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Samstag, Juli 31, 2021

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Time Out – Lügende Tabellen, Playoff-Vorfreude und ein X-Faktor

„Die Tabelle lügt nicht“ – ein gern genommenes Bonmot in vielen Sport-Interviews. Doch wer zwischenzeitlich nur flüchtig auf die Tabelle der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA geschaut hat, konnte leicht einen falschen Eindruck bekommen. So kam den Eisbären Bremerhaven unvermittelt ihre sportliche Heimstätte abhanden, als die Halle kurzerhand in ein Impfzentrum umfunktioniert wurde. Die Folge: Erstmal keine Heimspiele für die Eisbären und ein Tabellenplatz an der Playoff-Grenze. Mittlerweile hat sich das aber wieder eingespielt – Bremerhaven steht nach dem Ende der Hauptrunde da, wo das Team hingehört: In den Top-4.

Insgesamt ist es der Liga gelungen, 203 von 210 geplanten Spielen tatsächlich durchzuführen (das Spiel Heidelberg gegen Jena wurde „am Grünen Tisch“ für Heidelberg gewertet), und das trotz eines sehr ambitionierten Rahmenterminplans. 7 (von 15) Mannschaften konnten nicht alle ihre angesetzten Saisonspiele auch wirklich absolvieren, was v.a. für das Team aus Jena negative Auswirkungen hatte („nur“ Platz 4 in der Endabrechnung). Besonders viel Pech hatten die Karlsruhe Lions, die nur 24 von 28 Partien austragen konnten. Tröstlich dabei: Auch wenn die Lions alle ihre vier fehlenden Spiele hätten austragen und gewinnen können, hätten sie es nicht in die Playoffs geschafft. Dass sich am Ende die vier am höchsten eingeschätzten Teams aus Rostock, Heidelberg, Bremerhaven und Jena auch in den Top-4 widerfinden, spricht für die sportliche Aussagekraft dieser ProA-Saison. Insgesamt sagt also auch die Tabelle der BARMER 2. Bundesliga nach einer unter so außergewöhnlichen Umständen stattfindenden Hauptrunde mehr oder weniger die Wahrheit und lügt nicht – Sportlerweisheit bestätigt!

Besondere Spannung durch neuen Playoff-Modus

Die Playoffs werden diesmal statt als Serien in Form von 2 Gruppen (4 Teams, jeder-gegen-jeden, Hin- und Rückspiel) ausgetragen. Damit bekommen die Mannschaften der Plätze 5-8 eine völlig neue Bedeutung. Ist in einer Serie eine Niederlage eines Top-Teams gegen einen Außenseiter unerfreulich, aber letztlich bedeutungslos, so kann ein Überraschungssieg nun den Aufstieg entscheiden. Dies spricht aus meiner Sicht auch gegen den neuen Modus, der in unsicheren Zeiten dem Zufall noch mehr Raum gibt und die über die Saison hinweg erarbeitete Platzierung relativ bedeutungslos macht (Stichwort „fehlender Heimvorteil“). Aber auch der bisherige Modus hätte seine Nachteile und Unwägbarkeiten gehabt – und die Teams haben so entschieden und müssen nun damit umgehen.

In Gruppe 1 treffen sich die ROSTOCK SEAWOLVES (1. nach der Hauptrunde), Science City Jena (4.), die Bayer Giants Leverkusen (5.) und die Artland Dragons (8.). Die Gruppe 2 besteht aus den MLP Academics Heidelberg (2.), den Eisbären Bremerhaven (3.), den VfL Kirchheim Knights (6.) und den wiha Panthers Schwenningen (7.).

Leverkusen als X-Faktor in Gruppe 1

Wie auch in der anderen Playoff-Gruppe liegen hier die beiden aufstiegswilligen Favoriten ROSTOCK SEAWOLVES und Science City Jena leistungsmäßig sehr eng beieinander. In den direkten Duellen der Hauptrunde konnten beide ihre Heimspiele gewinnen und es ist keine kühne Prognose, auch in den Playoff-Spielen von engen und spannenden Begegnungen zwischen den beiden Rivalen auszugehen. Eine besondere Rolle fällt in der Playoff Gruppe 1 aber meiner Meinung nach den Bayer Giants Leverkusen zu. Das Team von Hansi Gnad besticht durch eine enorme Heimstärke: 13 von 14 Heimspielen konnten gewonnen werden (nur Science City Jena gelang ein Sieg in der Farbenstadt). Wenn man nun davon ausgeht, dass sich die beiden aufstiegswilligen Favoriten evtl. gegenseitig neutralisieren werden, könnten die Giants zum entscheidenden X-Faktor werden: Mit einem nicht unwahrscheinlichem Heimsieg gegen Rostock oder Jena könnte Leverkusen zum Königsmacher in seiner Gruppe werden. Wenn die zuletzt verletzten und angeschlagenen Stammspieler wieder zurück kommen, ist den Bayer Giants dies absolut zuzutrauen. Und aufgepasst: In der Hauptrunde konnten die Dragons Jena zu Hause besiegen – auch die Reise ins Artland ist kein Selbstläufer für die Favoriten! Wie auch immer: Das Rennen in Gruppe 1 ist für mich vollkommen offen.

Einmal Nord und viel Südwest in Gruppe 2

In der Playoff-Gruppe 2 muss Nordlicht Bremerhaven gleich dreimal nach Baden-Württemberg in den Südwesten reisen. Besonderes Augenmerk liegt hier natürlich auf den Duellen der Eisbären mit den MLP Academics Heidelberg. In der Hauptrunde gab es hier jeweils Auswärtssiege, wobei die Eisbären den Academics ausgerechnet die Heimpremiere im neuen SNP Dome verdorben haben. Trotzdem ist Heidelberg für mich in dieser Gruppe leichter Favorit – allerdings nur ganz leichter…

Ein Blick auch hier auf die vermeintlichen „Kleinen“: Den Kirchheim Knights gelangen 3 Siege gegen Top-4-Teams (nur Bremerhaven gewann in der Stadthalle Mitte) – das macht sie zum Favoriten-Schreck. Und noch ein besonderer Aspekt in Gruppe 2: Neben den „Big 4“ haben auch die wiha Panthers Schwenningen einen Lizenzantrag für die easyCredit BBL gestellt und könnten somit sehr motiviert in die Playoff-Spiele gehen – allerdings haben sie von den Top-Teams in dieser Saison nur Heidelberg besiegen können.

Vorfreude

Egal wie – ich freue mich total auf die diesjährigen Playoff-Partien, trotz ungewohntem Modus, trotz Corona, trotz vermutlich leerer Hallen. In beiden Gruppen gibt es jeweils zwei Favoriten auf Augenhöhe und zwei ambitionierte Außenseiter – besser geht´s kaum! Mein größter Wunsch ist: Der BBL-Aufstieg soll auch in dieser Saison sportlich entschieden werden, und nicht durch Quarantänen, Covid-Ausfälle oder Spielabsagen – wer´s dann schafft, hat es auf jeden Fall verdient!

Nachtrag

Die Dinge in der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA entwickeln sich derzeit sehr dynamisch. So erreichte uns nach Redaktionsschluss dieses Artikels die Nachricht, dass die Eisbären Bremerhaven und die wiha Panthers Schwenningen nun doch keinen Lizenzantrag für die easyCredit BBL stellen werden. Dafür haben aber die Kirchheim Knights und die Artland Dragons eine BBL-Lizenz beantragt. Somit haben 5 der 8 Playoff-Teams Aufstiegsambitionen angemeldet – Spannung ist garantiert!

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Reinhard Wörlein
Reinhard Wörlein ist seit vielen Jahren mit dem Nürnberger Basketball verbunden, derzeit u.a. als Livestream-Kommentator bei www.airtango.live. Außerdem moderiert er den Podcast der Nürnberg Falcons.

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