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Dienstag, September 21, 2021

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Chad Toppert – Ein Rollenspieler

Chad Topper

Betrachtet man das Spiel und die spielerischen Eigenschaften von Chad Toppert, dann kommt einem fast zwangsläufig der Begriff ,,Rollenspieler‘‘ in den Sinn. Aber was ist eigentlich ein Rollenspieler? Gerade in letzter Zeit war zu beobachten, dass diese Bezeichnung inflationär verwendet und meist mit etwas Negativem assoziiert wurde. Frei nach dem Motto: Spieler X ist unwichtig, da er nur ein Rollenspieler und kein Star ist. Nun muss man sich allerdings auch in Anbetracht der unlängst von NBA-Spieler James Harden getätigten Aussagen fragen, ob ein Team wirklich funktionieren kann, wenn es diese zwar oftmals limitierten, dafür in einem Bereich des Spiels überdurchschnittlich begabten Spieler nicht geben würde. Kann ein Team, welchem zahlreiche Anführer beiwohnen, wirklich Erfolg haben oder ist es nicht wahrscheinlicher, dass sich diese gegenseitig im Weg stehen und den eigenen Wurf präferieren, anstatt vielleicht doch lieber zu passen?
Ein Rollenspieler- gehen wir vom Optimum aus- hat nicht dieses Verlangen, Abend für Abend eine Mindestanzahl an Würfen nehmen zu wollen, um die persönlichen Statistiken und das eigene Selbstverständnis aufzupolieren. Vielmehr gilt die Konzentration auf die ihm zugeteilte Aufgabe und die Erfüllung dieser. Zwar bekommt ein Coach so beispielsweise keine 15 Punkte, 6 Rebounds und 5 Assists von eben jenem Spieler, dafür aber möglicherweise gute Ausbeuten in einer von diesen Kategorien oder einfach nur pure Leidenschaft und dem Team zuträgliche Energie.
Und genau hier kommt Chad Toppert ins Spiel. Ohne nennenswerte Athletik und laterale Geschwindigkeit, dafür aber mit einer großen Portion Arbeitseifer und Wurfstärke gesegnet, macht sich der Deutsch-Amerikaner in jeder Mannschaft beliebt. Einfach, weil er sein Ego nicht so sehr in den Vordergrund rückt, sondern lieber den Mannschaftserfolg für sich sprechen lässt. Ein Spieler, der durch sein heißes Händchen den Mitspielern wichtige Räume verschafft und die allgemeine Wahrscheinlichkeit eines Korberfolges drastisch erhöht. Dafür muss er nicht mal zwangsläufig selber werfen und den Ball in seinen Händen wissen, denn seine Präsenz alleine reicht, dass sich die Verteidigung auf ihn fokussiert und nicht aushelfen kann, wenn es möglicherweise von Nöten wäre. Chad Toppert erfüllt seine Rolle und ist damit ein essentieller Baustein im Dragons-Gerüst. Dass das wiederum nicht von ungefähr kommt, belegen die Berichte aus früheren (College-) Tagen. Um das jetzige Spiel des Flügels also zu verstehen, muss man etwas genauer in die Historie schauen und die Zusammenhänge erkennen.

Dreipunktewurf und Basketball-IQ als Stärke in der Heimat

So wird Chad Toppert wird am 11.11. 1985 in Albuquerque geboren. Als Sohn von basketballbegeisterten Eltern bekommt er die Affinität zum orangenen Leder quasi in die Wiege gelegt. Gemeinsam mit Bruder Cody übt er sich schon früh im Umgang mit dem Basketball und verbucht erste Erfolge. Durch das basketballspezifische Wissen der Eltern bekommt er schnell ein gutes Gefühl für das Geschehen auf dem Parkett und kann sich trotz mangelnden Talents durchsetzen. Folgerichtig wechselt Toppert im Anschluss an den Besuch der heimischen High School an die Universität von New Mexiko. Dort läuft es zu Beginn etwas unrund, was aber für einen Neuling nicht untypisch ist. In seinem ersten Jahr in der NCAA wird Toppert in 28 Spielen eingesetzt und erhält durchschnittlich 5.6 Minuten Einsatzzeit.
Im zweiten Jahr folgt dann der Durchbruch! In allen relevanten Kategorien verbessert sich der Forward. Besonders auffallend seine klare Verbesserung in Puncto Gefährlichkeit von Downtown. Ganze 46,4 % der abgefeuerten Würfe vom Perimeter finden ihr Ziel, was ihn zu einem gefürchteten Gegenspieler macht.
Zwar kann er diese grandiose Quote in seinem dritten Jahr nicht ganz halten, dafür schraubt er aber seinen Punkteschnitt auf 10,3 in die Höhe. Von der Bank kommend schafft es der Junior vier 20+ Spiele hinzulegen und den Coaches zu imponieren. So kommt es nicht verwunderlich, dass Toppert auch im letzten Jahr am College fast in allen Spielen zunächst draußen sitzt und erst nach einigen Minuten das Spielfeld betritt. Eben nicht der ganz große Star im Team, dafür aber mit guten Quoten in nicht allzu vielen Minuten. Wo wir wieder beim Thema guter Rollenspieler wären. Solide 10,8 Punkte, 3,2 Rebounds und eine Trefferquote von 40,4 % aus der Dreipunktedistanz sprechen schlussendlich für eine zweifelsfrei vorhandene Qualität, die Toppert nun als Profi unter Beweis stellen möchte.
Wie so ziemlich jeder amerikanische College-Basketballer träumt auch Toppert von einem NBA-Engagement. Die Liga, die jedes Jahr aufs Neue nach guten Dreierschützen lechzt, scheint wie gemacht für den wurfstarken Mann aus Albuquerque, wäre da nicht das Problem mit der Athletik. Den Scouts scheint Toppert zu langsam und nicht geeignet für einen Platz in der besten Liga der Welt. Die Draft 2009 bringt dann schließlich auch das erwartete Urteil: Kein GM wählt Toppert aus, weder in der ersten noch in der zweiten Runde. Was sich im ersten Moment nach dem Aus des großen Traumes anhört, fasst der Forward ganz anders auf. Ihn spornt die Nichtberücksichtigung nur noch mehr an und veranlasst ihn dazu, das Abenteuer in der D-League zu wagen.
Dort sind nämlich viele Teams gewillt, Toppert unter Vertrag zu nehmen. So auch das Team aus seiner Heimatstadt Albuquerque. Die Thunderbirds bieten neben der geeigneten Lokalität auch ein interessantes sportliches Paket. 28 Minuten steht der 1,99m-Mann durchschnittlich auf dem Court und sorgt für genau die Firepower, die man sich von ihm erwartet hatte. Wiederum von der Bank kommend trifft Toppert 48,1% seiner Dreierversuche. Ein überragender Wert, der auch in Übersee nicht unbeobachtet bleibt.

Über Spanien nach Deutschland

Ein Verein aus Spanien hinterlegt das vorhandene Interesse und gibt ein lukratives Angebot ab. Da trotz guter Statistiken in der D-League auch in diesem Sommer kein NBA-Team Nägel mit Köpfen macht, entscheidet sich Toppert für einen Wechsel nach Zaragoza. Die Rolle, die für ihn vorgesehen ist, unterscheidet sich nicht besonders von seinen vorherigen Stationen. Die Marschroute heißt, in begrenzter Einsatzzeit um so viele Blöcke wie möglich zu kurven und den (freien) Dreier einzunetzen. Für den Europa-Rookie natürlich ein gefundenes Fressen. Wahnwitzige 53,1% aller Versuche vom Perimeter finden ihr Ziel und machen den Forward zu einem der besten Schützen in der besten europäischen Liga. Obwohl auch andere Vereine anklopfen, verlängert der Deutsch-Amerikaner, der auch in das Blickfeld der deutschen Nationalmannschaft gerät, für zwei weitere Jahre.
In der Folgezeit erhält Toppert zwar weiterhin seine 13-14 Minuten pro Spiel, kann seine enorme Produktivität jedoch nicht konstant hoch halten. Seine Punkte- und Trefferausbeuten sinken von Jahr zu Jahr und veranlassen die Verantwortlichen schließlich, den Platz im Kader neu zu besetzen. Toppert fällt den gesteigerten Erwartungen zum Opfer und muss sich einen neuen Arbeitsplatz suchen.
Die Artland Dragons, welche mit Begeisterung zur Kenntnis nehmen, dass Toppert auch einen deutschen Pass besitzt, melden sich postwendend bei der Agentur, um ihm einen Platz im Roster anzubieten. Beide Seiten zeigen sich nicht abgeneigt und so unterzeichnet Toppert im Sommer 2013 einen Einjahresvertrag in Quakenbrück. Als Neuankömmling ist er dort nicht allein, denn das ganze Team ist ebenfalls stark verändert zum Vorjahr. Headcoach McCoy, der Topperts Stärken genau kennt, benutzt seine Waffe, um Punkte von der Bank zu generieren. Zwar werden noch nicht allzu viele Systeme für ihn gelaufen, dafür bekommt Toppert aber immer noch genügend Möglichkeiten, von Downtown abzudrücken. Seine Wurfauswahl spricht Bände: 146 Dreierversuche stehen nur 40 Versuchen aus dem Zweipunktebereich gegenüber und hinterlegen damit, wie abhängig der Forward von seinem Distanzwurf ist. Toppert versucht erst gar nicht, waghalsige Dribblings zum Korb zu unternehmen oder mit dem Ball für andere zu kreieren, sondern besinnt sich auf seine Stärken. Wie eingangs erwähnt, kennt er sich und seine Fertigkeiten genau und nimmt es auch kommentarlos hin, wenn er in einem Spiel zugunsten des Teamerfolges auch mal weniger Würfe bekommt.

Vieles bleibt gleich

Gerade das dreierlastige Spiel der Dragons kommt Toppert aber sehr entgegen und hilft ihm, sich schnell zu akklimatisieren. Im Gegensatz zu seinem letzten Jahr in Zaragoza fällt postwendend auch der Dreier wieder besser, was sehr wichtig für sein Spiel ist. Auch defensiv bemüht er sich, seine Schnelligkeitsdefizite zu kaschieren und durch kluges Antizipieren Räume zu schließen. Sein Augenmerk gilt aber nach wie vor der Offensive, wo er auch an der Freiwurflinie überdurchschnittlich gut trifft. Zwar kann auch er in den Playoffs nicht das Ausscheiden in der zweiten Runde verhindern, dafür winkt ihm aber ein neuer Vertrag. Da die Teamchemie außergewöhnlich gut und die sportliche und finanzielle Situation nicht allzu schlecht ist, entschließt er sich dazu, ein weiteres Jahr im Artland zu bleiben.
In diesem Jahr ist vieles aus der Vorsaison gleich geblieben. Toppert ist weiterhin ein guter Rollenspieler, der viel Gefahr aus der Distanz ausstrahlt. Auch die Mitspieler kennt er bestens, da acht Spieler aus der Vorsaison mit einem neuen Vertrag ausgestattet wurden. Nur in Sachen Familie hat sich etwas Entscheidendes verändert. Toppert ist frischgebackener Vater und hat nun außerhalb des Spielfeldes etwas mehr Trubel um die Ohren.

Alles in allem kann man festhalten, dass Chad Toppert ein großartiger Teamplayer und ein anerkannter Dreierspezialist ist. Er füllt seine Rolle mit viel Energie aus und sorgt für reichlich Spacing. In Quakenbrück können sie sich glücklich schätzen, dass er einen deutschen Pass besitzt und die Rotation dadurch qualitativ erhöht. Was allerdings Sorgen bereitet, ist die Tatsache, dass Toppert in Spanien nach einem guten ersten Jahr abgebaut hat. Gelingt es ihm, seine Leistungen aus der Vorsaison zu konservieren, dann können sich beide Seiten nicht beklagen.

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Matthias Schmidt
Artland Dragons und Dallas Mavericks Fan.

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