11.1 C
New York City
Montag, Oktober 3, 2022

Buy now

Das Center Problem der Bayern

john_bryant2

Nach der letzten Saison sollte beim FC Bayern Basketball in der Spielzeit 2015/2016 vieles besser werden. Die Bayern haben über den Sommer hinweg viele Veränderungen im Kader vorgenommen und kurz vor Saisonstart noch K.C. Rivers verpflichten können, welcher zuletzt das Triple mit Real Madrid gewann. Alles schien bereit für eine sportlich erfolgreiche Saison, doch bereits Mitte Dezember sieht die Welt anders aus. Zum 19.12.2015 bzw. nach dem 12. Spieltag der Beko BBL stehen bereits 4 Niederlagen zu Buche und in der Euroleague wurde am Ende das Ziel Top16 verpasst. Ein Grund hierfür sind sicherlich die Probleme unter dem Korb.

Die Center der Bayern

Ein Blick in den Kader des FC Bayern Basketball zeigt, dass nominell drei Center in der ersten Mannschaft spielen. Neben John Bryant setzten die Macher der Bayern vor der Saison auf Neuzugang Andreas Seiferth und zugleich auf Nachwuchshoffnung Daniel Mayr, welchem der nächste Schritt zugetraut wurde bzw. welcher Spielzeit erhalten sollte. Stand heute ist dieses Experiment fehlgeschlagen, denn neben den drei nominellen Center Spielern kommt Forward Deon Thompson regelmäßig auf der 5 zum Einsatz, wenngleich ein Dusko Savanovic ebenfalls bereits als Centerspieler eingesetzt wurde.

Im Vorjahr hatten die Bayern noch auf Kraft und Erfahrung unter den Körben gesetzt. Aus dieser Riege blieb vor der Saison nur noch John Bryant übrig, denn die Ersatz Center Vladimir Stimac und Yassin Idbihi verließen den Verein. Stimac war ein Kämpfer vor dem Herrn und machte auch körperlich überlegenen Centern das Leben schwer, während Idbihi mit seiner Arbeitsmoral und vor allen Dingen seinen Willen zu überzeugen wußte.

Keine Frage – aus aktueller Sicht ist das vor Saisonbeginn in Angriff genommene Experiment auf der Fünf bei den Bayern gründlich in die Hose gegangen, denn besonders international zeigte sich, dass die Center Rotation für die eigenen hohen Ansprüche nicht ausreicht.

Stats and More – die Center der Bayern in der Saison 2015/2016

Ein Blick auf die Statistiken der Beko BBL und Euroleague (Stichtag 19.12.2015, Quellen: Euroleague.net und Beko-BBL.de) zeigt durchaus ein deutliches Bild. Der erste Blick geht dabei in Richtung Euroleague, denn besonders international zeigte sich ein recht deutliches Bild. Trainer Svetislav Pesic setzte als Bryant Ersatz vorwiegend auf Forward Deon Thompson, wenngleich auch Dusko Savanovic beispielsweise in Belgrad als Center gegen einen Riesen wie Zirbes spielen musste. Ein eindeutiges Zeichen an die Center Nummer 2 und 3.

Daniel Mayr und Andreas Seiferth hatten jedoch auch wenig Gelegenheit sich auf dem Parket der Euroleague zu zeigen, denn beide Spieler absolvierten jeweils gerade einmal eine Partie. Seiferth kam im abschließenden Gruppenspiel gegen Belgrad etwas mehr als drei Minuten zum Einsatz. Mayr wurde im Heimspiel gegen Fenerbahce immerhin rund 15 ½ Minuten eingesetzt, wenngleich bei diesem Einsatz neben einen Punkt und zwei Rebounds vor allen Dingen die körperliche Unterlegenheit im Gedächtnis blieb.

Stamm Center John Bryant spielte insgesamt alle zehn Partien, doch wurde die Nummer 54 der Bayern nur drei Mal von Coach Pesic in die Starting Five gestellt. Im Schnitt spielte der US Center 18:41 Minuten und kam dabei auf 8,9 Punkte und 3,9 Rebounds im Schnitt. Seine Wurfquoten (55,4% im Zweier Bereich, 66,7% im Dreier Bereich) überzeugen, doch ist speziell der Schnitt beim Rebound viel zu niedrig und auch gegenüber der letzten Saison ein erheblicher Rückschritt.

Auch ein Blick in die Beko BBL und die Liga Statistiken lohnt. Center Nummer Eins John Bryant kam in allen 12 bisherigen Saisonspielen zum Einsatz, wenngleich die Nummer 54 auch hier nur sechs Mal zur Starting Five gehörte. Der Center nutzt seine Spielzeit für durchschnittlich 9,3 Punkte und 5,7 Rebounds, wenngleich seine Punkteausbeute auch auf die veränderte Spielweise der Bayern zurückzuführen ist. Auffällig ist jedoch, dass John Bryant in der Liga von der Dreipunktelinie nicht hochprozentig wirft, denn nur 26,7% seiner Versuche fanden den Korb (4 von 15).

Auf dem Papier ist Center Andreas Seiferth in der Rotation seiner Position die Nummer 2. Bisher konnte Seiferth aber im Bayerndress noch nicht überzeugen. In seinen 10 Spielen in der Beko BBL kam der ehemalige deutsche Nationalspieler bisher auf durchschnittlich 2,8 Punkte und 1,7 Rebounds in 10:11 Minuten Spielzeit. Auffallend ist dabei auch die schwache Wurfquote von 38,9%, welche für einen Centerspieler sehr niedrig ist.

In der Beko BBL macht Daniel Mayr zumindest im Vergleich mit Seiferth einen guten Eindruck. Die Nachwuchshoffnung, welche vor allen Dingen lernen soll, kam bereits in 8 Spielen zum Einsatz. Durchschnittlich darf die Nummer 41 der Bayern 4:34 Minuten auf dem Parkett stehen, welche Mayr für 2,8 Punkte und 1 Rebound je Spiel nutzt.

Das Center Problem der Bayern

Die Zahlen zeigen das Problem der Bayern noch nicht richtig. Vielmehr gilt es sich die einzelnen Spiele der Bayern Basketballer anzusehen, denn speziell auf europäischen Parkett wird das Problem sehr schnell deutlich. Die Bayern haben in ihrer dreier Center Rotation im Grunde genommen nur zwei fertige und erfahrene Spieler mit Bryant und Seiferth, denn für Mayr stand auch vor der Saison fest, dass es zu lernen gilt und weiter am eigenen Körper zu arbeiten.

National kann vor allen Dingen John Bryant in der Beko BBL immer noch zu den stärksten Centerspielern gezählt werden, denn alleine mit seiner Masse und zugleich mit seinem feinen Händchen beim Wurf, ist er schlichtweg für viele Teams nicht zu kontrollieren. Als Backup kann Andreas Seiferth in der Beko BBL vom eigentlichen Können sicherlich mithalten, doch wirkt der Neuzugang immer noch bei seinen Einsätzen als Fremdkörper im Bayern Spiel. Er bekommt selten in der Offense den Ball und ist somit auch in seiner Effektivität limitiert.

Doch zum Teil kommen bei Seiferth und Bryant durchaus auch in der Liga die Probleme zu Tage, denn wann immer ein gegnerischer Big Man mit Athletik zu überzeugen versteht, hat es die Center Riege der Bayern sehr schwer. Körperlich können ein Bryant und ein Seiferth durchaus gegenhalten, doch fehlt beiden Centern die Grundschnelligkeit bzw. die Leichtfüßigkeit um gegen die bekannten Center zu bestehen. Bei Mayr verhält es sich ein wenig anders, denn er muss rein körperlich noch zulegen, was jedoch aufgrund seines Alters sicherlich keine Überraschung ist und von Saisonbeginn an bekannt war.

Aus der fehlenden Grundschnelligkeit und Leichtfüßigkeit ergeben sich für die Bayern Probleme. Zum Einen müssen die Geschwindigkeitsdefizite immer wieder durch Fouls kaschiert werden, was Foulprobleme nach sich zieht und den Gegner durchaus leichte Punkte von der Freiwurflinie beschert. Doch zugleich ändert sich hierdurch auch die Rotation. In der Euroleague kam in der Regel Deon Thompson – eigentlich als Power Forward geholt – aufgrund seiner vorhandenen Athletik als Starting Center zum Einsatz. In Sachen Schnelligkeit kann der US-Amerikaner natürlich mithalten, aber gegen körperlich starke Spieler wie einen Zirbes oder einen Vesely kann auch ein Thompson das vorhandene Center Problem nicht über ein ganz Spiel beheben bzw. verstecken.

Wird jedoch Deon Thompson von der Vier auf die Fünf für den Großteil eines Spiels verschoben, entsteht auf der Power Forward Position ebenfalls ein Nachteil in Sachen Athletik. Neuzugang Maxi Kleber ist noch nicht fit, weshalb die gesamte Last dann auf den Schultern von Dusko Savanovic liegt. Dieser besitzt ein feines Händchen und zugleich einen überragenden Basketball IQ, doch gegen athletische US Fowards tut sich ein Dusko dennoch schwer, denn auch bei ihm zeigt sich das Problem mit der Athletik.

Die Folgen für das Bayern Spiel

Das Thema Athletik war bereits in der letzten Saison ausschlaggebend. Vor der Saison wurde sich diesbezüglich mit den Verpflichtungen von Kleber und Thompson speziell auf der Vier verbessert. Die Verletzung von Kleber und die Verschiebung von Deon Thompson auf die Fünf bringt nun die Position Vier in Sachen Athletik in Probleme, wenngleich auf der Center Position selbst mit Thompson Probleme gegen die großen Center bestehen. Die Bayern haben somit in der Verteidigung in Sachen Athletik immer einen Schwachpunkt zu bieten, welcher speziell international von den Gegnern ausgenutzt werden konnte.

Das Einziehen in die Playoffs ist sicherlich in der Beko BBL nicht in Gefahr, doch könnten die Titelträume am Center Problem zerbrechen. Speziell Bamberg kann viel Athletik unter den Körben bieten, womit die größte Schwachstelle der Bayern in diesem Duell zum Tragen kommen könnte. Wie das Problem zu lösen ist, ist schwer zu beantworten. Ein Bryant ist in der nationalen Liga sicherlich gut aufgehoben und wenn Deon Thompson und Maxi Kleber auf der Vier spielen, ist auch diese Position selbst in Topspielen gegen Bamberg kein Schwachpunkt mehr. Die Bayern müssen jedoch versuchen Neuverpflichtung Andreas Seiferth besser zu integrieren und seine Stärken zum Tragen zu bringen. Gelingt dies nicht, sollte evtl. über eine Nachverpflichtung nachgedacht werden. Sollte KC Rivers die Bayern zum Jahresende verlassen, wäre es fahrlässig von den Verantwortlich den freigewordenen Kaderplatz nicht an einen athletisch starken Center zu vergeben, um das Ziel Beko BBL Meisterschaft nicht zu gefährden.

0.00 avg. rating (0% score) - 0 votes
Tobias Forsterhttps://www.bblprofis.de
Tobias Forster ist seit vielen Jahren glühender Basketballfan. In der Basketball Bundesliga hält er dem FC Bayern München die Treue, während in der NBA die Dallas Mavericks und die Chicago Bulls seine Favoriten sind. Tobias berichtet über Neuigkeiten, ist jedoch zugleich im Bereich Interviews und Portraits aktiv.

Related Articles

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Stay Connected

9,292FansGefällt mir
1,768NachfolgerFolgen
1,642NachfolgerFolgen

Latest Articles

spot_img
spot_img
spot_img
Basketball Wetten