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Sonntag, April 14, 2024

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Gedanken zur Offseason – Die Suche nach Identifikation

Für den Großteil der Teams der easyCredit BBL heißt es mit Beginn der Offseason Spielerverträge zu verlängern, neue Spieler zu finden und an der neuen Saison 2018/19 zu arbeiten. Für die Fans bedeutet die Offseason meist hoffen, dass der eigene Lieblingsspieler bleibt, und die neusten Wechsel-Gerüchte zu diskutieren. Für viele der Basketball-Anhänger geht es beim Verbleib der einzelnen Spieler auch darum, die Identifikation mit dem Club zu halten bzw. zu schaffen. Die Spieler der Mannschaften sind die Gesichter für die breite Öffentlichkeit, sie stehen in dieser maßgeblich für den jeweiligen Verein. Doch in Zeiten von Saison-Verträgen und dem alljährlichen Wechseln von Spielern ist schnell die Sprache von „Söldnern“ und dass die Identifikation mit den Teams fehle. Ich möchte mich auf die Suche nach den Gesichtern der Clubs begeben, und was für mich Identifikation bedeutet.

Je näher das Ende der Saison rückt, umso lauter werden die Diskussionen rund um das Thema wer bleiben, gehen und kommen soll. Auf manch längeren Auswärtsfahrt wird über die Spieler und deren Aussichten gesprochen. Vor allem in kleineren Clubs ist das Wechsel-Karussell gut zu beobachten, werden diese doch vor allem als „Sprungbrett“ gesehen, um sich für andere Ligen oder bessere Teams präsentieren zu können. Grund hierfür ist natürlich – allem voran – die finanzielle Situation. Schnell bekommen die Spieler ihren Ruf als „Söldner“ weg. Allerdings sollte hierbei nicht vergessen werden, dass Profi-Basketballer den Sport nicht als Hobby, sondern als Beruf ausüben. Sie müssen oft eine Familie ernähren und wollen sich ebenfalls ein Leben aufbauen. Jeder, der einen „gewöhnlichen Beruf“ nachgeht, würde ähnlich handeln, wenn er woanders Aufstiegschancen und mehr Geld in Aussicht gestellt werden würde. Weiterhin haben Leistungssportler auch gewisse Ziele, die sie in ihrer Karriere erreichen möchten und mit kleineren Vereinen eher schlechter zu vereinbaren sind – oder würde jemand freiwillig immer wieder den Kampf um den Klassenerhalt durchleben wollen?

Aber zurück zur Identifikation. Mit diesen Voraussetzungen ist es durchaus ein schweres Unterfangen eine solche zu schaffen. In Braunschweig werden als große Hoffnungsträger Luis Figge und „Thommy“ Klepeisz gehandelt. Zwei junge Sportler, die durchaus die Sympathien für sich gewinnen können. Auf dem Feld hingegen dominieren die Amerikaner – bei den Löwen konkurrenzlos DeAndre Lansdowne und Scott Eatherton. Tolle Spielertypen und auch menschlich mögen sie in Ordnung sein, doch als Braunschweiger sehe ich keinen der vier Genannten. Vielleicht mag es auch an meinem Verhältnis zu Spielern liegen – ich mag gute Spielertypen, wenn sie gut aussehen, noch besser (auch Frau kann oberflächlich), aber sie machen für mich einfach nicht den Club aus. Sie sind heute in Braunschweig und morgen in Bremerhaven. Sie identifizieren sich schlussendlich nicht mit der Stadt oder den Leuten – wie auch, ich mache ihnen hier nicht einmal einen Vorwurf – sie identifizieren sich mit ihrer Mannschaft. Ein Profi wie Kyle Visser es war – der einfach nach Braunschweig gehörte und sich hier sichtlich zu Hause fühlte – bleibt ein seltener Glücksfall. Kurzum – die Spieler sind für mich wichtige Bestandteile des Teams, ich liebe es wenn sie ein geiles Spiel aufs Parkett legen, doch dass sie für mich die Identifikation und der Bezug zur Mannschaft ausmanchen, könnte ich nicht sagen.

Ich verfolge, neben fast allen Löwen-Spielen, auch gerne die MHP RIESEN Ludwigsburg und auch nach Göttingen verschlug es mich das ein oder andere Mal. Hier lässt sich bemerken, was einen Club wirklich ausmacht. Bei jeder Mannschaft gibt es ein anderes Gefühl – eine andere Art, die das Team für mich ausmacht. Und die werden für mich vor allem durch zwei Aspekte geprägt – dem Trainerstab und den Fans.

Werfen wir den Blick zunächst auf den Trainerstab. Jeder Coach hat natürlich eine eigene Art an sich, eine andere Philosophie, Auffassung von Basketball und einen anderen Umgang zum Team – logisch, bedingen die unterschiedlichen Charaktere doch dies. Verdeutlicht wird es in der Art und Weise des Spieles. Die unkonventionelle – manchmal rabiate – Spielweise eines John Patricks unterscheidet sich natürlich von der ruhigen, gefassten Spielphilosophie eines Frank Menz. Die Spielweise macht für mich ein Team sehenswert, oder eben nicht. Hinzukommt, dass die Trainer meist langfristiger an den Club gebunden sind. Sofern sich der Verein nicht vorzeitig von ihrem sportlichen Leiter trennt, so prägen er und sein Philosophie das Team für lange Zeit. Er stellt nicht nur das Bindeglied zwischen Office und Team her, er ist auch für die Fans Ansprechpartner Nummer Eins wenn es gut läuft, aber vor allem wenn es schlecht läuft. Er muss seinen Kopf vor allem in den schlechten Zeiten hinhalten und die Kritik entgegennehmen. Für mich ist ein Trainer daher von Vereinsseite der Identifikationsschlüssel Nummer eins.

Das Wichtigste kommt ja, wie man so schön sagt, zum Schluss. Allerdings kommt dies nicht direkt vom Verein selber. Denn aus meiner Sicht sind die Fans der wichtigste Punkt hierbei. Natürlich ist es für den Fanclub und die Menschen, die diesen ausmachen, ein komisches Gefühl bei Identifikation mit dem Team an sich selber zu denken, da sie ja nicht das Team als solches sind. Doch denkt einmal kurz darüber nach, über was ihr in Bezug auf andere Teams redet. Man wertet die Hallensituation aus, sofern man als Auswärtsfahrer dorthin fährt, man wertet vielleicht auch kurz Spieler aus, aber vor allem bewertet man die Gastfreundschaft und die dortige Stimmung.

So steht Vechta für eine Gastfreundschaft, die ihresgleichen sucht, mit langen Nächten nach dem Spiel – kaum einer gab im Gespräch um Vechta zuerst irgendwelche Spieler mir gegenüber an. Oldenburg weiß mit guter Stimmung und Gesangseinlagen zu überzeugen, Bamberg mit Fans, die durchaus als Erfolgsverwöhnt bezeichnet werden können, und so viele andere, die eine Erwähnung hier verdient hätten. Wenn ich zu anderen Clubs kam, waren es für mich immer die Fans, die den Club schlussendlich prägten. Die Stimmung, die sie in die Halle brachten, die Art wie sie einen aufnehmen, die Art wie sie mit der Mannschaft umgehen.

Als ich in Bremen war und kurze Zeit nach Oldenburg zu den Spielen fuhr, wurde mir dies klar. In Oldenburg sah ich – im Gegensatz zu den vorherigen Spielen in Braunschweig – fast nur Siege. Doch war es nicht vergleichbar, es war nicht der familiäre Geist, manchmal auch Kleingeist da, der mich für diese Sportart vor Jahren gewonnen hatte. Also fuhr ich ein Jahr später lieber von Bremen wieder nach Braunschweig, bis die Fans zu meiner Heimat, zur Familie wurden. Sie machten für mich schlussendlich Braunschweig aus – kein Spieler, kein Trainer, keine Geschäftsstelle. Es waren die Fans. So viele Spieler auch kommen und gehen mögen, so viele Veränderung in den Hallen dieser Republik stattfinden, die Konstante bleiben die Fans.

Die Fanblocks dieser Republik kreieren die Stimmung in den Hallen, gestalten die Hallen nach ihren Facetten und repräsentieren ihre Vereine auch gegenüber den gegnerischen Teams und mitgereisten Fans. Ich würde fast behaupten, dass manch einzelner Fan den Verein nach außen und auch gegenüber so manch einem Spieler hin mehr repräsentiert, als alles andere aus dem direkten Club-Umfeld. Daher würde ich sagen: Ein Hoch auf uns, liebe Fans der easyCredit BBL! Sucht die Identifikation nicht in den jährlich wechselnden Spielern. Ihr seid es selber, die diese prägen.

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Franka Schulmann
Franka Schulmann
Franka ist glühende Anhängerin der Basketball Löwen Braunschweig. Ob Unterstützung oder an der Trommel - unsere Autorin geht voran. Für uns ist Franka im Bereich News, Spielberichte und Interviews aktiv. Vorrangig bearbeitet sie die Themen aus Braunschweig, doch hat unsere Autorin auch das übrige Geschehen in der Bundesliga im Blick.

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