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Sonntag, Oktober 17, 2021

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Time Out – Auf ein Neues – meine total subjektive Saison-Vorschau

„Doch wie immer gilt: Nach der Saison ist vor der Saison“: Mit dieser Phrase habe ich vor einigen Wochen meinen Rückblick auf die letzte Spielzeit der BARMER 2. Basketball Bundesliga beendet. Und jetzt steht – nach einem Olympia-Sommer mit deutscher Basketball-Beteiligung – die neue Saison tatsächlich unmittelbar bevor. Eigentlich ein guter Zeitpunkt für eine Saison-Prognose, aber dieses Jahr gilt, fast noch mehr als je zuvor: Scio nescio!

Große Liga – 3 Absteiger

Auch in der letzten Spielzeit gab es Corona-bedingt wieder keine Absteiger und nur ein Team schaffte den Sprung hoch in die easyCredit BBL. Mit RASTA Vechta musste ein Erstligist den Gang nach unten antreten und zwei Mannschaften bekamen das Aufstiegsrecht aus der ProB, so dass die BARMER 2. Basketball Bundesliga in der Spielzeit 2021/2022 mit 17 Teams richtig groß geworden ist. Das bedeutet einerseits 16 Heimspiele für jeden, aber andererseits wohl auch drei Absteiger. Diese zu prognostizieren gehört naturgemäß zu den undankbaren Aufgaben für mich als Beobachter, aber ich will mal einen Versuch wagen:

Das TEAM EHINGEN URSPRING wird – wie in den vergangenen Jahren meistens – ziemlich sicher die gesamte Saison um den Klassenerhalt kämpfen müssen. Mit neuem Trainer (Urspring-Kenner Felix Czerny ersetzt Dominik Reinboth), aber nach wie vor kleinem Budget geht man in Ehingen die Herausforderung an. Wie immer, wird man im Südwesten ein junges, talentiertes und engagiertes Team sehen – der kleine David gegen die Goliaths der Liga – ich bin gespannt!

Ganz am anderen Ende Deutschlands haben die Itzehoe Eagles nach dem sportlichen Aufstieg auch alle anderen Voraussetzungen (inkl. der Hallenthematik) neben dem Parkett erfüllen können und fiebern ihrer ersten ProA-Saison entgegen. Das prominenteste Teammitglied sitzt mit Patrick Elzie als Trainer auf der Bank, ansonsten ein paar bekannte und viele unbekannte Namen im Kader – Itzehoe ist eine der viel zitierten Wundertüten der Liga, trotzdem erscheint alles außer Abstiegskampf wenig realistisch.

Aber selbst wenn sich diese beiden Mannschaften unten in der Tabelle einsortieren sollten (und es ist absolut nicht gesagt, dass das so kommen muss), fehlt immer noch ein Absteiger und hier ist die Auswahl sehr klein, oder besser gesagt eigentlich sehr groß. Denn es wird ein Team treffen, das wohl selbst nicht mit einem Abstieg rechnet. Wer könnte es sein? Der ambitionierte Aufsteiger aus Bochum? Ein Traditionsclub, vielleicht Tübingen, Karlsruhe, Paderborn oder Hagen? Oder vielleicht die Nürnberg Falcons, die nach einer Corona-geprägten Saison mit neuem Trainer und vielen neuen Spielern die letzte Saison vergessen möchten? Oder jemand ganz anderer? Wie auch immer: Der Abstiegskampf dürfte in dieser Saison eine richtig spannende Angelegenheit werden!

Die üblichen Verdächtigen – oder nicht?

Auch am anderen Ende der Tabelle ist die Lage maximal unklar. Anders als in vergangenen Spielzeiten, gibt es meiner Meinung nach diesmal nicht DEN oder DIE eindeutigen Aufstiegsfavoriten. Klar, es gibt die üblichen Verdächtigen, die man immer gut nennen kann und nichts falsch macht:

Die Eisbären Bremerhaven, seit ihrem Abstieg in die 2. Liga immer ein Top-Team, haben nun die wirtschaftlichen Weichen für die Zukunft stellen können: Zum 1.1.2022 übernimmt eine neue GmbH die Marke, das Logo und das Teilnahmerecht für die ProA der Eisbären, die Altschulden verbleiben in der bisherigen Gesellschaft. Damit könnte der Weg frei sein für eine Rückkehr in die easyCredit BBL. Qualität im Kader ist reichlich vorhanden – wie immer.

Medipolis SC Jena startet mit neuem Namen und neuem Trainer wohl einen neuen Versuch des Wiederaufstiegs. Sie haben sich BBL-Erfahrung (Brandon Thomas, Clint Chapman) und ProA-Qualität (Nico Brauner, Rayshawn Simmons) eingekauft und gleichzeitig wichtige Basis-Spieler (Stephan Haukohl, Julius Wolf) halten können. Das könnte was werden!

Auch die ROSTOCK SEAWOLVES haben mit Christian Held einen neuen Trainer, der allerdings Verein und Liga gut kennt. Die Basketball-Begeisterung an der Ostsee ist nach wie vor riesig – schon über 900 Dauerkarten wurden bereits verkauft. Auch hier schwebt das Ziel „1.Liga“ über dem Standort und mit Hauptrunden-Platz-1 in der letzten Saison hat man gezeigt, dass das nicht unrealistisch ist. Der aktuelle Kader reicht meiner Meinung nach dafür aber nicht, doch Rostock hat gezeigt, dass man immer auch kräftig nachverpflichten kann und daher sind und bleiben die SEAWOLVES eine Spitzenmannschaft, bei der alles möglich ist.

Naturgemäß ist der BBL-Absteiger fast immer auch ein Top-Favorit auf den Aufstieg, so auch RASTA Vechta. Sheldon Eberhardt, Joschka Ferner, Jannes Hundt, Robin Lodders, Carlos Medlock – die Namen der Neuzugänge haben einen guten Klang in der Barmer 2. Basketball Bundesliga. Trotzdem waren die Ergebnisse der Testspiele sehr ernüchternd, v.a. beim Scoring hapert es doch noch gewaltig. Doch auch hier scheint noch genug Raum für Nachverpflichtungen gegeben, so dass auch Vechta zu den Aufstiegs-Anwärtern zählen muss.

Neben diesen „üblichen Verdächtigen“, möchte ich den Blick noch auf zwei andere Teams lenken:

Für mich sind die wiha Panthers Schwenningen eines der spannendsten Projekte der Liga. Kontinuierliches Wachsen im Umfeld (nebenbei: Ein Top-Livestream!), stetige sportliche und wirtschaftliche Verbesserung: In Schwenningen macht man beeindruckende Arbeit. Dies bleibt natürlich nicht unbemerkt und so haben die Panthers einige Spieler an BBL-Clubs verloren, was aber auch eine Art der Anerkennung ist. Und da die Scouting-Abteilung im Schwarzwald ganz offensichtlich einen sehr guten Blick hat, bin ich sehr gespannt, wie sich die neuen (und zum Teil in Deutschland noch unbekannten) Spieler entwickeln werden – für mich ein klarer Playoff-Kandidat, mindestens.

Und dann noch ein kurzer Blick ins Artland nach Quackenbrück zu den Dragons. Leistungsträger gehalten, interessante und kluge Neuverpflichtungen, dazu mit Zach Ensminger einen der spannendsten jungen deutschen Spielern der Liga und grandiose Ergebnisse in den Testspielen – habt ein Auge auf die Artland Dragons, könnte sich lohnen!

Let the games begin!

Und so muss ich nach so vielen Wörtern und Zeilen doch wie Sokrates feststellen: Eigentlich geht es mir wie vor jeder Saison, eigentlich ist nichts klar! Wer hätte vor der Saison auf die Bayer Giants Leverkusen als sportlichen Aufsteiger gewettet? Und wer gibt diesmal das Überraschungsteam? Keine Ahnung! Und das ist richtig gut so, es wird spannend an beiden Enden der Tabelle. Wir alle können viel spekulieren und werden doch immer wieder überrascht werden – großartig! Die neue – hoffentlich Corona-freie – Saison kann kommen, let the games begin!

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Reinhard Wörlein
Reinhard Wörlein ist seit vielen Jahren mit dem Nürnberger Basketball verbunden, derzeit u.a. als Livestream-Kommentator bei www.airtango.live. Außerdem moderiert er den Podcast der Nürnberg Falcons.

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