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Mittwoch, September 28, 2022

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Nur schwer aufzuhalten – Kenny Frease

Kenneth Frease

Dass die Artland Dragons in der nächsten Saison nicht mehr in der 1. Bundesliga spielen werden, sollte sich nach dem ersten Schock bzw. der kurzzeitig einsetzenden Schockstarre mittlerweile überall herumgesprochen haben. Doch es geht nicht nur ein Verein mit seinen treuen Fans und Angestellten, es gehen (vermutlich) auch alle 12 Spieler, die den Verein in der Vergangenheit in ganz Deutschland repräsentiert haben. Wenngleich sich die Lage für die Spieler bei weitem nicht so dramatisch darstellt wie für die Personen, die vom Verein über lange Jahre abhängig waren und für diesen gearbeitet haben, so lässt der Abschied des Quakenbrücker Erstligabasketballs sicherlich auch bei vielen Spielern ein Stück weit Enttäuschung und Trauer zurück. Nicht von ungefähr bekundeten daher Spieler wie Brandon Thomas oder Kenneth Frease ihr Mitgefühl mit den Anhängern und unterstützten den Fanprotest im Herzen Quakenbrücks. Im Gegensatz zu Thomas, der bereits in Frankreich einen neuen Vertrag unterschrieben hat, muss sich Frease gemeinsam mit seiner Agentur um einen neuen Verein kümmern. Angebote sollte es zu genüge geben, schließlich wusste der Center in den letzten Monaten durchaus zu überzeugen. Im Folgenden soll sich dementsprechend alles um die Person Kenny Frease drehen und um seine Spielweise, die mitnichten alltäglich daherkommt.

 

Basketball wird zur Nummer Eins

Geboren wurde der mittlerweile 25-jährige Amerikaner am 18.10.1989 in Canton, Ohio. Im Osten der USA, unweit von Akron, als Heimat von Superstar LeBron James bekannt, wuchs der junge Kenny als Sohn einer ehemaligen Basketballerin auf und kam früh mit diversen Sportarten in Kontakt. Nach einigen Überlegungen reifte aber der Entschluss, sich voll und ganz auf das orangene Leder zu konzentrieren und in die Fußstapfen der bekannten Mutter zu treten. Nach dem Besuch an der örtlichen Perry High School, wo er seine Gegenspieler nach Belieben dominierte, entschied sich der schon damals bullige Frease für einen Wechsel an die Xavier University.

 

Gravierender Einschnitt im zweiten Jahr

Nach zwei eher enttäuschenden Jahren, in denen der Center nur rund 15 Minuten pro Spiel auf dem Parkett stehen durfte, arbeitete er im Wissen um seine prekäre Lage deutlich härter als bislang gewohnt an seinem Spiel und konnte im Sommer 2010 deutliche Fortschritte erzielen. Bestwerte in allen erdenklichen Kategorien waren die logische Folge seines neu entdeckten Arbeitsethos. Schlagzeilen machte allerdings ein anderes Ereignis, in dessen Mittelpunkt Frease stand. Im Winter 2011, der letzten Saison am College also, ereignete sich eine wüste Schlägerei zwischen Spielern der verfeindeten Xavier Universität und der Uni aus Cincinnati, in dessen Folge der Center einen harten Schlag von einem Gegenspieler verpasst bekam und stark blutend das Feld verlassen musste. Bemerkenswert an der ganzen Sache ist dabei nicht mal unbedingt die Tat an sich und die Brutalität, mit der diese geschah, sondern der Umgang mit dieser. Frease verzichtete im Nachgang auf eine Anzeige und verteidigte den Täter unter Berücksichtigung der im Spiel vorhandenen Emotionen.
Im Sommer 2011 meldete sich der Center dank seiner neu gewonnenen individuellen Klasse bei der alljährlich stattfindenden Draft an. Trotz Workouts bei diversen NBA-Teams konnte sich der 2,11m große Big Man nicht nachhaltig in den Mittelpunkt spielen, sodass er am Ende ohne NBA-Rookie-Vertrag da stand.

 

Europa statt NBA

In Europa bekundeten allerdings mehrere Vereine ihr Interesse am Center, sodass sich Frease am Ende für die WALTER Tigers aus Tübingen entschied. In Deutschland weckte der Rookie Erinnerungen an einen gewissen John Bryant, der zu der Zeit noch im Trikot von ratiopharm Ulm die Liga dominierte. Ohne große Anpassungsschwierigkeiten erarbeitete sich Frease seine Minuten unter Trainer Igor Perovic, startete in 27 von 34 Spielen und zahlte das Vertrauen des Clubs mit über 11 Punkten und 5 Rebounds pro Spiel mehr als zurück. Seine Leistungen ließen auch die Konkurrenten aufhorchen und veranlassten die Artland Dragons schlussendlich dazu, ihm nach der ersten Saison in Tübingen einen Vertrag anzubieten.
Mit der Perspektive, im Artland neben Playoffbasketball auch international ( Eurocup ) spielen sowie deutlich besser verdienen zu können, unterschrieb der Amerikaner das auf ein Jahr befristete Arbeitspapier. Im Gegensatz zu seiner vorherigen Station, wo er in der Center-Hierarchie ganz oben angesiedelt war und die meisten Minuten erhielt, musste sich Frease in Quakenbrück mit der Backup-Rolle von Anthony King begnügen. Darunter litt folglich auch seine persönliche Produktion, wenngleich sich sein Spiel insgesamt positiv auf das Gesamtkonstrukt auswirkte. Die Verantwortlichen sahen nach der Saison allerdings keinen Platz mehr im Team für den sympathischen Profi und vergaben seinen Platz an den mit großen Erwartungen verpflichteten Andreas Seiferth.
Erst Verletzungsprobleme mitten in der Saison ( King ) brachten Frease als notwendige Nachverpflichtung zurück, nachdem er den ersten Teil der Saison in der zweiten türkischen Liga verbracht und dort starke Zahlen aufgelegt hatte. Trotz wenig durschlagendem Teamerfolg konnte sich der Center dabei besser als noch in der ersten Saison in Quakenbrück in den Vordergrund spielen und größtenteils positive Akzente setzen. Wie es nun nach dem Aus der Dragons für ihn weitergeht, steht aktuell noch nicht fest.

 

Klassischer Brettcenter

Auch wenn Kenny Frease wie bereits erwähnt von seiner Statur an John Bryant erinnert, so unterscheidet sich sein Spiel doch deutlich vom Basketball des Ex-MVP’s. Ohne einen zuverlässigen Jumpshot im Repertoire ist ersterer weitaus öfter in der Zone unter dem Korb zu finden als Bryant, welcher gelegentlich auch aus der Mitteldistanz oder von hinter der Dreierlinie abdrückt. Zudem ist der Münchner ein besserer Freiwurfschütze und arbeitet noch deutlich mehr mit seinen Ellenbogen, als der in dieser Hinsicht auch nicht gerade bequem zu verteidigende Frease. Beide eint dafür die Größe von 2,11m sowie die fast 130kg Kampfgewicht, die sie in die zahlreichen Duelle schmeißen.

 

Gute Wurfauswahl

Auffällig bei Kenny Frease ist seine hohe FG% von über 60%, die aus einer guten Wurfauswahl resultiert. Über 95% seiner Würfe kommen aus der Nahdistanz, nur einen verschwindend geringen Teil der Würfe lässt der Center aus der Mitteldistanz los. Dabei hilft oftmals die gute Position im Low-Post, die sich der Center ein ums andere Mal vorbildlich erarbeitet. Dank seiner Masse ist er dort dann nur noch schwer zu verteidigen und kann an guten Tagen Gegenspieler fast nach Belieben dominieren.
Die überragende Physik hilft ihm auch beim Setzen von Blöcken, die nur schwer zu umkurven sind. Damit verschafft er primär den Guards einen nicht zu unterschätzenden Vorteil und Raum, um für sich und andere ( z.B. Frease als Abroller ) zu kreieren. Auch beim Rebound kann Frease überzeugen und weist im internen Teamvergleich den Bestwert auf, wenn es darum geht, die meisten, zu der jeweiligen Zeit verfügbaren, Abpraller zu sichern. Fortschritte macht der Big Man auch beim Passspiel, welches ihm erlaubt, ein gegnerisches Doppeln besser als noch in der Vergangenheit bestrafen zu können und den offenen Mitspieler in schöner Regelmäßigkeit zu bedienen.

 

Hohe Belastung als Problem

Um allerdings auf noch höherem Niveau dauerhaft bestehen zu können, muss Frease neben der Freiwurfschwäche ( nur etwa 60% ) auch an seiner Fitness und an seiner Defense arbeiten. Nicht immer wirkt der Amerikaner vollends austrainiert und musste daher wie auch John Bryant in der jüngeren Vergangenheit einige Zwangspausen während des Spiels einlegen, um zu verschnaufen.
Insgesamt steht Kenny Frease für viel Inside-Präsenz auf dem Parkett und darf sich dank seiner gezeigten Leistungen berechtigte Hoffnungen machen, dass der nächste Arbeitgeber nicht in einer zweiten Liga Europas sondern möglicherweise im Eurocup anzutreffen sein wird. In Quakenbrück vermissen sie ihn zumindest schon jetzt.

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Matthias Schmidt
Artland Dragons und Dallas Mavericks Fan.

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