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Donnerstag, Juli 7, 2022

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Time Out – Die Bundesliga braucht mehr Mut

An dieser Stelle dürfen wir euch etwas neues präsentieren. Reinhard Wörlein wird ab sofort eine Basketball Kolumne rund um den Nürnberger bzw. den fränkischen Basketball mit Leben füllen. Schwerpunkt in „Time Out“ werden dabei die Nürnberg Falcons sein, bei denen unser Autor unter anderem in Sachen Livestream und Podcast zu hören ist.

Den Auftakt in diese neue Serie macht das Thema „Lizenzierung in der Basketball Bundesliga“. Die Nürnberg Falcons warten weiterhin auf eine Entscheidung hinsichtlich einer Lizenz, weshalb Reinhard Wörlein einen Aufruf zu mehr Mut formuliert. Viel Spaß beim Lesen!

Mehr Mut bitte!

Hängepartie – irgendwie habe ich zur Zeit das Gefühl, dass dieser Begriff genau für die derzeitige Situation der Nürnberg Falcons erfunden wurde (wurde er übrigens nicht, er kommt ursprünglich aus dem Schach…). Am 29. April sicherten sich die Falcons mit einem Heimsieg gegen die MLP Academics Heidelberg das sportliche Aufstiegsrecht für die Basketball Bundesliga. Kurz davor hatte sich Trainer und Geschäftsführer Ralph Junge mit ganz viel (Wage-)Mut tatsächlich dazu entschlossen, einen entsprechenden Lizenzantrag zu stellen. Der allerdings genügte der Liga in etlichen Punkten nicht, so dass – quasi parallel zu Aufstiegsfeiern, Presseterminen und dem Empfang beim Oberbürgermeister im Rathaus – im Hintergrund fieberhaft weiter geplant, gedacht und gearbeitet wurde. Viel Papier wurde seitdem von Nürnberg nach Köln geschickt, Ende Mai trafen sich beide Parteien dann vor dem Schiedsgericht, was zur Folge hatte, dass noch mehr Papier auf den Weg gebracht werden musste. Ob damit die Knackpunkte aus Sicht der Liga (insbesondere Etat und Halle) gelöst werden können, ist nach wie vor offen.

Auch wenn es aus Nürnberger Sicht unerfreulich ist, hat die Liga natürlich auch aus zahlreichen unschönen Ereignissen der Vergangenheit gelernt. Insolvenzen, teilweise sogar im laufenden Spielbetrieb mit zum Teil wettbewerbsverzerrenden Folgen, machen die Verantwortlichen zu recht vorsichtiger. Außerdem schwebt immer auch der Ruf nach einer Verkleinerung der höchsten Spielklasse im Raum, mehr oder weniger deutlich gefordert von Vertretern der international spielenden Vereine. Zudem steht über allem das vor Jahren geäußerte Ziel, die Basketball Bundesliga solle die führende Liga in Europa werden. Zahlreiche Auflagen für die Mindestzahl hauptamtlicher Mitarbeiter, Nachwuchsteams, Korbanlangen, Hallenausstattung u.v.m. sollen die Vereine in eine bessere Zukunft zwingen. Stört dabei ein Standort wie Nürnberg nicht nur? Ist nicht vielmehr der 2. sportliche Aufsteiger aus Hamburg viel mehr nach dem Geschmack der Liga? Coole, hippe Metropole, jede Menge Potential und dazu noch eine tolle Entstehungs-Story?

Mag alles sein, aber es gibt auch gute Gründe, weshalb sich die Basketball Bundesliga meiner Meinung nach über ein Programm wie das der Nürnberg Falcons freuen könnte. Zunächst einmal, nichts gegen Ulm, Oldenburg und Bonn – seit Jahren regelmäßige Playoffs-Teams – aber hippe Metropolen sind auch diese Städte nicht unbedingt. Und wer wusste ernsthaft vor der Saison (und teilweise auch jetzt noch) wo „Vechta“ liegt? Wenn nur große „coole“ Städte gewünscht sind, kann die Bundesliga eigentlich im Final-4-Modus mit ALBA, den Bayern, den SKYLINERS und nun den Towers ausgetragen werden. Und das Beispiel Köln zeigt außerdem, dass klangvolle Namen auch spektakulär scheitern können – Köln hatte große Pläne und ist gerade aus der ProB abgestiegen.

Die Stadt Nürnberg hat über 500.000 Einwohner, der Großraum über 1,3 Millionen, seit Jahren wird hier JBBL und NBBL gespielt, die Basketball-Begeisterung ist im Laufe dieser besonderen Saison für jeden spürbar gewachsen. Und das vorhandene Potential ist in weiten Teilen noch gar nicht erschlossen. Kann sich eine Sportart wie Basketball wirklich leisten, solche Standorte auszuschließen?

Ich würde mir von den Verantwortlichen etwas mehr Mut wünschen – und das nicht nur durch die „Nürnberger Brille“! Mut, nicht nur den Ist-Zustand zu sehen, sondern in die Zukunft zu blicken. Mut, an einen Aufsteiger nicht sofort die gleichen Maßstäbe anzusetzen, wie an etablierte Teams der Bundesliga. Mut, Potentiale zu erkennen, auch wenn noch nicht alles klar und scharf sichtbar ist. Auch vermeintlich kleinere Standorte haben gezeigt, dass sie eine Bereicherung für die Liga sein können (frag nach in Crailsheim oder Vechta) – oder sogar noch viel mehr, was das Beispiel Freak City Bamberg seit vielen Jahren eindrucksvoll beweist. Also, mehr Mut bitte!

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Reinhard Wörlein
Reinhard Wörlein ist seit vielen Jahren mit dem Nürnberger Basketball verbunden, derzeit u.a. als Livestream-Kommentator bei www.airtango.live. Außerdem moderiert er den Podcast der Nürnberg Falcons.

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