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Donnerstag, Januar 27, 2022

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Lischka im Interview – über sein Ende beim MBC und die aktuelle Situation

Johannes Lischka

Als Forward konnte Johannes Lischka in seiner Karriere bereits große sportliche Schlagzeilen schreiben. Nicht nur in der Beko BBL konnte er auf der Drei und Vier bis dato seine Fähigkeiten zeigen, sondern auch im Nationalteam kam er bereits zum Einsatz. Doch der November 2013 änderte Alles in seinem Leben, denn die Diagnose Gehirntumor veränderte sein Leben. Bei uns spricht Johannes Lischka im Interview über dieses einschneidende Erlebnis, jedoch auch über den aktuellen Stand in Sachen Gesundheit und Profi Karriere. Dabei gibt Lischka gewohnt offen Auskunft, was seinen Fans sicherlich gefallen wird.

BBLProfis: Zu Ostern hast Du Deinen Freunden und Fans auf Facebook positive Nachrichten mitteilen können. Wir möchten das Thema an dieser Stelle gerne nochmals aufgreifen und fragen, wie es Dir aktuell geht? Und auch fragen, wie Dein physischer und psychischer Status im Moment ist. Kannst Du uns hierzu etwas mitteilen?
Johannes: Aktuell geht es mir so gut, wie ich es seit meiner Operation nicht erlebt habe. Dies hat sicherlich auch mit meinem Training zu tun. Hierfür arbeite ich seit Anfang Dezember mit meinem Kraft- und Athletikcoach Jonas zusammen. Mir macht das Training eine Menge Spaß, denn ich sehe, ich kann wieder der Spieler werden, der ich vor meiner Operation war. Doch auch mein Coach ist erfreut. Nach eigenen Aussagen hat er noch niemanden gesehen, der innerhalb so kurzer Zeit so große Fortschritte erzielen konnte. Mir geht es also gerade richtig gut!

BBLProfis: Als Deine Erkrankung publik wurde, war dies an allen Standorten im Basketball natürlich ein großes Thema. Viele Aktionen wurden für Dich durchgeführt, um Dich aufzuheitern und natürlich auch um zu zeigen, dass Du in der damaligen Situation nicht Alleine bist. Aus heutiger Sicht – haben Dir diese Aktionen geholfen? Wie war es für Dich, in dieser schweren Stunde einen solchen Zuspruch erleben zu können bzw. zu dürfen?
Johannes: Mir hat es damals sehr gut getan zu sehen, wie viele Leute Anteil genommen haben, und es hat mir definitiv sehr geholfen.

BBLProfis: Gibt es etwas, dass Dich bei Vereinen Fans oder auch von Verbandsseite besonders bewegt hat?
Johannes: Es war im Grunde genommen kein spezieller Event oder keine einzelne Besonderheit. Vielmehr ist mir die Vielzahl an Aktionen und Nachrichten im Gedächtnis verblieben, denn dies war einfach nur gigantisch und überwältigend.

BBLProfis: Wir müssen dies Dich einfach fragen – Hat Dich Deine Erkrankung als Mensch verändert? Siehst Du heutzutage viele Dinge aus einem anderen Blickwinkel bzw. hast Du Dir selbst neue Prioritäten im Leben gesetzt?
Johannes: Ohne Frage – diese Situation hat mein Leben verändert. Ich selbst kann es aber nur schwer einschätzen, inwieweit diese Veränderungen bei meinen Mitmenschen ankommen. Natürlich haben sich in meinen Leben die Prioritäten verändert und verschoben, denn mein Blickwinkel hat sich verändert. Doch es sind auch kleinere Dinge. Ich achte zum Beispiel viel mehr auf meinen Körper und auch was ich beispielsweise zu mir nehme. Alkohol habe ich ebenfalls fast gänzlich gestrichen. Insgesamt – und das ist bezogen auf den Basketball – bin ich hierdurch vielleicht sogar noch professioneller geworden. Sicherlich ist dies mit dem Willen verbunden, dass ich einfach noch einige Jahre als Profi spielen möchte.

BBLProfis: Du bist sicherlich durch den Umgang mit deiner Krankheit für viele Menschen zu einem großen Vorbild geworden. Du hast gekämpft und am Ende gewonnen. Gibt es etwas, dass Du Deinen Fans oder anderen Personen mit auf dem Weg geben möchtest, die sich in einer ähnlichen oder aber ebenfalls schwierigen Situation befinden? Was hat Dir am meisten geholfen?
Johannes: Wichtig ist, sich selbst niemals aufzugeben und immer an den eigenen Weg und die eigene Chance zu glauben. Ich würde auch raten, Gedanken wie „Warum ich?“ und andere quälende Fragen nicht zuzulassen. Es gilt sich vielmehr der Situation zu stellen, diese zu akzeptieren und zu versuchen das Beste daraus zu machen.

BBLProfis: Lass uns zum Sportlichen kommen. Deine Rückkehr in den professionellen Basketball verlief schneller, als viele Fans dies für möglich gehalten hatten. Wenn Du aus heutiger Sicht zurückblickst – war die schnelle Rückkehr die richtige Entscheidung? War Dir diese als Spieler und Person persönlich sehr wichtig?
Johannes: Aus heutiger Sicht war es ein Fehler so schnell zurückzukommen. Ich würde sagen, ich habe mich total überschätzt dabei und die Operation samt ihrer Folgen unterschätzt. Es wäre sicherlich besser gewesen eine Reha zu absolvieren und meinen Körper neu aufzubauen. Ich war damals einfach zu ungeduldig, doch ich stehe auch dazu. Was passiert ist, ist passiert.

BBLProfis: Zu Beginn der aktuellen Saison bist Du erst beim MBC unter Vertrag gestanden und anschließend zu Gießen gegangen. Aktuell hast Du Dir jedoch eine Auszeit aus dem professionellen Basketball genommen. Wie kam es zu beiden Verträgen bzw. zum Wechsel unter der Saison vom MBC nach Gießen und auch zur anschließenden Pause? Was hat für Dich hierbei jeweils den Ausschlag gegeben?
Johannes: Zum Thema MBC kann ich es eigentlich nicht richtig beantworten. Ich hatte in der Vorbereitung drei Wochen mitgemacht, als die Meldung kam, dass der MBC den Vertrag auflösen möchte. Während der drei Wochen hatte ich zwar mit einer Zyste am Knie zu kämpfen, doch denke ich schon, dass ich in der BBL mithalten hätte können. Der MBC sah das aber offensichtlich anders. Ob der Verein sich damals schon mit Standhardinger einig war und lieber ihn im Kader haben wollte kann ich nicht sagen, aber vielleicht war ihnen das Risiko mit mir auch einfach zu groß. Was ich jedoch sagen kann ist, dass der Abschied mich überrascht hat. Auch in der Art und Weise, denn weder das Management noch Trainer Poropat haben es mir persönlich mitgeteilt oder Gründe hierfür genannt. Dann nach Gießen zu gehen war anfangs schwer zu akzeptieren für mich. Als Spieler konnte ich im System meine Stärken auch kaum ausspielen, so dass ich nur unregelmäßig zum Einsatz kam. Als die Spielzeit dann immer weniger wurde, hat mir 46ers-Geschäftsführer Heiko Schellberg eine Auszeit vorgeschlagen, welche ich annahm.

BBLProfis: Hast Du Dir in Sachen professioneller Basketball ein neues Ziel gesetzt? Vor Deiner Erkrankung warst Du nicht nur bereits einmal beim All Star Game der Beko BBL dabei, sondern auch Nationalspieler für das deutsche Team. Sind dies Auszeichnungen und Ziele, welche Du nochmals angehen möchtest?
Johannes: Natürlich ist es mein größter Wunsch und auch mein Ziel wieder in der BBL zu spielen. Das ich irgendwann auch wieder All Star sein kann, steht für mich außer Frage. Aber erst einen Schritt nach dem Anderen. In Sachen Nationalmannschaft habe ich noch keine Gedanken. Das Thema ist weit weg und das Team ist auf meiner Position zudem super besetzt.

BBLProfis: Nachdem Du aktuell in Deiner Auszeit an Deiner körperlichen Fitness arbeitest, muss die Frage einfach gestellt werden. Wie siehst Du einerseits Deine sportliche Zukunft und wie möchtest Du die Rückkehr in den professionellen Basketball angehen? Gibt es vielleicht bereits erste Kontakte und Gespräche?
Johannes: Das Thema läuft komplett über meinen Agenten, aber jetzt im April, ist es auch noch sehr früh. Ich hoffe einfach darauf, dass mir Vereine eine Chance geben, und mich vielleicht zu einem Tryout einladen. Dann kann ich die Teams und Trainer auch von meinen körperlichen Zustand überzeugen.

BBLProfis: Gibt es einen Punkt, an dem Du sagen würdest, dass Dein Comeback keinen Sinn mehr macht? Oder anders gefragt, gibst Du Dir ausreichend Zeit wieder Deine Form zu finden, oder ist es für Deine Motivation auch notwendig, dass Du wieder schnell auf dem Court stehen kannst und dabei bist?
Johannes: Um ehrlich zu sein, wenn ich kommende Saison keinen Verein finden würde, dann wäre der Punkt für mich erreicht, an dem ich sage – das war’s. Dieses Mal nehme ich mir nicht nur ausreichend Zeit, sondern ich trainiere auch hart um noch besser zu werden. Aktuell fühle ich mich super und ich denke, ich kann die beste Form meines Lebens erreichen. Wenn das dann auch nicht reichen würde einen Verein zu finden, wüsste ich auch nicht mehr, was ich noch tun kann.

BBLProfis: Gibt es noch Kontakt zu Deinen ehemaligen Kollegen bei Tübingen, beim MBC oder aber auch aus Gießen? Verfolgst Du eines der drei Teams noch verstärkt? Und falls Ja, warum?
Johannes: Mit dem Ein oder Anderen habe ich noch Kontakt und schreibe ich noch, wenngleich dies auch nicht täglich der Fall ist. Gießen verfolge ich natürlich sehr interessiert, denn ich stehe ja noch unter Vertrag und konnte auch die ein oder andere Trainingseinheit zuletzt mitmachen.

BBLProfis: Inwieweit verfolgst Du die Beko BBL während Deiner Auszeit? Schaust Du Dir Spiele in der Halle oder beispielsweise auch im TV an?
Johannes: Natürlich schaue ich mir Ligaspiele an. Dabei sind es vor allen Dingen Teams wie Tübingen oder der MBC welche ich betrachte, denn ich stand bei diesen Vereinen bereits unter Vertrag, weshalb ich einen anderen Bezug zu diesen Clubs habe.

BBLProfis: Als ehemaliger Nationalspieler hast Du sicherlich auch einen Blick für das Nationalteam übrig. Es hat sich viel getan in dieser Saison. Mit Chris Fleming kam ein neuer Bundestrainer und viele Spieler haben sich verbessert. Natürlich fällt hierbei besonders Dennis Schröder positiv auf. Was traust Du dem deutschen Team bei der anstehenden EM im Sommer zu? Wirst Du selbst auf irgendeine Art und Weise bei der EM dabei sein?
Johannes: Ich werde mir die Spiele Im TV ansehen – wenn ich Zeit habe. Chris Fleming ist ein Supercoach und definitiv eine sehr gute Wahl. Wie Dennis sich entwickelt hat ist Wahnsinn. Wenn ich NBA schaue, gucke ich auch immer mal wieder bei den Hawks rein. Wenn Dirk und Kaman mitspielen ist die Zwischenrunde möglich, aber die Gruppe ist auch echt nicht ohne.

BBLProfis: Kommen wir nochmals zur Beko BBL. Langsam aber sicher geht es dem Ende der Saison zu. Die Playoffs stehen vor der Tür und viele Experten gehen davon aus, dass die drei großen B’s Bamberg, Berlin und Bayern die Meisterschaft unter sich ausmachen. Wie ist Dein Tipp? Gibst Du Teams wie Bonn oder Ulm Außenseiterchancen auf den Titel?
Johannes: Ich denke, dass die drei großen Teams aus Berlin, Bamberg und München den Titel unter sich ausmachen, da sie einfach auf einem anderen Level spielen als Bonn oder Ulm. Persönlich wünsche ich ALBA Berlin viel Erfolg. Ich drücke dem Team auch in der EuroLeague immer die Daumen, was auch daran liegt, dass mein ehemaliger Teamkollege Reggie Redding in Berlin spielt.

BBLProfis: Hast Du Dir auch einmal Gedanken darüber gemacht, wie es wäre, nicht mehr professionellen Basketball spielen zu können? Wie fühlt sich der Gedanke an, und was wäre Dein Plan B in einer solchen Situation?
Johannes: Natürlich kamen die Gedanken schon auf. Aber vorstellen kann ich es mir irgendwie nicht, denn mein Leben besteht seit 10 Jahren einfach aus Basketball. Aber sollte es soweit kommen, werde ich sicherlich etwas Interessantes finden. Das Leben bietet viele Herausforderungen. Diese gilt es zu meistern und als Chance zu sehen.

BBLProfis: Käme für Dich auch eine Position als Trainer oder aber im Management eines Vereins in Frage? Wenn ja, wäre eher der Jugendbereich für Dich interessant oder der Wettkampf in der ProA oder in der Beko BBL?
Johannes: Die Trainerlizenz zu machen ist durchaus vorstellbar. In der Jugend zu beginnen wäre eine Option, aber dann nicht bei den ganz Kleinen, denn hierfür wäre ich einfach viel zu ungeduldig. (Johannes lacht)

BBLProfis: Abschließend möchten wir noch auf die sozialen Medien zu sprechen kommen. Du bist durchaus sehr aktiv und beziehst Freunde und Fans in Deinen Sportleralltag mit ein. Seit Neuestem zeigst Du auch Videos aus Deinem Training mit sehr positivem Anklang. Welchen Stellenwert nehmen Facebook und Co für Dich ein? Ist es für Dich das perfekte Sprachrohr zu Fans und Freunden?
Johannes: Richtig aktiv betreibe ich das Thema eigentlich erst seit meiner OP, als ich am Vorabend den Menschen hiervon mitteilte, dass ich einen Tumor habe. Natürlich habe ich hierüber auch viele erfreuliche und aufbauende Nachrichten erhalten, welche mir halfen und das Thema für mich sehr positiv werden ließen. Das mit den Videos ist neu und ich hoffe, es wird bei den Menschen ankommen. Insgesamt macht es mir sehr viel Spaß mich mit meinen Fans über Facebook auszutauschen.

An dieser Stelle möchten wir ein großes Dankeschön sagen und aussprechen. Johannes – wir drücken dir die Daumen, dass deine Rückkehr in den ProfiSport klappt und das wir dich schon bald wieder auf dem Court im Einsatz sehen werden!

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Tobias Forsterhttps://www.bblprofis.de
Tobias Forster ist seit vielen Jahren glühender Basketballfan. In der Basketball Bundesliga hält er dem FC Bayern München die Treue, während in der NBA die Dallas Mavericks und die Chicago Bulls seine Favoriten sind. Tobias berichtet über Neuigkeiten, ist jedoch zugleich im Bereich Interviews und Portraits aktiv.

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