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Donnerstag, Dezember 8, 2022

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Stefan Jovic – der gesuchte Dirigent

Als die Bayern im Jahr 2014 Deutscher Meister werden konnten, lag dies vor allen Dingen an Aufbauspieler Malcolm Delaney. Der US-Amerikaner, inzwischen in der NBA unter Vertrag, war der Floor General im Münchner Spiel und überzeugte nicht nur als Scorer, sondern fand auch immer seine Nebenleute, weshalb die Offensive der Bayern schwer auszurechnen war.

Mit seinem Abgang begann jedoch eine Schwächephase. Der Meistertitel konnte nicht verteidigt werden und obgleich die Teams der Bayern stets gut besetzt waren, fehlte ein Aufbauspieler, welcher die Offensive dirigiert und kontrolliert. Es versuchten sich einige Guards an dieser Aufgabe. Alex Renfroe, Justin Cobbs oder Vasilije Micić sind nur einige Beispiele an Aufbauspielern, welche die in sie gesteckten Hoffnungen nicht erfüllen konnten.

Vor dieser Saison gelang den Bayern jedoch ein Coup, denn Spielmacher Stefan Jovic konnte aus Belgrad nach München gelockt werden. Der serbische Playmaker kann selbst abschließen, überzeugt jedoch vor allen Dingen als Pass First Guard. Gerade einen solchen Spieler haben die Münchner in ihren Reihen gebraucht und dies bewahrheitete sich bereits im diesjährigen Saisonverlauf.

Persönliches rund um Stefan Jovic

Stefan Jovic wurde am 3. November 1990 im ehemaligen Jugoslawien geboren. Er nimmt die Position des Point Guards ein, bei einer Größe von 1,98m. Er definiert sich selbst als ein „Pass-First-Point-Guard“. Das heißt, der Aufbauspieler sucht lieber seine Mitspieler, als selbst zu scoren.

Seine erfolgreiche Zeit bei Roter Stern Belgrad (2014-2017)

Im Jahre 2014 unterzeichnete Stefan Jovic einen Vertrag bei KK Roter Stern Belgrad. Dort begann die Blütezeit des Serben. In den Jahren 2015, 2016 und 2017 konnte der Guard den Titel der Adriatischen Basketballliga (ABA), sowie den serbischen Meistertitel erringen. 2016 wurde Jovic zusätzlich zum Most Valuable Player der ABA-Liga gewählt. 2015 und 2017 konnte er seine Vita um den Gewinn des serbischen Pokals erweitern.

Auch in der Euroleague mischte der Point Guard mit seinem ehemaligen Klub mit. So gelang es der Belgrader Truppe rund um Jovic, das erste Mal in der Vereinsgeschichte die Playoffs des höchsten europäischen Wettbewerbs zu erreichen. Im Viertelfinale scheiterte Roter Stern gegen den späteren Champion ZSKA Moskau.

Im Sommer 2017 entschied sich Stefan Jovic seine Heimat in Richtung München zu verlassen. Der FC Bayern München Basketball stellt die erste Station außerhalb Serbiens für den Spielmacher dar.

Seine Karriere bei der serbischen Nationalmannschaft (2014-heute)

Der 27-jährige Serbe ist ein fester Bestandteil der serbischen Nationalmannschaft. Bei der Weltmeisterschaft 2014 in Spanien gehörte Jovic erstmals bei einem größeren Turnier der A-Mannschaft an. Dort konnte der Guard direkt die Silbermedaille erringen, als Serbien sich nur den übermächtigen US-Amerikanern im Finale geschlagen geben musste.

2016 bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro gab es ein Déja-vu-Erlebnis für Jovic und seine Teamkollegen. Im Finale unterlag Serbien, wie schon bei der WM 2014, dem Starensemble aus den Vereinigten Staaten. Während dieser Zeit stand der Elite-Point-Guard oftmals im Schatten von Milos Teodosic. Dieser galt bis zum letztjährigen Sommer als bester Spieler außerhalb der NBA, bis der ehemalige Star von ZSKA Moskau einen Vertrag bei den Los Angeles Clippers unterschrieb.

So lag es an Stefan Jovic seine Nation bei der Europameisterschaft 2017 auf dem Feld anzuführen, da Teodosic nicht an der EM teilnahm, um sich auf seine erste NBA-Saison vorzubereiten. Somit war es sein erstes Turnier, als erste Option auf der Eins und es endete wie so oft für die Serben mit Silber. Im Endspiel unterlag das serbische Team nach großem Kampf den Slowenen rund um Goran Dragic.

One Night In Munich

Es gibt manche Abende im Sport, da gelingt einfach alles. Das 7:1 von Deutschland bei der WM in Brasilien oder das 81-Punkte Spiel von Kobe Bryant gegen die Toronto Raptors wären Beispiele für solche verrückten Tage. Der serbische Nationalspieler Jovic erwischte in seiner Karriere auch so einen Abend. Der Gegner damals ist sein heutiges Teams – der FC Bayern München Basketball. Im Herbst 2015 kamen die Fans im Audi Dome aus dem Staunen kaum noch heraus, als sie mit ansahen, wie Jovic einen Pass nach dem anderen verteilte und der Ball der Reihe nach durch die Reuse gejagt wurde. Am Ende standen im Boxscore 19 (!) Assists für den Point Guard – Euroleague Rekord bis heute !

Jovics Spielstil

Seine große Stärke liegt im Halbfeldspiel, wenn es darum geht Systeme zu initiieren. Seine Lieblings-Setplay stellt dabei das Pick’n’Roll zwischen dem Center seiner Mannschaft und ihm selbst dar. Das Bread-and-Butter des Basketballs hat er so perfektioniert, dass er zusammen mit Maik Zirbes, bei ihrer gemeinsamen Zeit bei Roter Stern Belgrad, ein tödliches Duo gebildet hat. Das Pick’n’Roll ist ein simples System, doch bei perfekter Ausführung nahezu nicht zu verteidigen. Aus diesem Grund läuft Jovic es so gerne.

Jedoch findet der neue Point Guard der Bayern auch regelmäßig die richtige Mischung aus Transition-Offense und ruhigem Spielaufbau. Ein Alley-Oop-Pass von der Mittellinie stellt somit keine Seltenheit dar.

Jovic kann als Point Guard der „alten Schule“ bezeichnet werden. Er erledigt auf dem Feld die Dinge, welche ein Point Guard übernehmen muss. Auch mit seiner Größe hat er oftmals einen Vorteil in der Verteidigung, wenn die Gegenspieler nicht zu schnell an ihm vorbeiziehen und Jovic ist sich nicht zu schade auch defensiv zuzupacken.

Seine Statistiken in der aktuellen Spielzeit und der Vorsaison

Jovic selbst definiert sich als „Pass-First-Point-Guard“. Das belegen auch seine Zahlen aus der letzten Saison. Dort verteilte der Spielmacher im Schnitt 5,7 Assists, womit er statistisch gesehen die Nummer eins im Kader der Bayern ist.

So gut der serbische Nationalspieler seine Mitspieler in Szene setzt, hat sein Wurf in der letzten Saison massiv gewackelt. Bei Roter Stern Belgrad traf Jovic nur 29,7% seiner Dreier, was für einen Point Guard, der gerne und oft das Pick’n’Roll läuft schlichtweg zu wenig ist. Auch in dieser Saison trifft er lediglich 29,03% von Downtown, was dazu führt, dass die Gegner bei der Verteidigung des Pick’n’Rolls beruhigt absinken können.

Auch der Freiwurf wackelt bedenklich seit letzter Saison. 57,5% ist für einen Point Guard, welcher eher zum Korb zieht, als aus der Entfernung zu werfen, ein nahezu unterirdischer Wert. In der laufenden Saison ist die Quote noch einmal gefallen. Jovic trifft im Moment nur 45,45% von der Linie, was bei einem knappen Spiel in der Crunchtime zu einem Problem werden könnte. Doch man darf in die aktuellen Saisonstatistiken nicht zu viel interpretieren. Der Serbe hat diese Saison, geschuldet durch Verletzungen, bisher nur 22 Freiwürfe in der Liga genommen, was zeigt das die Quote relativ schnell steigen kann.

Jovics Rolle beim FC Bayern Basketball

Stefan Jovic sollte das fehlende Puzzleteil für die Bayern sein, um die Bamberger Vorherrschaft zu brechen. Doch konnte der Serbe in dieser Saison, aufgrund von Verletzungen, noch nie sein ganzes Potential abrufen. Der Point Guard ist der Floor General, den die Bayern seit dem Abgang von Delaney gesucht haben. Er kann das Spiel ordnen und leiten. Während seiner besten Phase bei Roter Stern Belgrad bekam er bereits den Stempel eines möglichen „NBA-Point-Guards“ aufgedrückt was zeigt, welches Potential in Jovic schlummert. Die Fans der Bayern konnten sich auch bei der Rekordnacht 2015 von seiner Klasse überzeugen, was hohe Erwartungen vor der Saison geschürt hat.

Die Frage die jedoch bleibt ist, welche Auswirkung die Entlassung von dem ehemaligen Head Coach Sasa Djordjevic spielt, da dieser einen maßgeblichen Anteil an der Verpflichtung Jovics gehabt haben soll.

 

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Roman Benker
Unser Autor Roman ist seit nun mehr als 5 Jahren bekennender Fan der einzig, wahren Hallensportart Basketball. Er stammt aus München und fiebert dementsprechend mit den Korbjägern des FC Bayern Basketballs mit. Die NBA und europäischer Basketball (außerhalb der BBL) fesseln ihn in gewisser Regelmäßigkeit vor dem Bildschirm

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