Wenn in der easyCredit BBL ein Point Guard zum Crossover ansetzt oder ein Center nach einem Rebound landet, denkt kaum jemand an den Boden unter den Schuhen. Dabei ist das Parkett eines der wichtigsten Arbeitsgeräte im Profibasketball. Es muss den Ball gleichmäßig zurückspringen lassen, die Gelenke der Spieler schonen und Tausende Sprünge pro Saison aushalten. Hinter jedem Profiboden steckt ein industrieller Fertigungsprozess. Bei der industriellen Sortierung kann eine Machine-Vision-Kamera Holzlamellen auf sichtbare Fehler und Abweichungen prüfen, bevor sie zu einem Spielfeld zusammengesetzt werden.
Mehr als nur Holz
Ein Basketballboden ist ein System aus mehreren Schichten. Oben liegt die sichtbare Nutzschicht aus Holz, darunter eine Unterkonstruktion aus Lagerhölzern, elastischen Elementen und Dämpfungspads. Erst das Zusammenspiel dieser Schichten sorgt dafür, dass der Boden bei einer Landung leicht nachgibt und gleichzeitig stabil genug für schnelle Richtungswechsel bleibt.
Für Sporthallenböden gibt es in Europa eine eigene Norm, die DIN EN 14904. Sie legt unter anderem fest, wie viel Kraft der Boden abbauen muss, wie stark er sich verformen darf, wie griffig die Oberfläche sein soll und wie gut ein Ball im Vergleich zu einem Betonboden zurückspringt. Für internationale Wettbewerbe gelten zusätzlich Vorgaben des Weltverbands FIBA.
Vom Baumstamm zum Spielfeld
Die Auswahl des Holzes
Für Profiböden wird häufig Ahorn verwendet. Das Holz ist hart, dicht und verschleißfest und hat eine helle, gleichmäßige Optik, die im Fernsehen gut wirkt. Schon beim Einschnitt im Sägewerk entscheidet sich, welche Bretter für einen Sportboden infrage kommen. Äste, Risse, Harzgallen oder starke Farbunterschiede können die Stabilität oder das Erscheinungsbild beeinträchtigen.
Bevor das Holz weiterverarbeitet wird, muss es kontrolliert getrocknet werden. Holz arbeitet: Es nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder ab, und dabei quillt und schwindet es. Ist die Restfeuchte beim Verarbeiten zu hoch oder zu niedrig, können sich später in der Halle Fugen öffnen oder Dielen aufwölben. Deshalb wird die Holzfeuchte in den Werken regelmäßig gemessen und dokumentiert.
Lamellen im Sekundentakt sortieren
In modernen Werken laufen die zugeschnittenen Lamellen mit hoher Geschwindigkeit über Förderbänder. Kamerasysteme können dabei Ober- und Unterseite der Lamellen erfassen, Äste, Risse und Verfärbungen erkennen und die Teile automatisch nach Qualitätsklassen sortieren. Was früher erfahrene Sortierer mit bloßem Auge erledigten, kann so in Sekundenbruchteilen und nach gleichbleibenden Kriterien geschehen. Lamellen, die den Anforderungen nicht genügen, werden für andere Produkte verwendet.
Paneele, Nut und Feder
Anschließend werden die Lamellen zu größeren Paneelen verleimt und mit Nut und Feder oder speziellen Verbindungssystemen versehen. Diese Profile müssen sehr präzise gefräst werden. Schon geringe Abweichungen würden beim Verlegen zu Fugen oder Kanten führen, die Spieler spüren und an denen der Ball verspringen kann.
Linierung und Versiegelung
Zum Schluss erhält der Boden seine Linien, Vereinslogos und die Farbflächen der Zone. Mehrere Schichten Lack schützen das Holz und sorgen für die richtige Griffigkeit. Zu glatt darf die Oberfläche nicht sein, weil Spieler sonst wegrutschen. Zu stumpf ist ebenfalls ungünstig, weil schnelle Drehbewegungen dann die Knie belasten.
Wie die Ebenheit geprüft wird
Ein Basketballfeld misst 28 mal 15 Meter, dazu kommen Auslaufzonen. Auf dieser Fläche darf es keine spürbaren Wellen, Senken oder Stufen geben. Bei der Verlegung wird die Ebenheit deshalb laufend kontrolliert, klassisch mit Richtlatte und Messkeil, zunehmend aber auch mit Lasermessgeräten, die Höhenunterschiede über die gesamte Fläche erfassen. Auffällige Stellen werden durch Unterfütterung oder Nachjustieren der Unterkonstruktion korrigiert.
Der Ballsprung als Praxistest
Neben den Messgeräten gibt es einen Test, den jeder Hallenwart kennt: Ein Ball wird an verschiedenen Stellen des Feldes fallen gelassen oder gedribbelt. Springt er an einer Stelle spürbar schwächer zurück, deutet das auf eine sogenannte Totstelle hin, etwa durch eine lose oder falsch gedämpfte Stelle in der Unterkonstruktion. Bei Profiböden wird dieses Rückprallverhalten nach der Norm auch messtechnisch geprüft.
Mobile Böden für wechselnde Hallen
Viele BBL-Klubs spielen in Mehrzweckarenen, in denen an anderen Tagen Konzerte, Shows oder Eishockeyspiele stattfinden. Dort kommen häufig mobile Böden zum Einsatz. Sie bestehen aus großen Paneelen, die vor jedem Spiel verlegt und danach wieder abgebaut werden. Für diese Böden sind präzise gefertigte Verbindungen besonders wichtig, denn sie werden immer wieder neu zusammengesetzt und müssen trotzdem jedes Mal eben und fugenarm liegen. Nummerierte Paneele und ein fester Verlegeplan sorgen dafür, dass jedes Teil an seinen Platz kommt.
Eine besondere Herausforderung ist das Raumklima. Wird ein mobiler Boden in einer Arena verlegt, in der kurz zuvor eine Eisfläche lag, oder zwischen den Einsätzen in einem Lager mit anderer Luftfeuchtigkeit aufbewahrt, reagiert das Holz darauf. Hallenbetreiber achten deshalb auf möglichst gleichbleibende Bedingungen und kontrollieren den Boden vor dem Spiel noch einmal auf Kanten und Fugen.
Ob fest verlegt oder mobil: Ein guter Basketballboden fällt dann auf, wenn er nicht auffällt. Spieler, Trainer und Schiedsrichter sollen sich auf das Spiel konzentrieren können, ohne über Totstellen oder rutschige Flächen nachdenken zu müssen. Dass das gelingt, verdanken sie einer Fertigung, die Holz mit der gleichen Genauigkeit behandelt wie viele Industriebauteile.


