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Samstag, Juli 31, 2021

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Die Heim-EM steht vor der Tür

Teamfoto DBB Natio

2015 ist das Jahr, in dem die europäische Basketballgemeinschaft nach Berlin schaut, um die Spiele der EuroBasket ( Gruppe B ) zu verfolgen. Deutschland bekommt es dabei mit Schwergewichten wie Spanien oder Serbien zu tun, die als Favoriten in der Gruppe gelten. Während ein Sieg gegen Island als Pflicht betrachtet wird, versprechen die Aufeinandertreffen mit Italien und der Türkei sehr spannend zu werden. Ob die deutsche Nationalmannschaft am Ende die Vorrundengruppe übersteht, hängt neben der möglichen Teilnahme unserer NBA-Stars vor allem von der Form der übrigen Nationalspieler ab. BBLProfis richtet den Blick auf die Protagonisten des Basketballsommers und beleuchtet deren Leistungsstand.

Dennis Schröder:
Der 21-jährige Point Guard aus Braunschweig soll in Zukunft das Herz der Mannschaft sein. Sein schneller Antritt, die langen Arme sowie seine Übersicht sollen dem deutschen Spiel ein neues Element hinzufügen, welches nur schwer zu kontrollieren ist. Die EM-Quali im letzten Sommer hat gezeigt, dass Schröder gewillt ist, Verantwortung zu übernehmen und das Team anzuführen. Durch die deutlich gestiegene Spielzeit in der laufenden Saison ist der Aufbauspieler zudem im Spielrhythmus und muss sich nicht groß an die Belastung gewöhnen. Die kürzlich erfolgte Einladung zum NBA Allstar-Day ist der nächste Meilenstein in der noch jungen Karriere, die um die eine oder andere Auszeichnung erweitert werden soll. Fühlt sich Schröder nach den Playoffs mit den Hawks in körperlich guter Verfassung, steht einer Teilnahme nichts im Wege.

Heiko Schaffartzik:
Der mittlerweile 31 Jahre alte Guard vom FCBB ist weiterhin ein Aushängeschild des deutschen Basketballs. Er polarisiert, scheut keine Verantwortung und möchte Erfolg. Damit letzteres eintrifft, muss Schaffartzik sein Ego etwas zurückstellen und Schröder das Rampenlicht im Spielaufbau überlassen. Während dieser den Zug zum Korb präferiert, liebt jener den Wurf von außen, egal ob unter Bedrängnis oder aus der Bewegung. In München spielt er weiterhin eine gute Rolle und verleiht seinem Team eine gewisse Flexibilität, da er zumindest national auf beiden Guard-Positionen spielen (und auch verteidigen) kann. In der Nationalmannschaft deutet vieles darauf hin, dass Schaffartzik gemeinsam mit Schröder den Backcourt bilden soll. Gelingt das Zusammenspiel der beiden, ist das deutsche Team weit weniger ausrechen- und kontrollierbar.

Per Günther:
Was Schaffartzik kann bzw. auch nicht kann, das kann Per Günther schon lange. Der Ulmer Point Guard ist ein guter Schütze, schnell, allerdings auch etwas zu klein und defensiv nicht immer auf der Höhe. Eine Verletzung zu Beginn der Saison hat ihn etwas zurückgeworfen, mittlerweile führt er sein Team aber wieder von Sieg zu Sieg. In der Nationalmannschaft wird er aller Voraussicht nach von der Bank kommen und dieser mehr Tiefe verleihen. Um im Sommer einen lukrativen Vertrag zu ergattern, muss sich Günther auf der großen Bühne beweisen und seine Klasse unter Beweis stellen.

Akeem Vargas:
Mit neuem Vertrag ausgestattet, lebt und spielt es sich deutlich einfacher. Vargas bleibt in Berlin und das ist auch gut so. Der Defensivspezialist hat sich in der Liga einen Namen gemacht und (das überrascht jetzt vielleicht viele) ist auch offensiv ein Faktor im Berliner Spiel. Der Shooting Guard ist ein klassischer 3-and-D Spieler, welcher jedem Team gut zu Gesicht steht. Am besten aufgehoben ist Vargas neben einem Spieler wie Günther, da er dessen Schwächen in der Defensive etwas kaschieren kann und offensiv nicht viele Touches braucht, um effektiv zu sein.

Karsten Tadda:
Der Ur-Bamberger ist ein ähnlicher Spielertyp wie Vargas. Bekannt als Defensivspezialist, trifft er diese Saison seinen Dreier deutlich besser als gewohnt und bekommt daher auch mehr Spielzeit. Die Nationalmannschaft kennt er mittlerweile in und auswendig, sodass er seine Rolle bestens ausfüllen kann. Mit Bundestrainer Chris Fleming hat er im Verein zudem schon längere Zeit zusammengearbeitet, sodass er dessen Spielphilosophie bereits verinnerlicht hat.

Lucca Staiger:
Während die eben vorgestellten Shooting Guard-Kollegen eher über die Defense kommen, war und ist Staiger immer noch für seine Shooting-Fähigkeiten bekannt. Der in München spielende Zweier ist für das Spacing sehr wichtig und arbeitet weiterhin daran, seinen Zug zum Korb zu verbessern. In dieser Saison leiden allerdings seine Wurfquoten, da auch der Dreier nicht mit der erwarteten Wahrscheinlichkeit fällt. In der Defensive ist Staiger gegen schnelle Guards oftmals zu langsam und verliert diesen gerne aus den Augen. Ob er im Sommer dabei ist, ist fraglich.

Niels Giffey:
Giffey ist seit dieser Saison wieder in Deutschland und macht seine Sache immer besser. Die Umstellung vom amerikanischen auf den europäischen Basketball bereitete anfangs Probleme, ist jedoch mittlerweile kein großes Thema mehr. Giffey spielt zwar nicht überragend, dafür aber grundsolide und mit viel Einsatz. Er hat den Willen, sich zu verbessern und bringt an beiden Enden des Courts einen wichtigen Beitrag zum Erfolg. In der Nationalmannschaft hat er schon bewiesen, dass er ein Eckpfeiler sein kann und auf mehreren Positionen einsetzbar ist. Seine Variabilität wird gebraucht und im Sommer hoffentlich auch eingesetzt.

Robin Benzing:
Der Münchener Forward ist nach seiner Verletzung verständlicherweise noch nicht in alter Form. In der Nationalmannschaft wird sein Können vor allem auf der Small Forward Position gebraucht, da auf der Vier bessere Alternativen bereit stehen. Benzing kann sowohl im Post als auch am Perimeter effektiv agieren und das Team an guten Abenden teilweise offensiv tragen. Defensiv ist der Tweener kein Stopper, kann aber gegen ähnliche Spielertypen gut dagegen halten. In schlechten Matchups ist er dagegen zumeist verloren. Findet er aber im Laufe der Saison wieder seinen Rhythmus, sollte Benzing im Kader stehen.

Elias Harris:
Elias Harris spielt seine zweite Saison in Bamberg und kämpft unter dem neuen Trainer etwas um seine Rolle. Nach durchwachsenen Auftritten im ersten Saisondrittel mit stetig schwankender Einsatzzeit hat er sich zuletzt stabilisiert und erntet durchgehend mehr als 10 Minuten pro Spiel. Obwohl sein Dreier auch in dieser Saison nicht konstant fällt, punktet Harris nahe am Korb durch seine bemerkenswerte Athletik. Harris wird auch für die deutsche Nationalmannschaft interessant und wichtig, da er aufgrund seiner Schnelligkeit gegen gewisse Gegner auf die Drei ausweichen kann und Spielern wie Kleber oder Theis keine Minuten ,,klauen‘‘ würde.

Dirk Nowitzki:
Auch wenn Nowitzki es wohl nicht öffentlich zugeben möchte werden ihn die nicht enden wollenden Fragen nach seiner Teilnahme an der Heim-EM nerven. Dabei ist die derzeitige Lage klar: Nowitzki hat grundsätzlich Interesse, möchte aber die Playoffs mit seinen Mavericks abwarten. Nicht mehr und nicht weniger. Sportlich hat der deutsche Power Forward trotz hohem Alter noch einiges auf dem Kasten, wenngleich seine Nutzungsrate doch stetig sinkt. Die Trefferquoten sind nicht mehr ganz Dirk-like und auch die Defense war noch nie sein Streckenpferd. Die Tatsache, dass bei der EM die Dreierlinie näher am Korb und das Feld allgemein kleiner ist, wird ihm sicherlich sehr gelegen kommen. Mit Nowitzki besitzt das deutsche Team einen wahren Superstar und Anführer, ob er allerdings im Endeffekt wirklich aufläuft, muss sich noch zeigen.

Maximilian Kleber:
Kleber spielt bislang eine tolle Saison und bestätigt den Eindruck, den man schon im vergangenen Jahr im Nationaldress von ihm gewinnen konnte. In seinem ersten halben Jahr in Spanien spielt der athletische Forward konstant gut und erweist sich als Führungsspieler. Neben athletischen Fähigkeiten besitzt der Ex-Würzburger einen guten Dreier und ein gutes Auge für den Rebound. Entwickelt er sich in dem bisher vorgelegten Tempo weiter, stehen ihm alle Türen offen. Auch die deutsche Nationalmannschaft wird nicht um ihn herum kommen.

Daniel Theis:
Auch Daniel Theis kann sich über seine athletischen Fähigkeiten sicherlich nicht beschweren. Vor der Saison nach Bamberg gewechselt, nimmt er im Team von Andrea Trinchieri eine wichtige Rolle ein, wenngleich er nur sehr selten in der Starting Five steht. Wenn er allerdings auf dem Court steht, punktet und reboundet Theis überaus solide und macht auch in der guten Bamberger Defense einen zumeist tadellosen Job. Einzig der Dreier will auch in dieser Saison noch nicht recht fallen, was sein Spiel etwas limitiert. In der Nationalmannschaft kann Theis sowohl auf der Vier als auch auf der Fünf spielen, was ein großer Vorteil ist.

Danilo Barthel:
Der Frankfurter Danilo Barthel bekommt auch in dieser Saison wieder viel Einsatzzeit. Und das zu Recht! Defensiv ist Barthel ebenso wie sein Mannschaftskollege Voigtmann gefürchtet und auch offensiv lernt Barthel dazu. Neben einer gewissen Grundschnelligkeit hat Barthel nun auch den Distanzwurf im Repertoire. Zwar ist er kein geborener Werfer wie ein Nowitzki oder ein Kleber, dennoch strahlt er auch vom Perimeter eine gewisse Gefahr aus. In der Bundesliga und auch im Eurocup hat er sich bereits als tauglich erwiesen, der nächste Schritt in der Nationalmannschaft soll nun folgen. Problematisch ist da nur die derzeitige Verletzung, die ihm selber und dem Frankfurter Team sehr weh tut.

Tibor Pleiß:
Mit Tibor Pleiß spielt ein weiterer Nationalspieler in der besten europäischen Liga, der ACB. In Barcelona läuft es für den Center allerdings noch nicht ganz rund. Monsterleistungen wie im letzten Jahr sind rar geworden, was vor allem an der limitierten Minutenanzahl liegt. Die Konkurrenz auf den großen Positionen ist extrem stark, sodass Pleiß um seinen Platz kämpfen muss. Im Nationalteam ist er allerdings unverzichtbar und brennt nach dem verpassten Quali-Jahr sicherlich auf die Heim-EM.

Chris Kaman:
Auch Chris Kaman ist ein Kandidat für das deutsche Team, falls Nowitzki seine Zusage gibt. Der wuchtige Fünfer spielt eine überraschend gute Saison für Portland und kurbelt die Bankproduktion gehörig an. Offensiv ist sein Können hinlänglich bekannt, auch beim Rebounding sollte er keine großen Probleme bekommen. Allerdings wird er ebenso wie Nowitzki nicht mehr jünger und kann daher nicht mehr das volle Pensum abreißen. Was allerdings bei dem großen Blonden gilt, trifft auch auf Kaman zu: In der FIBA – Welt werden seine defensiven Schwächen nicht ganz so auffallen wie in der NBA.

Maik Zirbes:
Ein weiterer deutscher Center spielt derzeit im Ausland, genauer gesagt in Belgrad. Beim Euroleague – Verein übernimmt Maik Zirbes die Backup-Rolle und erfüllt diese solide. In der Liga bekommt er mehr Minuten als auf internationalem Parkett und erzielt dadurch auch bessere Statistiken. Auf internationalen Parkett muss er sich mit weniger Einsatzzeit genügen, da der Starting Center Boban Marjanovic viel Spielzeit abgreift.

Tim Ohlbrecht:
Tim Ohlbrecht ist zurück in Deutschland und spielt eine grandiose Saison in Ulm. Auch die Auseinandersetzung mit Ex-Bundestrainer Mutapcic hat ihn nicht aus der Ruhe gebracht, vielmehr wirkt Ohlbrecht reifer und besonnener auf dem Feld. Durch seine starken Leistungen kommt er automatisch wieder für einen Spot im Team in Frage und hätte sich diesen wohl auch verdient. Ohlbrecht ist ein variabel einsetzbarer Big Men, der auch den Dreier treffen kann. Bestätigt er die guten Leistungen aus dem ersten halben Jahr in Ulm, dann kann er sich keine Vorwürfe machen, falls er es nicht in den endgültigen Kader schafft.

Johannes Voigtmann:
Bei dem Pool an guten, großen Spielern wird oftmals ein Mann vergessen, der sich stetig verbessert und den man im Auge haben muss in der Zukunft. Johannes Voigtmann von den Skyliners ist das Centertalent, welches bereits letztes Jahr im Kader der Nationalmannschaft stand. Größe, Spielverständnis sowie ein gutes Passspiel zeichnen den Frankfurter aus, welcher allerdings mit dem Rücken zum Korb noch nicht effektiv genug agiert. Die Chance, dass er es in den Kader schafft, ist eher gering, trotz alledem ist er in der Hierarchie weiter nach oben gerutscht.

Fazit: Die deutsche Nationalmannschaft muss sich auch nach der enttäuschenden Qualifikation nicht vor den anderen Gegnern verstecken. Tritt das Team von Chris Fleming in Bestbesetzung an, sollte die Vorrunde machbar sein. Vor allem Dennis Schröder wird gefordert sein, das Team zu lenken. Auf den großen Positionen tummeln sich zudem viele Optionen, die breit gefächerte Skillsets mitbringen. Nun gilt es, die Rückrunde und die Playoffs abzuwarten und danach zu beurteilen, wer dem Team in fittem Zustand weiterhelfen kann.

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Matthias Schmidt
Artland Dragons und Dallas Mavericks Fan.

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