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Freitag, Juli 23, 2021

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Johannes Richter – Rituale, Werdegang und Ziele

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Mit 24 Jahren hat Power Forward Johannes Richter bereits mehr als 100 Spiele in der Basketball Bundesliga absolviert. Der Big Man, welcher das Nachwuchsprogramm in Bamberg durchlaufen hat, spielt seit dieser Saison wieder unter seinem bekannten Cheftrainer Ivan Pavić, welcher den 205 großen Richter nun bei den Rockets trainiert. Im Interview mit uns spricht Johannes Richter nicht nur über seine Entscheidung für den Aufsteiger oder seinen bisherigen sportlichen Werdegang, denn wir konnten uns auch über die im Sommer stattgefundene Universiade mit dem Power Forward unterhalten.

Birgit: Verzeih mir diese Frage zu Beginn. Mit deiner Größe von aktuell 206 cm bist du natürlich wie gemacht für Basketball. Warst du bereits in deiner Jugend entsprechend groß gegenüber deinen Schulkameraden bzw. zeichnete sich hierbei bereits ab, dass du später einmal in diesem Sport aktiv sein wirst?
Johannes: Natürlich war ich schon immer größer als die meisten in meinem Alter, aber in meiner Jugend habe ich trotzdem verschiedene Sportarten ausprobiert. Neben einem Ausflug zum Fußball habe ich für eine längere Zeit Tischtennis gespielt. 10 Jahre bin ich auch geschwommen, bis ich mich dann zwischen Schwimmen und Basketball entscheiden musste. Für mich war Basketball der abwechlungsreichere Sport.

Birgit: Du hast in der NBBL für die Franken Hexer aus Nürnberg begonnen und dabei Höhen und Tiefen direkt kennengelernt. Du hast hierbei mit deinem Team das Top Four der Nachwuchs Basketball Bundesliga erreicht, am Ende jedoch gegen das Team von ALBA verloren. Wie bist du damals als junger Spieler mit dieser Situation umgegangen? Hast du daraus weitere Motivation gezogen, oder gab es Momente, in denen du auch an das Aufhören gedacht hast?
Johannes: Meine Zeit bei den Franken Hexer war super, ich habe auch jetzt noch mit den Jungs Kontakt, mit denen das Top Four erreicht wurde. Für uns war die Teilnahme ein riesiger Erfolg. ALBA hatte damals eine super Mannschaft. Daraus habe ich Motivation für die nächsten Jahre gezogen. Wir waren ein sehr junger Jahrgang und wollten auch in den kommenden Jahren wieder bei solchen Ereignissen dabei sein.

Birgit: Du hast in der Vergangenheit als junger Spieler mit einer Doppellizenz gespielt. War dies für deine Weiterentwicklung und Förderung der richtige Weg? Sollten junge Spieler den Fokus verstärkt auf Einsatzzeit bzw. Spielzeit legen, um zu einem besseren Spieler zu werden?
Johannes: Auf jeden Fall sollte der Fokus auf die Einsatzzeit gelegt werden. Natürlich ist das tägliche Training sehr wichtig, aber vor allem geht es um die Spielpraxis. Man spricht schließlich von Basketballspielern und keinen „Basketballtrainierern“. Aus meiner Sicht ist es das Wichtigste, dass genügend Spielzeit vorhanden ist. Das würde ich auch jedem Jugendspieler raten. Sich immer präsentieren und viel spielen.

Birgit: Lass uns einmal zu deinem neuen Club und zum Wechsel zu den Rockets springen. Wie Andreas Obst hast auch du das Nachwuchsprogramm in Bamberg durchlaufen. Nun triffst du bei den Rockets auf Wolfgang Heyder. Was Wolfgang auch ein Grund für deine Unterschrift beim Aufsteiger?
Johannes: Für mich ging es diesen Sommer darum, einen Club zu finden, bei dem ich konstant viel Spielzeit erhalte und mich weiterentwickeln kann. Bei meiner letzten Station, in Bonn, habe ich diese Möglichkeit nicht gesehen. Ich habe mich dann mit meinem Agenten zusammengesetzt und eine Lösung gesucht. Ich habe mehrmals mit Ivan Pavić (Anmerkung der Redaktion, Headcoach der Rockets) telefoniert. Mit Ivan habe ich regelmäßig Kontakt, seitdem ich 16 bin. Auch mit Andi Obst habe ich mich viel unterhalten, was wir machen wollen. Am Ende haben uns Wolfgang Heyder und Ivan Pavic von dem Projekt, mit jungen deutschen Spielern an den Start zu gehen, überzeugt. Auf so eine Chance haben Andi und ich gewartet.

Birgit: Deinen Headcoach beim Aufsteiger kanntest du bereits vorher. Nun hast du Ivan Pavić auch bei den Rockets bereits bei seiner Arbeit kennenlernen können. Wie würdest du ihn im Vergleich zu deinen Trainern in Frankfurt und Bonn sehen?
Johannes: Ivan hat ein sehr spezielles Verhältnis zu seinen Spielern. Er genießt unser volles Vertrauen und im Gegenzug gibt er das Vertrauen zurück. Das ist auch seine große Stärke. Viele kennen ihn bereits von früher, das sorgt für eine ganz besondere Beziehung.

Birgit: Mit deiner Unterschrift bei den Rockets bist du in den Osten der Republik gewechselt. Inzwischen spielen mit den Rockets, dem Mitteldeutschen BC und Science City Jena drei Teams aus dieser Region in der Basketball Bundesliga. Zudem möchten auch die NINERS Chemnitz den Sprung in das Oberhaus schaffen. Wie siehst du den Aufschwung beim Basketball im Osten Deutschlands? Und wo siehst du die Gründe dafür, dass dieser Sport in dieser Region nun sehr stark wächst?
Johannes: Das ist eine sehr schwierige Frage für mich. Ich bin nach 1990 geboren und für mich gibt es so gesehen keinen „Osten“ und „Westen“ mehr. Ich würde auch nicht sagen dass der Osten im Aufschwung ist, sondern ganz Deutschland. Mit dem MBC, Science City Jena und den Rockets gibt es drei Teams, die nahe beieinander liegen und so für eine hohe Attraktivität sorgen. Es gibt viele Derbys, auf die sich die Fans freuen. Man könnte im Umkehrschluss fragen, wieso es so viele fränkische Clubs mit Bamberg, Würzburg und Bayreuth gibt. Da fragt niemand, wieso es bei den Franken so viele Bundesligisten gibt. Ich bin dafür, dass man davon wegkommt, immer von Ost und West zu sprechen.

Birgit: Lass uns kurz auf deine anderen Bundesliga Stationen blicken. Bevor du nun bei den Rockets unterschrieben hast, warst du bei den FRAPORT SKYLINERS und den Telekom Baskets Bonn unter Vertrag. Aus heutiger Sicht – waren die jeweiligen Wechsel gute bzw. richtige Entscheidungen? Wie siehst du deine spielerische und persönliche Entwicklung während dieser Etappen?
Johannes: Ich bin davon überzeugt, dass jeder Wechsel zum damaligen Zeitpunkt richtig war. Natürlich kann man nicht beeinflussen, wie es bei den jeweiligen Vereinen dann läuft. Vor allem meine Zeit in Frankfurt habe ich in sehr positiver Erinnerung. Diese Zeit hat mich sehr geprägt, ich habe dort mein Studium begonnen und konnte mich sportlich weiterentwickeln. In Bonn hatte ich mit Schwierigkeiten zu kämpfen, dennoch hat mich auch diese Etappe weitergebracht.

Birgit: In Frankfurt und Bonn stand durchaus der Kampf um die Playoff-Plätze in den Saisonzielen. Bei den Rockets geht es vorrangig um den Klassenerhalt. Wie gehst du als Spieler mit diesem Saisonziel um? Ändert sich in deiner Herangehensweise oder Spielweise deshalb etwas?
Johannes: Die Spielweise ändert sich nicht. Natürlich gibt es immer wieder neue Coaches und dementsprechend auch neue Systeme, aber die Herangehensweise bleibt, dass man von Spiel zu Spiel schaut. Ich will immer gewinnen – gegen jeden Gegner. Man ist sich vor der Saison im Klaren darüber, dass es nicht immer zum Sieg reichen wird, aber trotzdem geht man in jedes Spiel mit der Einstellung, es gewinnen zu wollen. Der einzige Unterschied ist, dass nun mehr Verantwortung auf meinen Schultern liegt.

Birgit: Im vergangenen Sommer stand ein echtes Highlight für dich auf dem Programm. Du warst bei der Universiade in Taipeh mit dem deutschen Team im Einsatz. Was hast du aus diesem Turnier für dich mitgenommen? Welche Eindrücke könntest du als Spieler und Mensch rund um dieses Event gewinnen?
Johannes: Da gibt es eine ganze Menge zu erzählen. Das war wirklich ein ganz besonderes Erlebnis für mich und eine wahnsinnig tolle Zeit. Man kann es sich gar nicht so genau vorstellen, wenn man nicht dabei gewesen ist. 12.500 Athleten im Dorf und man konnte sich rege mit Sportlern aus der ganzen Welt austauschen. Es war sehr viel los und es hat richtig Spaß gemacht. Bei den Spielen waren bis zu 15.000 Zuschauer, eine sehr beeindruckende Kulisse. Im Team gab es einen tollen Zusammenhalt und wir haben uns sehr gut untereinander verstanden. Leider hat es sportlich am Ende nicht ganz gereicht. Aber wir haben im ganzen Turnier nur ein Spiel verloren, deshalb möchte ich mich nicht mit negativen Gefühlen aufhängen, sondern auf eine geile Zeit zurückblicken.

Birgit: Welches Gefühl war es für dich, Deutschland bei einem solch beachteten Event zu vertreten? Den Adler auf der Brust zu tragen – befreit dies, oder ist es mehr Belastung und Druck, den man als jungen Spieler hierbei spürt?
Johannes: Weder noch. Es macht Spaß, sich mit anderen Nationen zu messen. Jedes Land hat einen anderen Stil beim Basketball. Trotzdem spielt man das gleiche Spiel. Man macht sich nicht vor jedem Spiel verrückt oder ist belastet. Es ist immer noch Basketball. Man spielt für eine kurze Zeit mit einer anderen Mannschaft, als man es gewohnt ist. Es ist jedes Mal eine neue Erfahrung, die mir sehr viel Spaß macht.

Birgit: Lass uns bitte noch kurz auf die aktuelle Spielzeit blicken. Welche persönlichen Ziele hast du dir vorgenommen und gesetzt? Gibt es in deinem Spiel Dinge, an denen du im Besonderen arbeiten möchtest?
Johannes: Ich möchte mich als Leistungsträger in der Liga etablieren. Für mich ist es immer am wichtigsten, wie ich dem Team helfen kann. Dadurch wird man automatisch besser. Ich versuche an meinem Körper zu arbeiten, aber auch an meiner Verteidigung und dem Inside-Game. Mein Ziel ist es immer, ein besserer Basketballer zu werden. Aber primär geht es um die ganze Mannschaft und für uns als Rockets um den Klassenerhalt und einen Platz im gesicherten Mittelfeld. Ich möchte das Vertrauen, dass der Verein in mich investiert, zurückzahlen. Es ist nicht selbstverständlich, dass ich starten darf. Dieses Vertrauen möchte ich rechtfertigen. Ich möchte beweisen, dass man in der BBL mit jungen deutschen Spielern bestehen kann und auch gut spielen kann.

Birgit: Zum Schluss muss diese Frage einfach sein. Viele Spieler durchaus abergläubisch. Hast du auch ein Ritual, welches vor einem Spiel nicht fehlen darf?
Johannes: Ich tape mich vor jedem Spiel selbst.

Wir danken an dieser Stelle Johannes Richter von den Rockets für seine Bereitschaft und die damit verbundene Zeit. Viel Erfolg für den Big Man und sein Team in der easyCredit BBL!

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Birgit Krause
Birgit kam über ihren Arbeitsplatz in der Nähe des Telekom Dome zum Basketball. Unsere Autorin ist großer Fan der Telekom Baskets Bonn, doch auch an der ProA und ProB interessiert. Für Euch berichtet Birgit über Neuigkeiten aus Bonn und führt zugleich manch spannendes Interview.

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