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Mittwoch, Juli 28, 2021

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Nach Unfall und Lähmung von Noah Berge – Noahs Mutter äußert sich im Interview

In den letzten Tagen hat das Schicksal von Noah Berge (Link: Drama um Noah Berge) viele Menschen in ganz Deutschland berührt. Dies zeigt sich nicht nur daran, dass viele Menschen ihre Mitgefühl diesbezüglich zum Ausdruck brachten, sondern vielmehr halfen auch viele Personen mit Spenden. Die bei GoFundMe ins Leben gerufene Spendenaktion „Hals abwärts gelähmt – helft Noah!“ hat inzwischen über 100000 Euro eingesammelt, welche der Familie helfen sollen, notwendige Ausgaben im Zuge des Unglücks begleichen zu können.

Der sportlich sehr aktive Noah Berge überlebte den erlittenen Straßenbahunfall zwar, jedoch wird dieser vom Hals abwärts gelähmt bleiben. Diese Situation führt nun dazu, dass einige hohe Ausgaben anstehen. Dies betrifft nicht nur Reha und Pflege, denn auch der Wohnraum muss für Noah angepasst werden und eventuell steht hierfür auch ein notwendiger Umzug bevor. All dies ist mit enormen Aufwand verbunden, weshalb die Spendengelder an dieser Stelle eine große Unterstützung darstellen.

Nun hat sich Noahs alleinerziehende Mutter, Claudia Berge, in einem Interview zu Wort gemeldet, welches wir an dieser Stelle veröffentlichen dürfen (Quelle GoFundMe, 22. Oktober 2018).

Wie geht es Noah?

Claudia Berge: „Noah ist bei Bewusstsein, aber nach wie vor auf der Intensivstation. Er möchte mit uns kommunizieren, kann aber nicht sprechen, weil er weiterhin beatmet wird. Die Ärzte sagen, dass er erst wieder hörbar sein kann, wenn er selbständig atmet. Das ist unser nächster großer Schritt, denn dann wird alles leichter. Er fragt oft nach Schmerzmitteln,
weil er Schmerzen hat, der Kopf und überhaupt. Die Ärzte sagen, dass das normal sei, wenn auch für uns schwer auszuhalten…”

Claudia Berge: „Auch mental ist es eine schlimme Achterbahnfahrt. Mal ist er traurig, dann resigniert, dann scheint er kurz vorm Durchdrehen zu sein, möchte schreien, aber es kommt ja nicht mal ein Ton heraus. Er ist gefangen in seinem Körper und das tut mir, die ihn so gerne beschützen würde, unendlich weh. Die letzten beiden Tage war Noah mal etwas zuversichtlich und manchmal verdrängt er scheinbar. Ich glaube, so wird es noch eine ganze Weile weitergehen – der Prozess, dieses so schwere Schicksal irgendwie anzunehmen, wird sehr sehr lange dauern…”

Wie hat er reagiert, als er von seinem Schicksal erfahren hat?

Claudia Berge: „Es gibt nicht dieses eine Mal reagieren. Die Realität erreicht ihn stückchenweise. Noah hat oft gehört, was mit ihm passiert ist, bereits von den Ärzten in Jena, nun in Halle. Bei jeder Visite hört er etwas von „Querschnitt“. Außerdem, so haben es uns die Ärzte erklärt, spürt er ja auch, dass mit seinem Körper etwas nicht stimmt. Ich konnte gestern an seinen Lippen die Frage ablesen, warum er seinen Arm nicht spürt. Ich habe ihm unter Tränen geantwortet, dass es daran liegt, weil seine Wirbelsäule doch so schwer verletzt wurde. Und da sagte er: „Ach so, danke Mama!“ Aber die gesamte Realität erreicht ihn nur Stück für Stück. So wie auch uns, sonst würde man verrückt werden und durchdrehen.”

Was können seine Freunde gerade für ihn tun?

Claudia Berge: „Ehrlich gesagt, stehen alle Freunde in den Startlöchern, können aber im Moment nicht viel tun. Sie warten auf ein Zeichen, reagieren sofort, wenn ich ein Anliegen habe. Von einem Freund habe ich ein paar Basketballschuhe ausgeliehen, die Noah im echten Leben viel zu groß wären. In der Klinik soll er diese hin und wieder angezogen bekommen, damit die Füße gerichtet werden können. Noah wollte auch Musik. Rap und Hip Hop sind sein Leben, ständig hat ihn Musik begleitet. Die Samy Deluxe – Kollektion, die ich ihm gebracht habe, wurde von einem anderen Freund mit einer großen
CD-Auswahl aufgefüllt. Seine zahlreichen Freunde würden ihn gerne sehen, aber Noah ist nach wie vor auf der Intensivstation. In Absprache mit den Ärzten halten wir die Besucher in kleinstem Rahmen. Wir als Familie und seine Freundin sind täglich bei ihm. Damit hat er vorerst genug. Ich erzähle ihm ständig, wie sehr seine Freunde sich kümmern und da sind, sich erkundigen und ihn vermissen. Das macht ihn offensichtlich froh, aber er formuliert noch nicht, dass er sie sehen möchte. Ich möchte, dass Noah die Entscheidung trifft, wann ihn wer besuchen kann.”

Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie erfuhren, dass Noah ab dem Hals querschnittgelähmt bleiben wird?

Claudia Berge: „Was mir durch den Kopf ging? Erstmal gar nichts. Komplette Leere. Ich habe das alles gar nicht geglaubt, habe tagelang gedacht, dass es ein schlechter Traum ist, aus dem ich bald erwache und erleichtert zum normalen Leben zurückkehren kann. Irgendwann hat dieses Trancegefühl aufgehört und ist einer unglaublichen Schwere gewichen. Ich versuche das alles auszuhalten, weil ich Noah unterstützen muss. Mein Leben dreht sich nur um meine beiden Söhne. Für Noah will ich dasein, muss aber auch seinem kleinen Bruder wieder etwas mehr Normalität geben. Manchmal grübele ich darüber nach, was das für eine Prüfung sein soll, die uns hier auferlegt wurde. Ich bin so dankbar, dass Noah lebt.”

Wie sieht Noahs Tagesablauf gerade aus?

Claudia Berge: „Es gibt noch keinen aktiven Tagesablauf. 2x täglich ist Visite, in der die Vorgehensweise für den Tag besprochen wird. Die Physiotherapie soll täglich bei ihm sein. Aber ein konkretes Trainingsprogramm kennen wir noch nicht. Wie gesagt, Noah liegt noch immer auf der Intensivstation, ist noch nicht im Reha-Zentrum.”

Wie hilft Ihnen die große Anteilnahme auf der Spendenplattform durch diese Zeit? Es gibt Unterstützung von Freunden und Team-Kollegen, aber auch von bekannten Sportlern oder Schauspielern. Wessen Unterstützung hat Sie besonders gefreut und bewegt?

Claudia Berge: „Das kann ich wirklich nicht sagen. Die Masse an Leuten, die Noah unterstützen, rührt mich unglaublich. Fast 1.800 Menschen haben gespendet, auch viele Leute, die eigentlich gerade so über die Runden kommen und trotzdem noch was abgeben. Ich bin einfach überwältigt von der Anteilnahme, die hier so beispielhaft ist. Tatsächlich wusste ich bis jetzt
auch nicht, wie stark und verbindlich die Basketballcommunity in Deutschland ist und es macht mich echt stolz, dass Noah ein Teil davon ist. Und natürlich rührt mich, dass auch Prominente die Kampagne unterstützen und teilen.”

“Ich möchte einfach allen von Herzen danken für die schwindelerregende Summe, die hier zusammenkommt und die mir und meiner Familie einen Teil der Angst vor der Zukunft nimmt. Danke auch für die Kraft spendenden Kommentare.”

Kann Noah die Kampagne verfolgen? Gibt ihm die große Anteilnahme etwas Kraft?

Claudia Berge: „Noah verfolgt sie nicht, ich habe ihm aber gestern davon erzählt und er hat bei der riesigen Summe echt große Augen gemacht. Er bewegte wieder die Lippen und sagte: „Krass, Mama. Warum machen die das?“ Und ich sage ihm: „Weil sie dich lieben und dir helfen wollen, weil sie an dich glauben und weil sie wissen, dass du stark bist und dich zurück ins
Leben kämpfen wirst!“

„Ich glaube, dass eines Tages, wenn sich Noah die Seite genauer anschaut, ihm genau diese Solidarität helfen wird, in schwachen Momenten wieder Kraft zu schöpfen.”

Gibt es Behandlungen, mit denen Noah in der Zukunft zumindest die Hoffnung haben kann seine Arme wieder bewegen zu können? Kann man irgendetwas machen?

Claudia Berge: „Ich weiß es noch nicht, gebe aber genau wie meine Familie und seine zahlreichen Freunde die Hoffnung nicht auf. Wir hoffen auf Behandlungsmethoden, die wir jetzt noch nicht kennen, aber wir werden alles, wirklich alles versuchen! Wir brauchen einfach alle Experten auf diesem Gebiet – er ist doch noch so jung, da kann man die Endgültigkeit der
Diagnose nicht akzeptieren… Die Zeit wird zeigen, was möglich ist.”

Was werden Sie als Erstes mit dem Geld machen?

Claudia Berge: „Auch das weiß ich noch nicht, ich denke gerade noch von Tag zu Tag. Wir werden es aber definitiv in die bestmögliche Therapie für Noah stecken, um wirklich nichts unversucht zu lassen und für ihn tatsächlich ALLES rausholen zu können, was machbar ist. Auch für die Zeit nach dem Krankenhaus und für seine neue Lebenssituation wird so viel benötigt
werden, aber wie gesagt, ich bin noch zu sehr im Schockzustand, um so weit zu denken…”

Ihr seht, die Situation ist für Noah und seine Mutter alles andere als einfach und eure Spenden können hier viel Gutes bewirken und tun. Wir bitten Euch, helft ihnen in dieser schweren Stunde und zeigt, dass die Basketball Community zusammensteht und zusammenhält. Wir sagen an dieser Stelle für euer Engagement ebenfalls Danke.

Hier könnt ihr spenden und helfen – Link zur Spendenkampagne „Hals abwärts gelähmt – helft Noah!“

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Tobias Forsterhttps://www.bblprofis.de
Tobias Forster ist seit vielen Jahren glühender Basketballfan. In der Basketball Bundesliga hält er dem FC Bayern München die Treue, während in der NBA die Dallas Mavericks und die Chicago Bulls seine Favoriten sind. Tobias berichtet über Neuigkeiten, ist jedoch zugleich im Bereich Interviews und Portraits aktiv.

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