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Mittwoch, Dezember 1, 2021

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Ludwigsburg braucht den Stehblock – ein Appell

MHP RIESEN Ludwigsburg - Jubel

Zum Playoffs-Heimspiel der MHP RIESEN Ludwigsburg gegen ratiopharm ulm präsentierte sich der Stehblock beeindruckend. Mit kräftiger Unterstützung in gelb, wollten die Fans ihr Team zum nächsten Sieg peitschen. Leider mussten sie es knapp, mit 76:82, an die Kontrahenten verloren geben. Was im Gedächtnis blieb, war die wahnsinnige Stimmung, die zum großen Teil durch den Fanblock in die Halle getragen wurde.

Ein Bild dieser Gänsehaut-Stimmung wurde auf Facebook veröffentlicht – ein Kommentar darunter ließ mich jedoch stocken. Demnach bedauerte ein Ludwigsburger Fan, dass der Stehblock in der nächsten Saison auseinander gerissen werden solle. Um mehr zu erfahren, habe ich mit Ludwigsburger Freunden gesprochen und ihnen auch meine Eindrücke mitgeteilt. Die MHP RIESEN haben für mich die beste Stimmung der Liga und tolle Anhänger. Umso erstaunlicher war dann das, was mir berichtet wurde. Man wolle den oberen Teil des Stehblocks mit Sitzplätzen ausstatten und damit den Stehbereich verkleinern. Angeblich wäre die Nachfrage nach Sitzen größer. Ein Großteil der Fans im Stehblock ist nicht glücklich mit diesen Ideen der MHP RIESEN-Geschäftsstelle.

Das Totschlag-Argument schlechthin für den Abbau von Stehplätzen wurde wieder einmal von den Verantwortlichen gezogen – das der Wirtschaftlichkeit und Nachfrage. Natürlich muss ein Profi-Team wirtschaftlich denken, schließlich ist es eine wirtschaftliche Unternehmung. Wahrscheinlich kann für die Sitzplätze mehr Geld als für die Stehplätze verlangt werden. Jedoch können mehr Menschen in einen Stehblock Platz finden.
Auch frage ich mich, wer diese Plätze nutzen soll – wer den Stehblock nutzt, kennt die Vorteile und wird nicht auf die Gemeinschaft, die Stimmung und diese Unterstützung für das Team verzichten wollen. Wer allerdings nur nicht kommt, weil er stehen müsste, wird auch später nicht kommen, wenn ein größeres Angebot an Sitzplätzen vorhanden ist. Denn wer das Spiel erleben möchte, der wird kommen, egal ob er stehen oder sitzen muss.

In Bamberg spürt man bereits deutlich die Auswirkungen der Umstellung. Einst bekannt als „Frankenhölle“ mutierte sie, mit dem Erfolg und den immer geringeren Angebot an Stehplätzen, immer mehr in eine „Klatschpappenhölle“. Seit der Saison 2016/17 muss nun auch der Südblock sitzen. Zwar nutzen die meisten Anhänger diese Möglichkeit nicht, doch fördert es die einstige Stimmung nicht.

Natürlich sind auch die stehenden Fans nur Zuschauer. Doch gerade Bamberg bewies mit seiner einstigen Stimmung, dass diese auch spielentscheidend sein kann. Allein die Kulisse beeindruckte gegnerische Mannschaften. In engen Spielen konnte die Lautstärke die Spieler in der Crunchtime beeindrucken. Vor allem bei Freiwürfen konnte dies durchaus ein großer Vorteil sein. Der bereits angesprochene sechste Mann, kann sich aber erst ins Spiel einbringen mit entsprechenden Möglichkeiten Stimmung in die Halle zu bringen – Stehplätze wirken sich da sehr förderlich aus. Zum Schluss sind sie es, die die Stimmung in die Halle tragen, die mit ihren Trommeln den Takt vorgeben, schreien und Choreos entwickeln. Sie sind die, die wortwörtlich hinter dem Team stehen. Auch für die Spieler wird es wahrscheinlich ein förderliches Gefühl sein, zu wissen dass hunderte Menschen geschlossen hinter einem stehen.

Der Wirtschaftsfaktor Fan ist hier sowieso einer der größten Argumente. Ohne die Menschen, die sich die Spiele anschauen, könnte es keinen professionellen Sport geben. Erst wo eine Nachfrage besteht, wird es auch ein Angebot geben. Und die Nachfrage erhöht sich nicht nur mit Siegen und guten Spielen, sondern auch durch eine Gänsehautstimmung. Und hier spielt Ludwigsburg ganz vorne mit. Auch langfristig wird man Fans nur mit einer entsprechenden Gemeinschaft und Stimmung halten können. Denn ein großer Faktor für die Liebe zu dieser Sportart ist auch der Zusammenhalt zwischen den Fans und die Atmosphäre der Halle. Dies macht ein Gesamtkonzept aus, dass langfristig Menschen an das Team bindet und zu Dauerkartenbesitzern, der sichersten Einnahmequelle einer Mannschaft, macht. Diese Ludwigsburger Gemeinschaft, die auch ich kennen und schätzen lernen durfte, wird durch die Verkleinerung auseinander gerissen. Ein großer Faktor für die Sympathie der MHP RIESEN Ludwigsburg geht verloren. Mit einem kleinerem Stehblock wird es kaum möglich sein, diese Gänsehaut-Momente wieder zu entfachen.

Liebe Geschäftsstelle der MHP RIESEN Ludwigsburg, ich weiß Sie müssen wirtschaftlich agieren. Aber ich glaube, dass langfristig gesehen der Erhalt dieses Stehblocks, der die Halle zu einer der Besten ligaweit macht, wirtschaftlicher sein wird, als die Einführung weiterer Sitzplätze. Der Verlust solch einer Atmosphäre wiegt weit schwerer, als der Gewinn an ein paar hundert Euro. Bitte denken Sie über meine Argumente nach. Vielen Dank!

 

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Franka Schulmann
Franka ist glühende Anhängerin der Basketball Löwen Braunschweig. Ob Unterstützung oder an der Trommel - unsere Autorin geht voran. Für uns ist Franka im Bereich News, Spielberichte und Interviews aktiv. Vorrangig bearbeitet sie die Themen aus Braunschweig, doch hat unsere Autorin auch das übrige Geschehen in der Bundesliga im Blick.

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