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Alles auf dem Prüfstand

Artland Dragons Team 2014-2015

Die von Dragons – Geschäftsführer Alexander Meilwes unlängst in einem Interview mit einer Lokal-Zeitung getätigte Aussage: ,,Das war eine völlig verkorkste Saison‘‘ beschreibt das enttäuschende Abschneiden der Quakenbrücker Basketballer in diesem Jahr recht gut. Die hochgesteckten Ziele, etwa das Weiterkommen im Eurocup sowie das Erreichen der Pokalqualifikation und der Playoffs wurden teilweise meilenweit verfehlt und selbst dem wohl trivialsten Anspruch, die Zuschauer zufrieden zu stellen, kam man nur bedingt nach, obwohl Tugenden wie Einsatz, Wille oder Disziplin hier schon ausreichend gewesen wären.

Das knapp, aber verdient verlorene Spiel am letzten Spieltag gegen Crailsheim dient dabei als perfektes Beispiel für die vielen Fehler, die den Dragons zu oft unterliefen und stellt gleichzeitig auch den von vielen Beobachtern herbeigesehnten Schlussstrich der Saison 2014/15 dar. Während acht andere Vereine in der Republik in den kommenden Wochen um die Meisterschaft kämpfen, müssen im Artland wegweisende Entscheidungen getroffen werden. Welche Personalien dabei hervorstechen und wie die Chancen auf etwaige Trennungen bzw. Weiterbeschäftigungen stehen, soll im Folgenden beleuchtet werden.

Die Trainerfrage

Im Mittelpunkt der Diskussionen steht nicht erst seit einigen Tagen der in seinem zweiten Jahr als Coach tätige Tyron McCoy. Im Gegensatz zur vergangenen Saison, wo der damalige Rookie-Trainer vor allem in den Playoffs mit seiner Mannschaft positiv überraschte, steht dieser in der Gegenwart sinnbildlich für die hilf- und kampflose Mentalität der Drachen. Obwohl es viel Spielraum für spieltaktische Anpassungen gegeben hätte, zeigte sich McCoy sehr zögerlich und bekam etwa das Reboundproblem zu keiner Zeit in den Griff. Selbst der Versuch, mit zwei etatmäßigen Centern ( King und Frease ) gleichzeitig zu agieren und somit aufgrund der dazugewonnenen Zentimeter mehr Abpraller pro Spiel zu generieren, gelang nur partiell. Die emotionslose Art des Coachings und der nicht zu beobachtende, aber dringend notwendige Weckruf an die Mannschaft steigerten den öffentlichen Unmut überdies.
Den Misserfolg allerdings einzig und allein an McCoy festzumachen wäre nicht gerecht, schließlich konnte der Großteil des Teams aus der vergangenen Saison gehalten werden. Dass die als Stützen eingeplanten Spieler wie Holston oder King zudem durch Verletzungen teilweise nicht am Spiel- und Trainingsbetrieb teilnehmen konnten, ist und war nicht die Schuld des Trainers, wenngleich er mit Frease und Everett bundesligaerfahrenen Ersatz präsentiert bekam.

Inwieweit ein Umbruch auf der zur Zeit am wichtigsten erscheinenden Position im Verein notwendig ist, liegt nun daran, wie sich das Management entscheidet und ob der Geldgeber diese Entscheidung mittragen würde. Öffentlich und den Fans gegenüber, die sich nach einem Wechsel sehnen, wäre ein Verbleib McCoys aber wohl nur schwer zu verkaufen. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass bereits seit längerer Zeit über potenzielle Kandidaten für den möglicherweise neu zu vergebenen Job spekuliert wird. Dabei fallen immer wieder Namen wie Henrik Rödl, Sebastian Machowski oder Stefan Koch. Auch international bekannte und wohl auch teure Alternativen wie Dirk Bauermann werden im Umfeld gehandelt. Wer schlussendlich zu Beginn der neuen Saison am Seitenrand stehen wird, soll zeitnahe feststehen, damit man mit der weiteren Kaderplanung beginnen kann.

 Stühlerücken vorprogrammiert

Wie vor jeder anderen Saison geht es dabei in erster Linie um das nicht immer leichte Besetzen der sechs ,,Deutsch-Spots‘‘. Vom diesjährigen Kader haben sich vor allem David McCray und Chad Toppert für einen neuen Vertrag empfohlen. Ersterer untermauerte seine Vorschusslorbeeren als Energizer und steigerte seine Quoten im Vergleich zum letzten Jahr. Auch Chad Toppert, dem es zwar so manches Mal an der nötigen Konstanz fehlt, ist als Schütze in jeder Mannschaft gern gesehen.

Während man beide sicherlich gerne wieder im Artland sehen würde, steht die Zukunft von Andreas Seiferth in den Sternen. Im Gegensatz zu den bereits genannten Mitspielern enttäuschte der Ex-Trierer besonders zu Beginn und ließ den unbedingten Willen beim Reboundkampf und in der Defense vermissen. Bastian Doreth, dessen Einsatz wie auch bei Kollege McCray in keinster Weise zu kritisieren wäre, legte ebenfalls eine schwächere Saison hin. Gerade als primärer Ballhandler machte er ein ums andere Mal einen schlechten Job und ließ zu viel Zeit verweilen, bis der erste ( das Set-Play einleitende ) Pass gespielt wurde.

Ob es mit Guido Grünheid weitergeht, hängt vor allem von den Vorstellungen des Routiniers ab. Als solide Option für wenige Minuten von der Bank kommend ist der Veteran immer gut, ob er sich damit allerdings weiterhin abfindet, muss sich zeigen. Auch bei Tim Schwartz stellt sich die Frage nach der Spielzeit und wie er mit der limitierten Rolle persönlich zufrieden ist. Bei den zeitnahe stattfindenden Abschlussgesprächen sollen ebendiese Fragen geklärt werden.

Auch bei den ausländischen Spielern gibt es mehrere Enttäuschungen. Vor allem Lawrence Hill konnte zu keiner Zeit an seine bärenstarken Leistungen aus der Vorsaison anknüpfen und seine Spezialität, den Dreier, hochprozentig einbringen. Auch von Anthony King dürfte man sich mehr erwartet haben. Zwar zwang ihn eine Verletzung mehrere Wochen zum Zuschauen, jedoch konnte er weder davor noch danach mit guter Leistung komplett überzeugen. Zwar ist er immer noch eine gefährliche Angriffsoption im Low-Post und aus der Mitteldistanz und auch seine Defense zeigte sich verbessert, doch konnte er diese Attribute nicht oft genug gewinnbringend einsetzen. Auch der Fakt, dass die Dragons international nicht mehr vertreten sind, lässt auf eine Trennung schließen.

Antonio Graves und Brandon Thomas haben sicherlich ebenso den Anspruch, mit ihrem Verein international zu spielen. Beide dürften dabei besonders auf ihre Offensivqualitäten als wichtigen Faktor verweisen, schließlich spielten sie am einen Ende des Feldes überraschend gut. Defensiv dagegen konnten Graves, eigentlich als Verteidigungsspezialist bekannt, und Brandon Thomas, der abseits des Balles zu oft schlief, nicht überzeugen.

Durchaus auch positive Überraschungen

Das fällt besonders schwer ins Gewicht, wenn man mit David Holston bereits einen eher offensivausgerichteten Spieler in seinen Reihen weiß. Der amerikanische Point Guard muss sich aber keinen großen Vorwurf machen, wusste er doch durch tolle Quoten und ein gutes Assist-zu-Turnover Verhältnis zu überzeugen. Die Dragons sind sich den Qualitäten des Publikumslieblings bewusst und dürften alles daran setzen, den Aufbauspieler zu halten.

Doch nicht nur Holston, auch Kenny Frease ist als Gewinner der Saison zu nennen. Der spät für Anthony King nachverpflichtete Center schaffte dank seiner Masse neue Möglichkeiten im Spiel der Drachen und half beim Rebounding. Gerade als günstigere Alternative zu King wäre eine Weiterverpflichtung von Frease daher denk- und nachvollziehbar.

Etwas diffiziler gestaltet sich die Sache bei Terrell Everett. Ebenso wie Frease nachverpflichtet, zeigte der Combo-Guard trotz Anpassungsschwierigkeiten einige positive Ansätze, agierte insgesamt aber noch zu fahrig. Inwieweit er diese Angewohnheit mit deutlich mehr Zeit abstellen kann, beeinflusst die Frage nach der Notwendigkeit eines neuen Vertrages natürlich bedeutend. Insgesamt überwiegen die Zweifel an der Konstanz allerdings leicht, sodass ein neuer Arbeitskontrakt unwahrscheinlich erscheint.

Eher düster sieht es überdies auch bei Dennis Horner in Sachen Weiterarbeit aus. Die Tribünenaufenthalte dürften als klares Signal für einen nahenden Abschied gewertet werden, da Horner zudem, wenn er denn spielte, zu wenig Selbstvertrauen zeigte und sich als inkonstanter Faktor im Teamverbund etablierte. Auch seine eigentliche Stärke, das Rebounding, konnte er trotz viel Hustle nicht wie erwartet zur Geltung bringen.

Insgesamt gibt es also auf fast jeder Position im Verein Redebedarf und es darf davon ausgegangen werden, dass dem Credo aus der vorherigen Off-Season, auf Kontinuität zu setzen, in diesem Sommer nur bedingt gefolgt wird. Wie drastisch die Konsequenzen am Ende ausfallen werden, bleibt spannend zu beobachten…

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Matthias Schmidt
Artland Dragons und Dallas Mavericks Fan.

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2 KOMMENTARE

  1. BAAAAAAAAAAAAM…. Die Dragons stellen den Spielbetrieb ein..
    Ich habs ja befürchtet aber das es so schlimm wird (+Trier) … Hauptsache wir haben die Mega- Etat- Teams die um jeden Preis die EL rocken wollen..Verantwortung..die ‚kleinen‘ Teams die die BBL zu dem gemacht haben was sie ist ,könnten jetzt sterben wie die Fliegen..Ein ganz schwarzer Tag für den deutschen Basketball..kann es noch gar nich fassen.. Ich bin in tiefer Trauer.

  2. Ich sehe aber nicht unbedingt die BBL nun als Sünder in diesem Fall. Bei den Artland Dragons hing eben einfach auch viel zu viel an einem einzigen Sponsor und dessen Inhaber. Damit ist man eben Stimmungsschwankungen unterworfen. Wer weiß was gekommen wäre, würden die Dragons auf Platz vier stehen… Aber generell – bin mal gespannt, was hierbei nach kommt

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