach sich alle sehnen. Gründe für die Misere gibt es genug, sowohl sportlicher als auch außersportlicher Natur. Bremerhaven nahm die wenigsten Dreierversuche pro Spiel (17,5), traf diese Würfe jedoch immerhin mit einer annehmbaren Quote (36,4%). Des Weiteren hatte das Team oftmals Probleme, wenn es darum ging, behutsam auf den eigenen Spalding aufzupassen. Mit 16,5 Turnovern pro Spiel war Bremerhaven in dieser Kategorie das mieseste Team der letzten Saison. Bei allem Lob für Point Guard Darius Adams, der den Eisbären so manchen Sieg einbrachte: Guckt man nur einmal auf seine persönlichen Werte in angesprochener Kategorie fallen einem sofort die 3,8 Ballverluste, die meisten also, die für einen einzigen Spieler der BBL notiert wurden, ins Auge! Neben den beiden großen sportlichen Problemen, die bei den Norddeutschen vorherrschten, gab es auch im Umfeld viel Gesprächsstoff! Die Zuschauerzahlen respektive die Zahlen der Dauerkarteninhaber erfahren seit einigen Jahren einen stetigen Rückgang und auch der Hauptsponsor ist in einigen Kreisen nicht immer gern gesehen. Klar ist jedoch bei all dem Trubel um die Eisbären, liefert das Team auf dem Parkett gute Leistungen ab, werden auch wieder mehr Zuschauer in die eigene Halle strömen! Und als Eisbären-Fan kann man recht optimistisch in die neue Saison schauen, denn zumindest ein großes Problem haben die Verantwortlichen bestens gelöst! Wovon die Rede und wie realistisch eine Teilnahme an den so herbeigesehnten Playoffs in dieser Saison ist, erfahrt ihr hier.

Headcoach: Calvin Oldham
Zugänge: Lorenzo Williams (BK Ventspils, Lettland), Flavio Stückemann (Rasta Vechta), Garai Zeeb (eigene Jugend), Tyrus McGee (CB Breogan, Spanien), Moses Ehambe (Iowa Energy, USA), Myles Hesson (Giessen 46ers), Jake O’Brien (Bakersfield Jam, USA), Sven Schultze (Alba Berlin), Mayika Linecker Lungongo (eigene Jugend)
Abgänge: Darius Adams (SLUC Nancy Basket, Frankreich), Bazoumana Kone (Hamburg Towers), Adas Juskevicius (Lietuvos Rytas, Litauen), Stefan Jackson (s.Oliver Baskets), Anthony Smith (Saint-Quentin Basketball, Frankreich), Philip Zwiener (Oldenburg), Derrick Allen (Braunschweig), Brian Harper (Ziel unbekannt)

Point Guards: Lorenzo Williams / Flavio Stückemann / Jeffrey Martin

Ein ruhiger Spielaufbau und wenig Ballverluste, dafür soll der neue Starting Point Guard der Eisbären sorgen, da man mit Darius Adams im letzten Jahr zwar Scoring bekam, jedoch zu viele Turnover hinnehmen musste. Mit Lorenzo ,,Zo‘‘ Williams kommt aus Lettland genau dieser Spielertyp! Der 29-jährige Guard, welcher internationale Erfahrung in der Eurochallenge gesammelt hat, kennt die Bundesliga bereits durch sein Engagement in Gießen und soll den Eisbären mithilfe seiner Passstärke(4,1 Assists) sowie seinem sehr soliden Dreier(36,5%) weiterhelfen. Der Linkshändler mit dem schnellen Release besitzt eine recht gute Athletik, jedoch keinen superschnellen Antritt und offenbart vor allem in der Defensive teilweise noch große Schwächen und muss sich dort steigern. Anschauungsunterricht kann ihm möglicherweise sein neuer Backup Flavio Stückemann geben, welcher von Bundesligaabsteiger Vechta die Reise nach Bremerhaven antritt. Stückemann, welcher zuvor bereits für Braunschweig und Quakenbrück Bundesligaluft geschnuppert hatte, konnte sich erst in Vechta konstant Minuten erarbeiten und stand in der letzten Saison durchschnittlich 18:46 Minuten auf dem Parkett. Trotz Doppelbelastung durch ein BWL-Studium, welches nun zur neuen Saison (zum Glück) wegfällt, begeisterte er die Anhänger seines Teams mit viel Ehrgeiz und Einsatz in der Defensive. Probleme bereiten ihm sein eher schwacher Wurf(31,3% Dreier) sowie einige unnötige Diskussionen mit dem Schiedsrichtergespann, was ihm teilweise etwas die Konzentration auf das Wesentliche raubt. Insgesamt ist er aber ein Teamplayer durch und durch und wird in seinen wenigen Minuten einen soliden Job verrichten. Sollte er oder Williams ausfallen oder das Spiel schon frühzeitig entschieden sein, könnte auch der dritte nominelle Point Guard Jeffrey Martin zum Einsatz kommen. Der 20-Jährige kam im letzten Jahr in 13 Spielen zum Einsatz, offenbarte jedoch noch einige verständliche Defizite in seinem Spiel und benötigt noch mehr Erfahrung und Abgeklärtheit. Helfen werden ihm sicherlich die Einsätze in der ProA in Cuxhaven, die durch eine Doppellizenz möglich gemacht werden.
Mit Williams und Stückemann haben die Eisbären zwei sehr solide Spieler verpflichtet. Vorbei die Zeiten, als sowohl Adams als auch Combo-Guard Juskevicius aufgrund von Schwächen im Spielaufbau, reihenweise den Ball hergaben. Bei all der Betonung der Turnoveranfälligkeit, darf man jedoch nicht vergessen, wie wichtig Adams, immerhin bester Scorer der Liga, für das Offensivspiel war und wie schwer er vom Gegner zu kontrollieren war. Egal ob durch seinen starken Zug zum Korb oder durch Würfe vom Perimeter, die Würfe fielen zumeist. Hinter Adams allerdings klaffte meistens aufgrund der Verletzungen von Kone eine große Lücke. Da sowohl Williams als auch Stückemann nicht die ganz überragenden Offensivspieler sind und daher Adams nicht ersetzen können, gleichwohl die Breite des Kaders verbessern, ist es ein Downgrade, welches auf anderen Positionen wett gemacht werden muss.

Shooting Guards: Tyrus McGee / Jusuf El Domiaty

Während auf Point Guard erfahrene Spieler das Team der Bremerhavener anführen sollen, bekommt man auf Shooting Guard das genaue Gegenteil präsentiert. Mit Tyrus McGee wechselt ein erst 23 Jahre alter Amerikaner vom spanischen Zweitligateam aus Lugo zum Team von Trainer Calvin Oldham. McGee kommt mit einer Erfahrung von einer Saison als professioneller Basketballer im Gepäck nach Deutschland und soll vor allem für Shooting sorgen. Der Dreierspezialist(39,8%) aus Oklahoma wird aller Voraussicht nach um diverse Blöcke geschickt werden, damit er entweder frei vom Perimeter abdrücken oder durch die Bewegung abseits des Balles sowie der Fokussierung der gegnerischen Team-Defense auf ihn, seinen Mitspielern freie Räume verschaffen kann. Mit seinem Potenzial als Scorer, was er bereits in Spanien unter Beweis gestellt hat durch 13,16 Punkte in etwa 26 Minuten pro Spiel, kann und muss er einen Teil der Offensive schultern, allerdings auch daran arbeiten, seine Mitspieler besser in Szene zu setzen als bislang und seine Turnover verringern. Eine weitere Stärke des jungen Guards ist neben seinem guten Dreier auch seine gute Reboundarbeit(4,12 Rebounds pro Spiel) sowie seine Flexibilität, die ihm ermöglicht, auch auf der eins zu agieren und zu verteidigen. Schafft er es, sein Spiel an die höher gewordene Intensität der gegnerischen Verteidigung zu adaptieren, könnte er noch ein wichtiger Trumpf in der kommenden Saison werden. Braucht McGee eine Pause, kann sein Backup Jusuf El Domiaty eine ähnliche Rolle im Teamkonstrukt ausführen. Der ein Jahr ältere Combo-Guard mit deutschem Pass hat seine große Stärke im Catch and Shoot von der Dreierlinie(46,2 %) und sollte nicht minder gefährlich sein wie McGee vom Perimeter. Zeigt er sich weiterhin engagiert in der Verteidigung und verbessert seinen Zug zum Korb, könnte seine Minutenanzahl von 10:35 Minuten im Vorjahr weiter steigen.
Bremerhaven besetzt die Shooting Guard Position mit zwei jungen und sehr talentierten Shootern. Beide sind gefährlich von der Dreierlinie, weisen jedoch noch Mängel an Erfahrung auf. Im Vergleich zum letzten Jahr, wo der litauische Adas Juskevicius gemeinsam mit Stefan Jackson sowie dem bereits erwähnten El Domiaty diese Position bekleidete, hat sich das Team qualitativ eher verbessert, obwohl etwas die Breite fehlt. Juskevicius wirkte als einziger Osteuropäer teilweise etwas verloren auf und außerhalb des Feldes und konnte die in ihn gesetzten Erwartungen nicht recht erfüllen, wenngleich er nicht vollkommen enttäuschte. Der Wechsel in die Heimat ist aber absolut verständlich und ein logischer Schritt. Insgesamt ein kleines, aber feines Upgrade.

Small Forwards: Moses Ehambe / Myles Hesson

Als wäre ein Tyrus McGee als potenter Dreierspezialist nicht schon genug, haben sich die Bremerhavener einen weiteren Profi mit besonderen Perimeterfähigkeiten ins Team geholt. Moses Ehambe ist der neue Mann, der auf der Drei für viel Spacing und eine Menge Treffer von Downtown sorgen soll. Während sein Engagement in Spanien eher einer großen Enttäuschung denn einem vollen Erfolg gleichkam, kann der mittlerweile 28-jährige auf eine stattliche Karriere in der heimischen D-League zurückblicken. Denn mit über 500 getroffenen Dreipunktewürfen konnte Ehambe einen Rekord aufstellen, der nicht so einfach zu überbieten sein wird. Verbesserungswürdig dagegen sind beim Routinier, der das neue Team anführen soll, die Assistzahlen. 0,9 Vorlagen pro Spiel sprechen mehr für einen Spot-Up-Shooter, weniger für jemanden, der für seine Mitspieler gute Würfe kreiert bzw. kreieren soll! Kann er sich in diesem Bereich noch verbessern und möglicherweise nach einem Pump Fake am Perimeter in die Zone ziehen und mit einem Kickoutpass freie Dreierschützen, die zuhauf im Kader vorzufinden sind, bedienen, bekommt sein Spiel eine neue Dimension. Eine Dimension, die Rodney Williams wohl auch gerne seinem Spiel hinzufügen würde, im Moment aber sicherlich andere Sorgen mit sich herumträgt. Aufgrund einer im Training erlittenen Schultereckgelenkssprengung kann der 23 Jahre alte Forward nämlich nicht am Mannschaftstraining teilnehmen und muss zusehen, wie sich sein eigentliches Team ohne ihn auf die neue Saison vorbereitet. Außergewöhnlich an der ganzen Sache ist zudem, dass Williams, obwohl er nur ein befristetes Arbeitspapier von drei Wochen in der Tasche hat, sich weiterhin in Bremerhaven aufhalten und dort seine Verletzung auskurieren möchte anstatt in seine Heimat zu reisen. Ist er wieder genesen, wird er sich den Verantwortlichen nochmals präsentieren und sie davon überzeugen müssen, dass sein athletisches Spiel dem Team weiterhelfen kann. In der Zeit, in der sein Körper ein sportliches Engagement verhindert, soll Myles Hesson der neue sechste Mann auf dem Flügel werden. Der auf den Positionen drei und vier beheimatete Engländer kommt vom ProA-Verein aus Giessen und hat bei den Norddeutschen einen Vertrag bis Dezember mit Option auf Weiterverpflichtung bis zum Saisonende unterschrieben und möchte zeigen, dass er nach einer guten Saison mit 16,12 Punkten sowie 6,79 Rebounds pro Spiel in der 2. Bundesliga auch im Oberhaus ansprechende Leistungen erzielen kann. Dass Hesson das Potenzial dazu hat, bewies er schon im letzten Jahr, als er im Nationaldress mit 21 Punkten und 11 Rebounds gegen Deutschland eine starke Performance ablieferte. Behilflich war und ist ihm dabei seine enorme Athletik, welche ihn zu einem guten Rebounder und variablen Verteidiger macht. Da er zwar seinen Dreier verbessert hat, dieser allerdings noch immer nicht konstant fallen will(30,1%), muss er von der Bank kommend, vor allem durch energische und leidenschaftliche Defense überzeugen und einen ähnlichen Spielstil wie Rodney William an den Tag legen. Gelingt ihm das und er bleibt von kleineren Verletzungen, die man im letzten Jahr von ihm kannte, verschont, ist eine Weiterbeschäftigung über den Winter gar nicht mal unrealistisch.
Mit Moses Ehambe kommt ein weiterer Shooter nach Bremerhaven, welcher den nach Oldenburg abgewanderten Philip Zwiener ersetzen soll. Letzterer hat im vergangenen Jahr gezeigt, dass er als einheimischer Spieler zur Identifikationsfigur taugt und auch auf dem Parkett, trotz einiger dumm anmutender Turnover, vieles zu leisten imstande ist. Wehtun wird den Verantwortlichen neben den immerhin 10,1 Punkten pro Spiel garniert mit einer starken Trefferquote von Downtown auch der damit einhergehende Verlust eines soliden deutschen Rotationsspielers! Weniger schmerzlich vermisst werden wird wohl Anthony Smith, der über die ganze Saison gesehen nicht wirklich konstant gut agierte und somit keinen neuen Vertrag bekam. Insgesamt ist die Small Forward Position ähnlich solide besetzt wie im vergangenen Jahr, weder darf man irgendwelche Wunderdinge erwarten, noch sollte man bitterlich enttäuscht werden. Zudem wird es spannend zu sehen sein, wer im Endeffekt nach dem Winter noch im Kader steht- Myles Hesson oder doch Rodney Williams?

Power Forwards: Jake O’Brien / Sven Schultze / Helge Baues

Die Veränderungen im Basketball machen also auch nicht vor den Eisbären halt! Während früher gerne mal auf den Positionen Vier und Fünf zwei bullige Big-Men unter dem Korb auf passende Anspiele warteten und sich als Low-Post-Maschinen profilieren wollten, setzen heute viele Teams auf sogenannte Stretch-Vierer, die allerhand Platz für sogenannte Slasher auf den kleineren Positionen schaffen. Der gegnerische, in der Regel über 2 Meter große Gegenspieler, kann also nicht die Zone beschützen und für Rim-Protection sorgen, sondern muss bei Angriffsvarianten wie dem Pick‘ n‘ Pop seinem Gegenspieler bis hinter die Dreierlinie folgen. In Bremerhaven glaubt man, mit Jake O’Brien und Veteran Sven Schultze genau diese Spielertypen gefunden zu haben. Erstgenannter ist in diesem Jahr 25 Jahre alt geworden, besitzt einen Vertrag für die kommende Saison mit Option auf ein weiteres Jahr und hat erst eine professionelle Spielzeit in der Ukraine beziehungsweise in der D-League hinter sich. Aufgrund der Kämpfe im ehemaligen Teil der Sowjetunion musste O’Brien schon im Februar sein Team verlassen, für welches er in 18 Spielen aufgelaufen war und in durchschnittlich 25 Minuten 10,72 Punkte und 6,17 Rebounds erzielt hatte. Die größte Stärke des noch entwicklungsfähigen Amerikaners ist seine Variabilität auf dem Parkett. So kann er sowohl, wie eingangs bereits erwähnt, vom Perimeter für Gefahr sorgen(34,8%) als auch aus der Mittel- sowie Nahdistanz abschließen. Des Weiteren ist seine Arbeit beim Rebound sehr solide und auch am hinteren Ende des Courts macht er keine schlechte Figur. In der Zone mit dem Rücken zum Korb schließt O’Brien gerne per Jumphook ab, in Semi-Transition findet man ihn wiederholt an der Dreierlinie wieder. Gelingt es Point Guard Lorenzo Williams, beziehungsweise Trainer Oldham bereits vor den Spielen durch Herausarbeitung gezielter Spielzüge, diesem freie Würfe zu kreieren, kann der Power Forward als guter Spot-Up-Shooter dem Team aus Bremerhaven weiterhelfen! Sitzt er auf der Bank, übernimmt vorzugsweise der aus Berlin kommende Sven Schultze die Vertretung. Der mittlerweile 36-jährige Ex-Nationalspieler weiß durch seinen guten Wurf zu überzeugen und stellt durchaus ansehnliche Blöcke, die die Mitspieler zu nutzen wissen. Defensiv verteilt Schultze, welcher auch im hohen Alter noch ansprechende Fitnesswerte vorweisen kann, gerne einmal das ein oder andere taktische Foul, um damit seinem Team zu helfen. Da er bei den Eisbären aber wohl mehr Minuten als die 06:46 in der letzten Saison in Berlin sehen wird, muss der Veteran aufpassen, dass er nicht zu sehr in Foulprobleme gerät. Tritt dieser Fall jedoch ein und auch O’Brien benötigt eine Pause, kann Helge Baues seine Einsatzchance wittern. Der mit 20 Jahren noch sehr junge Nachwuchsspieler besitzt eine Doppellizenz, die es ihm erlaubt, sowohl in Bremerhaven als auch in Cuxhaven(ProA) zu spielen. Gemeinsam mit Jeffrey Martin soll er immer mal wieder Bundesligaluft schnuppern und sein Spiel nach und nach verbessern.
Jake O’Brien und Sven Schultze sind ähnliche Spielertypen, welche auf dem Parkett variabel einsetzbar sind. Sie sollen vor allem die Lücke füllen, die Veteran Derrick Allen, welcher nach Braunschweig wechselt, hinterlassen hat. Zwar hat Allen nicht mehr die Klasse früherer Tage, sorgte jedoch immer noch für zweistellige Punktausbeuten in etwas mehr als 28 Minuten Spielzeit pro Spiel. Brian Harper, der in der abgelaufenen Saison noch die Backup-Rolle inne hatte, wurde durch Schultze ersetzt. Harper konnte zu keiner Zeit an seine gezeigten Leistungen in Trier anknüpfen und durch das Fehlen eines Low-Post-Spiels sowie eines sicher fallenden Dreiers wird die Dunkmaschine wohl so schnell nicht wieder in Bremerhaven auftauchen. Alles in allem ist es auch hier von der Qualität in etwa gleichgeblieben, da Allen zwar einen Tick besser war als O’Brien, Schultze dafür wertvoller sein wird als Harper!

Center: Devin Searcy / Nick Schneiders

Das Centerduo ist dasselbe wie in der vergangenen Saison! Devin Searcy, der zu Saisonbeginn durch Verletzungen etwas gehemmt wirkte und in den ersten beiden Partien nicht dabei sein konnte, zeigte im Laufe des Jahres, dass er viel Potenzial besitzt und ein durchaus fähiger und guter Center sein kann. Mit 10 Punkten im Schnitt sowie 6,8 Rebounds in fast 25 Minuten Spielzeit manifestierte der athletische Fünfer seine gestiegene Rolle im Teamverbund. Sein Betätigungsfeld liegt größtenteils in der Nahdistanz, wo er hochprozentig abschließt und viele Rebounds holt. Sein Mitteldistanzwurf fällt dagegen noch nicht konstant genug und muss dringend verbessert werden. Gelingt ihm dieses, wird er einer der großen Säulen im neuformierten Eisbären-Team und trotz erst 25 Jahren einer der Anführer sein. Komisch mag es daher auf manche Zuschauer wirken, dass er trotzdem fast nie in der Startformation steht. Der Grund dafür ist allerdings einfach und irgendwie naheliegend. Mit Nick Schneiders steht ein deutscher Center im Aufgebot, welcher mit 2,21m eine herausragende Länge besitzt und beim Sprungball zumeist der Erste ist, welcher den Ball berührt. Des Weiteren kann Schneiders in seiner arg begrenzten Spielzeit von etwa 10 Minuten durch seine Länge ein ums andere Mal den Offensivrebound ergattern, was dem Team Second-Chance-Points ermöglicht. Ähnlich wie Searcy hält sich der 30-jährige fast ausschließlich in der Zone auf und punktet meistens durch einfache Korbleger. Neben seiner spielerischen Limitationen ist auch seine Freiwurfquote stark ausbaufähig. In der vergangenen Saison fanden nur 43,2 % der Versuche den Weg in den Korb, was ihm möglicherweise auch einige Spielzeit kostet.
Auf der Centerposition gibt es keine Veränderungen. Allerdings ist Searcy durchaus ein Entwicklungsschritt zuzutrauen und auch Schneiders sollte nicht schlechter werden und mit seiner Länge viele Rebounds holen. Fällt einer von beiden aus, kann bzw. muss Baues auf der Fünf aushelfen. Insgesamt ein sehr kleines Upgrade für die Bremerhavener.

Zusammenfassend kann man von einer gelungenen Off-Season der Eisbären sprechen. Das größte Problem, nämlich die nur teilweise vorhandene Gefährlichkeit vom Perimeter, konnte durch die Verpflichtungen von McGee, Ehambe sowie O’Brien und Schultze ausgemerzt werden. Zudem sollte Williams dafür sorgen, dass weniger Turnover das Spiel der Bremerhavener prägen und man auch in dieser Kategorie besser abschneidet als letzte Saison. Erst abzuwarten bleibt, ob die vielen Schützen, die sich größtenteils ungerne den eigenen Wurf kreieren, gut und ausreichend in Szene gesetzt werden können und wie sich eher unerfahrene Leute wie McGee oder O’Brien in der BBL schlagen. Auch ein Ehambe wird sicherlich nicht die vielen freien Räume zugesichert bekommen, wie in der defensivschwachen D-League. Zudem findet sich im Kader nicht der Go-to-Guy wie Darius Adams in der letzten Saison. Der Star muss nun also wieder das Team sein, die Mischung aus jungen und alten Spielern scheint zumindest schon einmal zu stimmen. Die Playoffs werden für die leidgeprüften Eisbären wahrscheinlich wieder nur schwer, der Klassenerhalt jedoch dafür auch ohne große Probleme zu erreichen sein. Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Spieler so ins Zeug legen, dass der ansässige Fan auch damit zufrieden ist. Verhaltener Optimismus ist zumindest in letzter Zeit schon mal zu spüren gewesen, anders als in manch anderen Tagen im hohen Norden der Republik.

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Matthias Schmidt
Matthias Schmidt
Artland Dragons und Dallas Mavericks Fan.

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