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Mittwoch, August 10, 2022

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Stärkste Liga in Europa bis 2020 – ein nicht zu erreichendes Ziel?

Beko BBL Liga Logo

Der Basketball hat in Deutschland eine lange Tradition. Gerade in Städten, in denen amerikanische Soldaten stationiert waren, wurden schon früh nach Ende des 2. Weltkrieges erste Vereine gegründet. So sind in München unter anderem beim FC Bayern (1946) und dem TSV 1860 München Basketballabteilungen gegründet worden, auch in Heidelberg wurde unter anderem die heutigen MLP Academics Heidelberg gegründet. Auch Bayreuth und Bamberg hatten schon früh erstklassige Vereine. Der Sport erfreute sich zunehmender Beliebtheit, weitere Vereine kamen auf, und einige der früheren Hochburgen des deutschen Basketballs gerieten zunehmend ins Hintertreffen. Das erlebten auch der FC Bayern und der TSV 1860 München, die sich in niedrigeren Ligen wiederfanden.

Profiliga

Mittlerweile wird in Deutschland Profibasketball gespielt. 1966 wurde eine einheitliche Liga gegründet die sich immer weiter vergrößerte. 1994 löste sich die 1.Liga vom DBB ab und organisierte sich ab sofort selbst unter dem Namen Veltins Basketball Bundesliga GmbH. Mittlerweile heißt sie BEKO BBL und hat 18 Mannschaften.

Ambitionierte Ziele

Vom 1.4.2005 bis zum 1.7.2015 war Jan Pommer Geschäftsführer der BEKO BBL. In dieser Zeit hat sich die BBL stark weiterentwickelt. So wurde das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2020 die stärkste Basketballliga in Europa zu werden, sogar noch vor Spanien. Mittlerweile sind die Auflagen wie folgt: Eine Mannschaft erreicht die sportliche Qualifikation über die ProA. Der Etat muss mindestens €1 Mio. umfassen. Die Mannschaft benötigt eine Spielstätte mit einer Kapazität von mindestens 3.000 Plätzen. Zusätzlich muss ein Nachwuchsprogramm gemäß den Statuten der BBL vorhanden sein. Dies hatte Konsequenzen für die Vereine, die sich strengeren Auflagen unterziehen mussten. So wurde dabei die Mindestanforderung für Etat und Hallengröße eingeführt und zunehmend verschärft. Leider hatte dies zur Folge, dass eine Reihe von Vereinen es nicht schaffen, die verschärften Vorgaben der BEKO BBl, der ProA oder Pro B zu erfüllen. So traf es in den letzten Jahren Rheinenergie Cologne (mittlerweile RheinStars Köln), Bayer Leverkusen, s.Oliver Baskets Würzburg, GIESSEN 46ers, Düsseldorf Magic und TBB Trier, die entweder so sehr in finanzielle Schieflage gerieten, dass Punkteabzüge notwendig wurden, die zum Abstieg führten, oder gar einen Lizenzentzug für den Profibereich bedeuteten. Die Artland Dragons zogen von sich aus die Reißleine, da sie befürchteten, nach dem Rückzug des Sponsors sportlich nicht mehr im gewünschten Rahmen mithalten zu können.

Das Hauptproblem – Die Abhängigkeit von Sponsoren

Während viele Fans den Kommerz verteufeln, scheint es aber unmöglich, ohne Steigerung der Etats Profisport betreiben zu können. Spätestens seit Einführung der Liga, wie sie heute noch existiert, hat sie sich vom Amateursport hin zum Profisport entwickelt. Über Zuschauereinnahmen ist Profisport schon lange nicht mehr möglich. So sieht es nicht nur im Basketball aus. Viel extremer erlebt es der Fußball. Verdienten Fußballprofis in den 60er und 70er Jahren gerade einmal so viel Geld, dass es für ein angenehmes Leben reichte, sie nach Beendigung der Karriere aber zwangsläufig noch arbeiten gehen mussten, schaut es heute anders aus. Ähnlich ist die Situation beim Basketball. Ein Sportler kann mittlerweile, sofern erfolgreich, gut von seinem Beruf als Basketballprofi leben. Dadurch wird es zwangsläufig nötig, sich finanzkräftige Sponsoren an Land zu ziehen, die den Sportvereinen genügend Geld überwiesen, um sich davon Hallen zu bauen und den immer teurer werdenden Kader zu finanzieren. Mannschaften aus kleineren Regionen haben an dieser Stelle ein Problem, da sie oftmals von einem einzigen Großsponsor abhängig sind. Dadurch sind sie als Verein diesem Sponsor „ausgeliefert“. Diese Erfahrung haben aktuell die Artland Dragons gemacht. Anders sieht die Situation in Ballungsräumen wie München, Hamburg, Berlin oder dem Ruhrgebiet aus. Durch eine Vielzahl ansässiger Firmen fällt es einem Verein leichter, die finanziellen Mittel von mehreren Sponsoren zu akquirieren. Es fällt ihnen dadurch leichter, dem gestiegen Anforderungen gewachsen zu sein. Sie erhalten mehr Geld von Sponsoren, auch steigt die Chance, mehr Zuschauer in die Halle zu bekommen, was wiederum eine Akquise von Sponsoren erleichtert. Das schließt Missmanagement natürlich nicht aus.

Geht die Entwicklung zu schnell?

Viele Fans und Verantwortliche fragen sich, wie Vereine aus einwohnerschwachen Regionen es schaffen sollen, den schnell gestiegenen Anforderungen der Liga gerecht zu werden. Rudolf Schels, Vizepräsident des FC Bayern, antwortete einmal während der Saison 2014/2015 auf die Frage, ob diese Entwicklung nicht zu schnell ginge, dass es schon der richtige Weg der BBL sein, ambitionierte Ziele zu haben. Ohne ambitionierte Ziele könne man sich nicht weiterentwickeln und Anschluss halten. Es scheint zumindest so, als würden einige Mannschaften dem Druck des Fortschritts nicht mehr gewachsen sein, während die Mannschaften, die sich entweder nach der Pleite erholen, siehe Köln und Leverkusen, und andere aufstrebende Mannschaften wie Hamburg und Nürnberg noch nicht so weit sind, rechtzeitig in das Vakuum zu stoßen, das andere Mannschaften hinterlassen.

Welche Auswirkung hat diese rasante Entwicklung für den Basketball in Deutschland?

Es macht den Eindruck, dass sich der Profi-Basketball zunehmend in den Ballungszentren und größeren Städten in Deutschland wiederfindet. Das soll nicht heißen, dass Mannschaften aus kleineren Städten es nicht schaffen könnten, weiterhin oben mitzuspielen. Bestes Beispiel dafür sind die Brose Baskets Bamberg, die es trotz der finanziellen Mitteln eines FC Bayern geschafft haben, 2015 die Deutsche Meisterschaft zu gewinnen. Zu erwarten wird sein, so sieht es auch Steffen Hamann, dass im Jahre 2020 die Großstädte stärker in den obersten Ligen vertreten sein werden als noch in dieser Saison.

Schwierige Übergangsphase

Derzeit ist eine schwierige Phase für den deutschen Basketball, die es zu überstehen gilt, will man das Ziel erreichen, 2020 die stärkste Liga in Europa sein. Aufstrebende Mannschaften wie die Hamburg Towers, die noch nicht etabliert genug in Hamburg sind, rent4office Nürnberg, zwar aufstrebend, aber noch nicht so bekannt und RheinStars Köln, die erst wieder im Aufbau sind, sind noch nicht soweit, dauerhaft die Anforderungen der Liga zu erfüllen. Vor Allem, weil zu erwarten ist, dass die Vorgaben der BBL noch weiter verschärft werden dürften, will man andere Ligen wie Spanien, Türkei und Russland überholen. Das bedeutet aber auch, dass sowohl die BBL als auch der DBB die Vereine, die zunehmend in den Abwärtssog geraten, soweit unter die Arme zu greifen, dass sie nicht so schnell unter die Räder kommen. Dies wäre auch sehr wichtig für den deutschen Basketball, der Glaubwürdigkeit gegenüber Fans, Fernsehen und vor Allem den Sponsoren. Will man Sponsoren gewinnen, kommt es nicht gut, wenn innerhalb kürzester Zeit mehrere Mannschaften pleite. Auch ein ständiges Wildcardverfahren ist nicht förderlich für das Ansehen der Liga.

Fazit

Für die Fans kleinerer Mannschaften bedeutet dies, dass sie akzeptieren müssen, dass ihre Mannschaft mit minimalen Budget und kleiner Schulsporthalle nicht mehr die Chance haben wird, ernsthaft um die Meisterschaft mitspielen zu können. So schwer dies auch fällt.

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Patrick Link
Mein Interesse für den Basketball habe ich von meinem Vater, der selbst aktiv in der Bundesliga gespielt hat. Deshalb habe auch ich im Verein zu spielen begonnen. Seit nunmehr 5 Jahren habe ich eine Dauerkarte für den Fc Bayern Basketball, sehe so gut wie jedes Heimspiel. Ich pflege aber keine Abneigung gegen irgendeine Mannschaft oder einen Spieler.

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