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Mittwoch, August 4, 2021

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Im Gespräch mit WWU Baskets Manager Helge Stuckenholz

Die WWU Baskets gehören zu den positiven Überraschungen dieser Spielzeit in der BARMER ProB. Als Aufsteiger konnte sich das Team aus Münster für das Halbfinale der Playoffs qualifizieren, in dem bereits ein gelungener Auftakt gegen die wiha Panthers Schwenningen erreicht werden konnte. Vor der zweiten Partie dieser Halbfinalserie stand uns WWU Baskets Manager Helge Stuckenholz für ein kurzes Interview zur Verfügung, in dem nicht nur über den aktuellen Boom in Münster gesprochen wurde.

BBLProfis: Vor dieser Saison waren die WWU Baskets als Aufsteiger sicherlich nur bei gut informierten Experten und Fans der Favorit auf eine vordere Platzierung in der ProB Nord. Am Ende sprang nach 22 Partien mit 16 Siegen nicht nur der erste Platz in der Hauptrunde heraus, denn auch in den Playoffs läuft es für das Team aus Münster sehr gut. Wie konntet ihr den Schwung aus dem Vorjahr mit dem resultierenden Aufstieg mitnehmen, um eine solche Leistung in der ProB zu liefern? Was ist aus eurer Sicht der Schlüssel für diese erfolgreiche Saison gewesen?
Helge Stuckenholz: Wir legen seit Jahren großen Wert auf Kontinuität in unserer Mannschaft. Ein Großteil der Jungs bleibt lange zusammen. Wir haben einige Spieler im Team, die bereits vier oder fünf Jahre zusammenspielen, was unserer Philosophie sehr zuträglich ist. Wir legen extrem viel Wert auf die Stimmung innerhalb des Teams und wie sich die Jungs untereinander verstehen. Daraus resultierte dann neben gutem Coaching auch unsere hohe Erfolgsquote der letzten fünf Jahre in einer sehr starken Regionalliga West, in der wir 90% unserer Spiele gewonnen haben, was schon bemerkenswert ist. Mit diesem Wissen hätte der eine oder andere Experte schon eine kleine Vorahnung haben können, dass wir kein Kanonenfutter sind. Unser gegenwärtiger Erfolg war allerdings so nicht zu erwarten! Wir hatten durchaus großen Respekt vor der Physis der Spieler in der ProB. Den hatten wir auch zu Recht, wie die ersten fünf bzw. sechs Spieltage, nach denen wir uns am Ende der Tabelle wiederfanden, bewiesen haben. Wir sind anschließend aber langsam in der Lage gewesen, der deutlich höheren Intensität der Teams der ProB, die meist in einer kleineren Rotation von sieben bis acht Spielern spielen, die viele Minuten sehen, mit unserer zehn bis elf Mann tiefen Rotation, aus der immer wieder ein anderer hervortritt, zu begegnen. So haben wir unseren Rhythmus finden können und die bekannten Resultate erzielt.

BBLProfis: Ihr habt eine tolle Heimbilanz. In der Hauptrunde konnte Münster 10 von 11 Heimspielen gewinnen und in den Playoffs wurden bislang alle Heimspiele siegreich gestaltet. Welche Rolle spielt das eigene Publikum für den jetzigen Erfolg? In der Hauptrunde hattet ihr im Schnitt 1986 Zuschauer und bei euren drei bisherigen Heimspielen in den Playoffs war die Halle jeweils mit 3000 Zuschauern ausverkauft. Ist dies innerhalb des Teams ein großes Thema? Pushed diese Kulisse eure Spieler in ihrer Leistung?
Helge Stuckenholz: Gar keine Frage – 3000 „feierwütige“ und leidenschaftliche Fans lassen jeden Spieler auf seine autonom geschützten Reserven problemlos zugreifen, was uns in Heimspielen immer einen Riesenvorteil im letzten Viertel verschafft. Unsere Zuschauer lassen unsere Spieler Schmerz und Ermüdung vollends vergessen. Wenn man das Momentum bei Heimspielen vor 3000 Fans hat, ist eine solche Energie in unserer Halle, dass es gerade in den entscheidenden Schlussminuten ganz, ganz schwer für den Gegner wird, dagegen anzustehen. Und natürlich sind unsere Fans und der Hype in Münster ein großes Thema innerhalb unseres Teams – eines, das es auch sehr trägt.

BBLProfis: Durch den Erfolg in der Hauptrunde wuchsen die Erwartungen an die WWU Baskets. Wie habt ihr es geschafft, euch weiterhin fokussieren zu können? Wie schafft ihr es, euch nicht durch den steigenden Druck verunsichern zu lassen?
Helge Stuckenholz: Um ehrlich zu sein, die Tatsache, dass man nichts mehr zu verlieren hat, hat einen großen Anteil an unserem jetzigen Erfolg, was aber keinesfalls unserer Qualität absprechen soll. Denn intern waren wir durchaus der Ansicht, mit unserem Kader in die Top Vier der ProB Nord zumindest vorstoßen zu können. Aber es ist auch nicht zu unterschätzen, dass man als Aufsteiger wenig zu verlieren hat, wenn man sein Saisonziel „Playoff-Teilnahme“ schon erfüllt hat und noch unbeschwerter aufspielen kann. Wir wissen und können dies als Team sehr gut einschätzen, was uns natürlich aktuell sehr hilft.

BBLProfis: Die WWU Baskets führen aktuell im Halbfinale mit 1:0 nach Siegen gegen Schwenningen. Ihr steht somit dicht vor dem sportlichen Aufstieg in die ProA. Würde Münster, stand jetzt, das sportliche Aufstiegsrecht beim Erreichen des Playoff-Finales in der ProB annehmen und ausüben? Gibt es innerhalb der Verantwortlichen bereits Planungen für die kommende Saison was eine mögliche Teilnahme an der ProA betrifft?
Helge Stuckenholz: Wir haben bislang immer solide für die Zukunft geplant und haben dies auch weiterhin vor. Ein sofortiger Aufstieg in die ProA ist nicht vorgesehen, weil dieser für uns als Verein und Organisation zu früh käme. Das Fundament struktureller und wirtschaftlicher Natur ist noch nicht in Münster vorhanden. Das müssen und wollen wir auch entwickeln.

BBLProfis: Die bereits vorhandene Basketball-Begeisterung hat sich in Münster im Verlauf der Playoffs nochmals deutlich gesteigert. Kommt dies für das Team und die Verantwortlichen überraschend? Gibt es intern bereits Pläne, wie diese vorhandene Begeisterung genutzt werden soll, um beispielsweise für mögliche Partner und Sponsoren interessanter zu werden?.
Helge Stuckenholz: Dieses Ausmaß an Begeisterung haben wir so nicht erwartet. Es war zwar in meinen Augen zu erwarten gewesen, dass, wenn die Menschen in Münster den Basketball erst einmal verstanden und seine Energie live gespürt haben, er sie auch begeistern kann. Ein solches Lauffeuer, diese quasi exponential gestiegene Begeisterung, hätte ich allerdings in dieser Form nicht erwartet. Natürlich nutzen wir die Begeisterung der Fans für die Sponsorenakquise, wobei man sagen muss, dass einige Sponsoren jetzt schon von sich aus auf uns zukommen, ohne dass wir sie ansprechen müssen. Das ist großartig, gerade auch, wenn ich zurückdenke, wie hart man auf dem langen Weg bis hierhin in der Vergangenheit daran gearbeitet hat.

BBLProfis: Euer sportliche Erfolg weckt selbstverständlich auch Begehrlichkeiten anderer Vereine an euren Spielern. Gibt es mit Blick auf die kommende Spielzeit bereits Neuigkeiten was aktuelle Profis aus dem Kader der WWU Baskets betrifft?
Helge Stuckenholz: Wir spielen diese Saison jetzt erst einmal zu Ende. Die Spieler, die hier in Münster spielen – das ist ein Riesenvorteil – sind zu 90% hier, weil sie auch eine Perspektive neben dem Basketball vorfinden. Das macht das Werben um unsere Spieler für potenzielle Konkurrenten schwerer. Wenn ein Spieler gehen möchte, ist das für uns in Ordnung. Es gibt genügend Spieler, die gerne nach Münster kommen möchten. Insofern wird uns nicht bange, was die zukünftige Qualität unseres Kaders betrifft.

Wir bedanken uns an dieser Stelle bei den WWU Baskets Münster und deren Manager Helge Stuckenholz für die Gelegenheit zum Interview während der Playoffs.

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Tobias Forsterhttps://www.bblprofis.de
Tobias Forster ist seit vielen Jahren glühender Basketballfan. In der Basketball Bundesliga hält er dem FC Bayern München die Treue, während in der NBA die Dallas Mavericks und die Chicago Bulls seine Favoriten sind. Tobias berichtet über Neuigkeiten, ist jedoch zugleich im Bereich Interviews und Portraits aktiv.

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