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Dienstag, September 21, 2021

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„Ich mag schwierige Typen“

Isabella Müller-Reinhardt moderiert die BBL für Telekom Basketball.
Isabella Müller-Reinhardt moderiert die BBL für Telekom Basketball.

Bis vor dieser Saison kannte man Sie nur als Fußball-Expertin, zudem sind sie Fan des TSV 1860 München, Frau Müller-Reinhardt. Nun moderieren Sie für die Telekom Spiele der Basketball-Bundesliga, regelmäßig beim FC Bayern. Ein Kulturschock?

Ach, halb so wild. Vor 13, 14 Jahren habe ich für das DSF schon einmal über Basketball berichtet und in der Schule war Basketball schon immer mein liebster Mannschaftssport. Und da es sich um eine andere Sportart handelt, kommt sich das nicht mit meiner Leidenschaft für die Löwen in die Quere. Die größte Umstellung war für mich, dass im Basketball, was Begriffe und Spielerinterviews betrifft, fast nur Englisch gesprochen wird. Beim Fußball sprechen 90 Prozent der Profis Deutsch.

Sie kommen aus den großen  Stadien und stehen jetzt in kleinen Hallen. Wie fühlt sich das an?

Es macht richtig viel Freude! Mir war nicht klar, wie intensiv und packend Basketballspiele sind, wie gut die Stimmung und die Atmosphäre bei den Spielen sind. Da kann sich so manchner Zweitliga-Fußballklub eine gehörige Scheibe abschneiden. Überhaupt – wenn ich die beiden Sporarten vergleiche: Es gibt großartige Fußballspiele, klar. Aber es gibt auch welche, in denen 89 Minuten gar nichts passiert. Selbst ein einseitiges Basketballspiel hat einen hohen Unterhaltungswert. Spätestens nach 24 Sekunden muss etwas passieren.

Es gibt Menschen – Franz Beckenbauer hat dieses Image wohl maßgeblich mitgeprägt -, die halten Basketball weiterhin für einen wenig körperlichen Sport. Sie haben den Vergleich.

Na, zuerst fällt auf, dass sich beim Basketball nicht ständig einer am Bode wälzt und rumheult. Die Basketballer scheinen härter im Nehmen zu sein, als die Fußballer. Und was dieses Bild des vermeintlich körperlosen Sports betrifft: Ich staune bei meinen Interviewpartnern immer wieder, was das für Athleten sind. Die sind nicht nur Zwei Meter groß, sondern gefühlt auch zwei Meter breit. Ganz sicher: Ein Rempler von John Bryant hinterlässt andere Spuren als ein Rempler von etwa Mesut Özil.

Sie leben im Raum München, sind mit der Telekom öfters im Audi Dome zu Gast. Was für ein Bild haben Sie vom FC Bayern Basketball gewonnen?

Der Verein wird unglaublich professionell geführt. Man spürt einfach den Background und das Know-how dieses so erfolgreichen Klubs. Ein absoluter Profiklub. Aber soll ich Ihnen was sagen? Am meisten schwärmen meinen Kollegen für die Crailsheim Merlins. Ich war noch nie dort, aber die Arbeitsatmosphäre muss großartig sein. Klar, für die Bayern ist eine Live-Übertragung nichts Besonderes mehr – an anderen Standorten schon.

Was sehen Sie auf dem Parkett am liebsten?

Mich beeindruckt es jedes Mal wieder, wenn sich die ganze ntensität der Sportart in einem krachenden Dunk manifestiert. Wenn der Spieler zum Korb fliegt, den Ball mit aller Kraft reinhaut und dann noch dran hängt, das spürst du bis auf die Zuschauerränge. Aber auch die Gedankenschnelle der Spieler ist beeindruckend. Beim Fußball gibt es Spezialisten für Angriff und Verteidigung. Beim Basketball muss jeder auf dem Parkett in der Lage sein, innerhalb von Sekunden umzuschalten.

Ist Basketball die coolere Sportart?

Ich denke man muss hier zwischen der BBL und der NBA trennen. Der Basketball-Lifestyle vieler Kids ist stark durch die NBA, durch den Sport und auch das ganze Drumherum geprägt. In der BBL sehe ich ähnliche Bevölkerungsgruppen wie in der Bundesliga auf den Zuschauerrängen, bunt gemischt. Alt und jung, Singles und Familien. Man merkt jedenfalls, dass Basketball im Kommen ist. Gerade aus Familien in meinem Freundeskreis werde ich schon öfters nach Karten für die Bayern gefragt. Gerade in München, wo es einen derartigen Überfluss an Möglichkeiten gibt, die Freizeit zu verbringen und die Menschen diesbezüglich extrem verwöhnt sind, hat sich der FC Bayern schon ein sehr gutes Standing erarbeitet. Fußball ist und bleibt die Nummer eins in Deutschland – aber mich würde es sehr freuen, wenn sich Basketball als Nummer zwei etablieren könnte.

Haben Sie eine Lieblingsmannschaft?

Ich war noch nicht in allen Hallen, aber zum einen hat es mir in Ludwigsburg sehr gut gefallen, zum anderen in Berlin. Das dortige Gesamtkonzept – Halle, Show, Mannschaft – stimmt einfach.

Keine Liebe für die Roten, als Fan der Blauen?

Doch! Mein Lieblingsspieler ist Heiko Schaffartzik. Das ist ein saucooler Typ, mit dem könnte ich mir auch mal vorstellen, abends um die Häuser zu ziehen. Das ist einer, der unkonventionell ist und auch sagt was er denkt. Deshalb mag ich auch Svetislav Pesic. Überhaupt: Ich mag schwierige Typen! Denn das macht genau den Reiz für meine Arbeit aus: Beim Fußball wusste ich die Antwort auf jede Interview-Frage schon vorher. In der BBL gibt es noch echte Typen, die ihre Meinung sagen.

 

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