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Samstag, Mai 28, 2022

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Justus Hollatz – Deutschlands Point Guard der Zukunft?

Nach seinem kometenhaften Aufstieg in den letzten vier Jahren hat sich Justus Hollatz jetzt auch in der deutschen Nationalmannschaft etabliert. Dabei hat der 20-Jährige ähnlich wie etwa Maodo Lo nie für eines der Jugendauswahlteams gespielt. Obwohl erst sechs Länderspiele auf Hollatz Konto stehen, leistete der 1,94 Meter große Point Guard bereits im letzten WM-Qualifikationsfenster einen großen Beitrag zu den zwei sehr wichtigen Siegen gegen Israel. Insbesondere beim Auswärtsspiel in Tel Aviv war der Aufbauspieler bester deutscher Spieler und legte insgesamt 16 Punkte und 8 Assists auf. Auch im zweiten Spiel hatte Hollatz einen großen Anteil am Sieg, indem er das Comeback der deutschen Mannschaft Ende des dritten Viertels einleitete. Aufgrund seiner Leistungen in diesem Qualifikationsfenster konnte sich der 20-Jährige als Point Guard Nummer 3 hinter NBA-Profi Dennis Schröder und ALBA BERLIN-Spieler Maodo Lo festsetzen. Im Hinblick auf die Heim-EM in diesem September hat Hollatz gute Chancen Teil des deutschen Kaders zu werden. Dank seiner Größe und Defense kann der 20-Jährige auch zusammen mit Dennis Schröder oder Maodo Lo als Shooting Guard auf dem Feld stehen. Außerdem ist unklar, inwiefern Dennis Schröder aufgrund seiner ungeklärten Vertragssituation der deutschen Nationalmannschaft zur Verfügung stehen wird.

Als Jahrgang 2001 spielte Justus Hollatz zunächst für die Sharks Hamburg in der JBBL, der U-16 Bundesliga, bevor der Point Guard stadtintern zu den Hamburg Towers wechselte. Dort gelang dem Aufbauspieler der Schritt in den Profibereich derart schnell, dass er die Auszeichnung als PRO-A Youngster des Jahres in der Saison 2018/19 erhielt und seiner Mannschaft zum Aufstieg in die Bundesliga verhalf. Dort knüpfte der heute 20-Jährige an seine Leistungen an und wurde in der letzten Saison als bester Nachwuchsspieler der Liga ausgezeichnet. Insgesamt hat Hollatz bereits in seinem jungen Alter 77 Spiele in der easyCredit BBL absolviert. (Stand 10.04.2022)

In dieser Spielzeit hat Justus Hollatz nochmal deutlich mehr Verantwortung erhalten. Aufgrund der Zweifachbelastung durch den europäischen Wettbewerb ist aber seine Spielzeit auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahr verblieben. In der easyCredit BBL erzielt Hollatz in knapp 22 Minuten Spielzeit durchschnittliche Werte von 8,0 Punkte, 5,4 Assists und 2,4 Rebounds. (Stand 10.04.2022) Außerdem stiehlt er seinen Gegenspielern 1,4-Mal pro Spiel den Ball. Diese Werte kann der 20-Jährige auch im 7DAYS EuroCup gegen viele starke Gegner bestätigen. Ins Auge sticht, dass Hollatz sich bisweilen selber um mehr Spielzeit beraubt aufgrund seiner Foulanfälligkeit. Dies geschieht häufig, da die Hamburg Towers als Mannschaft über das ganze Feld Druck auf ihre Gegner ausüben wollen. Auf diese Weise erzielen die Hamburger viele Ballgewinne, begehen aber auch häufiger Fouls.

Das Spiel der Hamburg Towers wurde in dieser Saison in die Hände von Justus Hollatz gelegt, wenn dieser auf dem Spielfeld steht. Dabei zeichnen den Point Guard vor allem eine unglaubliche Ruhe und seine Fähigkeiten im Pick`n Roll aus. Dank seiner Größe von 1,94 m ist Hollatz häufig größer als sein direkter Gegenspieler. Dies nutzt dieser häufig, um aus dem Pick’n Roll heraus den abrollenden Spieler oder den Kick-Out zu finden. Dabei sticht besonders sein gutes Zusammenspiel mit Center Maik Kotsar hervor. Außerdem hat Hollatz seinen Wurf gegenüber der Vorsaison deutlich stabilisiert. Dadurch konnte er seine Quote von der 3-Punktelinie von 29 auf 36,0 Prozent steigern. Diese neu-gewonnene Qualität ist umso wichtiger, damit der 20-Jährige eng verteidigt werden muss und somit mehr Platz für seinen Zug zum Korb erhält. Darüber hinaus hat Hollatz sich auch einen Stepback-Dreier antrainiert – Ein Move, der selbst auf höchstem Niveau sehr schwierig zu verteidigen ist, wie Maodo Lo in der Turkish Airlines EuroLeague Woche für Woche zeigt. Deutlich seltener zu sehen in Hollatz offensiven Repertoire sind der Mitteldistanzwurf oder der Floater. Diese Wurfoptionen würden seinem Offensivspiel eine weitere Komponente geben und ihn nochmals schwieriger zu verteidigen machen. Zusätzlich ist der Point Guard in seinem Zug zum Korb noch sehr rechtslastig. Dank seiner guten Athletik gelingt es ihm dennoch häufig erfolgreich abzuschließen. Auch auf der anderen Seite des Feldes ist Hollatz ein Plusspieler. Denn der 20-Jährige ist in den meisten Fällen in der Lage seinen Gegenspieler vor sich zu halten.

Aus mannschaftlicher Sicht läuft die bisherige Saison nach zuletzt drei Erfolgen in Serie nun nach Plan. Mit einer Bilanz von 15:12 Siegen belegen die Hamburg Towers momentan den siebten Platz in der easyCredit BBL (Stand 10.04.2022). Um sich für die Playoffs zu qualifizieren, muss ein Platz unter den ersten acht ergattert werden. Dennoch wird es ein schwieriges Unterfangen für die Hamburg Towers die Playoffs zu erreichen, welche vor der Saison als Ziel ausgegeben wurden. Unter anderem stehen noch die Partien gegen ALBA BERLIN und gegen den FC Bayern München aus. Dagegen liegt die Mannschaft aus der Hansestadt im 7DAYS EuroCup, dem zweitstärksten europäischen Wettbewerb, mit dem Einzug in das Achtelfinale eindeutig im Soll. Alles was darüber hinaus erreicht wird, kann als Zusatz für die Hamburg Towers angesehen werden. Um in der nächsten Spielzeit wieder im 7DAYS EuroCup teilzunehmen, ist eine Qualifikation für die Playoffs im Alltagsgeschäft Bundesliga aber Pflicht.

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass Hollatz eine gute Saison spielt in einem ambitionierten Hamburger Team. Dennoch gibt es einige Aspekte seines Spiels, wie der Abschluss mit der linken Hand oder die weitere Stabilisierung seines Wurfs, die der 20-Jährige noch steigern muss um auf dem höchsten Level zu spielen. Daher stellt sich im Sommer die spannende Frage, welcher Schritt für seine Entwicklung richtig ist. Ein Verbleib in Hamburg oder ein Wechsel zu einem absoluten Topteam sind mögliche Optionen.

In meinen Augen würde Hollatz eine weitere Saison bei den Hamburg Towers, vorausgesetzt sie qualifizieren sich für den 7DAYS EuroCup, mit noch mehr Verantwortung und Spielzeit guttun, um sich weiter ausprobieren zu können. Der Schritt zu einem Team wie ALBA BERLIN oder dem FC Bayern München kann daher noch einen Sommer warten. Auf jeden Fall hat die deutsche Nationalmannschaft mit Hollatz einen jungen Point Guard für die Zukunft, der sehr wahrscheinlich EuroLeague-Niveau erreichen wird und eventuell an die Tür der amerikanischen NBA anklopfen könnte.

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