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Freitag, Juli 30, 2021

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„Leider können wir nicht auf jeden Wunsch einzelner Gruppen eingehen“ – Die MHP RIESEN Ludwigsburg im Interview

MHP Riesen Ludwigsburg Logo

Die Fanclubs der MHP RIESEN Ludwigsburg, die „Dunking Dukes“ und die „Barock Pirates“ äußerten sich in Interviews bereits über ihre Sicht der Verkleinerung des Stehblockes in der MHPArena. Dabei teilten uns die Clubs nicht nur ihre Sorgen mit, sondern auch inwieweit eine Kommunikation mit dem Verein erfolgte. Nun haben die MHP RIESEN Ludwigsburg Stellung in einem Interview mit unserer Franka bezogen. Marko Beens, zweiter Vorstand der MHP RIESEN, erläutert wie es zum Beschluss für eine Sitzplatzerweiterung kam und wie der Verein die Sorgen der Fanclubs und Anhänger aufnimmt.

Viele Fans der RIESEN kritisieren die Umwandlung der Stehplätze zu Sitzplätzen und verkündeten diese bereits auf unterschiedlichen Kanälen. Vor allem besteht die Sorge, dass die Stimmung darunter leiden könnte. Der Stehblock ist schließlich ausschlaggebend für die Atmosphäre der MHPArena, welche sich in knappen Spielen auch durchaus unterstützend auf das Spiel auswirken kann. Auch Choreographien der Fans, wie zum Beispiel beim Playoffs-Spiel gegen ratiopharm ulm, werden erschwert oder können nicht mehr in dieser Größe durchgeführt werden. Weiterhin ist Ludwigsburg für mich eine der Top Drei Hallen in der Liga, was die Stimmung und Atmosphäre angeht. Nicht nur das Spiel an sich, sondern auch die Stimmung bewegt viele Menschen dazu, erneut zu einer Partie zu gehen.

Eine Reduzierung der Stehplätze stellt für mich eine Negativentwicklung dar. Wurden bei der Entscheidung des Schrittes die Sorgen der Fans berücksichtigt und können Sie diese in Ihren Sorgen beruhigen? Wie wird sich aus Ihrer Sicht die Stimmung in der Halle mit der Umwandlung entwickeln? Sehen Sie die Sorgen als berechtigt an?

Den direkten Zusammenhang »Stehplatz gleich Stimmung« möchten wir in dieser Form nicht herstellen, damit täten wir über 3.000 großartigen »Sitzplatz-Fans« Unrecht. Richtig ist aber sicherlich, dass unsere beiden Fanclubs Dunking Dukes und Barock Pirates oft »den Herd anwerfen«, um die Halle zum Kochen zu bringen – das ist großartig. Eine Choreografie über den gesamten Block G hinweg, wie sie in dieser Saison bei einem Spiel organisiert wurde, halten wir auch in Zukunft für möglich, schließlich hatten wir bisher in diesem Block auch nur 25% Dauerkarteninhaber, das ist der Kern, der auch weiterhin sehr gern – und übrigens auch problemlos – in Block G stehend Platz finden kann.

Eine weitere Gefahr die gesehen wird ist, dass mehr Karten verkauft werden, als Stehplätze vorhanden sind und die Bewegungsfreiheit im Stehblock folglich eingeschränkt wird. Mir wurde berichtet, dass dies bereits bei den ausverkauften Spielen der Fall gewesen sei, sodass Personen teilweise hintereinander in den Gängen stehen mussten. Ist Ihnen diese Problematik bekannt, und wie wollen Sie eine Überbelegung in Zukunft vermeiden?

Es ist schlicht falsch, dass mehr Plätze verkauft werden als zugelassen. Richtig ist, dass in der Vergangenheit in der MHPArena beim Basketball mehr Platz auf einem Stehplatz beansprucht wurde als auf einem Sitzplatz. Wenn der (von den Behörden genehmigte) Saalplan der MHPArena vorsieht, dass 15 Personen stehend Platz finden müssen, wo 10 sitzen – auf der Fläche allerdings teilweise nur 9 stehen wollen, gibt es halt ein Problem, das auch mit Sicherheitsdienst und »Nachstopfen« nicht lösbar ist. Dies ist der wahre Grund, weshalb es in der Vergangenheit gelegentlich zu Problemen bei den Stehplätzen kam. Indem wir die Anzahl der Stehplätze reduzieren, reduzieren wir auch dieses Problem.

In Ihrer Argumentation greifen Sie auf, dass es nicht um ökonomische Faktoren ging, sondern der Schritt zur Umwandlung aufgrund der Zuschauernachfrage getroffen wurden sei. Einige Fans führen allerdings an, dass die Sitzplätze nur zu wenigen Partien ausverkauft waren, während der Stehblock immer sehr gut gefüllt war. Gab es vermehrt bei Ihnen Anfragen auf Sitzplätze, die Sie nicht bedienen konnten?

Die Wahrnehmung der Fans unterscheidet sich offenbar von unseren Verkaufsdaten: bei nachgefragten Spielen waren es stets die Stehplätze, die schwer verkäuflich waren – die Mehrheit der Gäste will heute offenbar auf den Komfort eines Sitzplatzes nicht verzichten.

Möchten Zuschauer das Spiel ansehen, werden sie auch die Stehplätze nutzen. Weiterhin wird weniger Platz für einen Steh-, als für einen Sitzplatz benötigt. Hätte man dieser Nachfrage nicht der Stimmung entgegenstellen können?

Wie bereits erläutert, treffen diese Überlegungen aus unserer Sicht nicht zu.

Auch Studenten und Schüler nutzen gerne das günstige Angebot, da diese nicht die notwendigen finanziellen Mittel für teurere Sitzplätze haben. Welche Alternativen wird dieser Personen-Gruppe geboten?

Wir bieten stark ermäßigte Preise an in allen günstigen Ticket-Kategorien, unter anderem für Schüler und Studenten. Die mit Abstand günstigste Möglichkeit, die MHP RIESEN zu erleben ist der Erwerb einer (ggf. ermäßigten) Dauerkarte, mit der ein Fan als Frühbucher zusätzlich mehr als 25% des Ticketpreises spart. Und die Stehplätze waren eben regelmäßig die zuletzt verkauften Plätze, die Nachfrage nach dieser Kategorie war deutlich kleiner als unser Angebot.

Einige langjährige Fans überlegen bereits, wie Sie Ihrem Protest Ausdruck verleihen möchten. Gerade solche, die Ihr Team auch in schlechten Zeiten und bei Auswärtsspielen meist unterstützen. In schlechten Zeiten werden diese auch weiter hinter Ihnen stehen, während Zuschauer, die nur kommen, wenn noch Sitzplätze vorhanden sind, in diesen Zeiten ausbleiben werden. Auf lange Sicht sind es die Dauerkartenbesitzer und Fanclub-Mitglieder, die eine gute Hallenauslastung sichern. Sollte man nicht deren Wünschen lieber nachkommen?

Leider können wir nicht auf jeden Wunsch einzelner Gruppen eingehen: wir müssen sehen, was langfristig und übergreifend für den Klub am besten ist. Die Kunden, denen wir uns am engsten verbunden fühlen, sind in der Tat unsere Dauerkartenbesitzer, die sich schon vor der Saison entscheiden, bei jedem Spiel der Saison mit dem Team Berge zu erklimmen (und auch mal Täler zu durchschreiten). Im gesamten, bisher über 1.000 Plätze großen Stehplatzbereich finden sich allerdings weniger als 200 Dauerkarteninhaber, und das sind weniger als 5% der Arenakapazität. Wir müssen uns also auch Gedanken um die restlichen 95% machen – und das tun wir.

Gibt es abschließend noch etwas, was Sie, als Geschäftsstelle der MHP RIESEN Ludwigsburg, Ihren Anhängern mitteilen möchten?

Wir haben beide Fanclubs am 12. Januar 2017 persönlich in unsere Überlegungen eingeweiht, aber seitdem kein weiteres Feedback erhalten. Auch beim sehr gut besuchten, öffentlichen Saisonabschluss am 26. Mai haben wir das Thema aktiv noch einmal angesprochen, es gab aber weder Fragen noch Meinungsäußerungen dazu. Ja, vielleicht hätten wir noch mehr kommunizieren müssen – andererseits muss Kommunikation ja auch keine Einbahnstraße sein. Wir arbeiten an uns.

Vielen Dank für Ihr Gehör zu den Argumenten und Sorgen der Anhänger der MHP RIESEN Ludwigsburg.

Wir möchten uns ebenfalls herzlich für die genommene Zeit und die Stellungnahme bezüglich der Problematik bei den MHP RIESEN Ludwigsburg und Marko Beens bedanken.

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Franka Schulmann
Franka ist glühende Anhängerin der Basketball Löwen Braunschweig. Ob Unterstützung oder an der Trommel - unsere Autorin geht voran. Für uns ist Franka im Bereich News, Spielberichte und Interviews aktiv. Vorrangig bearbeitet sie die Themen aus Braunschweig, doch hat unsere Autorin auch das übrige Geschehen in der Bundesliga im Blick.

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