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Montag, September 27, 2021

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Camp, NBA und Nationalmannschaft – Big Man Jakob Pöltl im Interview

Mit Jakob Pöltl besitzt Österreich einen überaus interessanten Big Man in der NBA. Am letzten Wochenende fand in Wien nun zum ersten Mal das „Jakob Pöltl Basketball Camp“ in Kooperation mit den Vienna D.C. Timberwolves statt. Wir hatten die Möglichkeit Einblick in den Ablauf des Basketball Camps zu bekommen, doch nahm sich der Big Man der San Antonio Spurs ebenfalls Zeit für ein Interview.

Wir haben mit dem 23-Jährigen nicht nur über die NBA und seine sportliche Zukunft sprechen können, denn auch rund um das Nationalteam Österreichs drehte sich unser Gespräch. Selbstverständlich durfte das „Jakob Pöltl Basketball Camp“ als Gesprächsthema nicht fehlen, denn es war zu jeder Sekunde zu spüren, dass Jakob Pöltl jede Menge Spaß bei der Arbeit mit den Kids in diesem Basketball Camp hatte.

BBLProfis: Zunächst einmal ein großes Dankeschön für deine Zeit Jakob. Lass uns direkt auf dein Basketball Camp hier in Wien zu sprechen kommen. Wie kam es dazu, dass dieses Camp nun zum ersten Mal durchgeführt wird? Wie seid ihr auf diese Idee gekommen?
Jakob: Die Idee für dieses Camp gab es bereits etwas länger. Nachdem zuletzt immer mehr internationale NBA Spieler in ihren Heimatländern entsprechende Basketball Camps durchführten und diese sehr gut angenommen wurden, wollten wir es nun selbst unbedingt angehen. Natürlich sind wir froh, dass es in diesem Jahr geklappt hat. Zuvor konnten wir es terminlich leider nicht realisieren, doch hat nun endlich die freie Zeit gereicht, um vor allen Dingen die Organisation stemmen zu können.

BBLProfis: In Österreich hätten sich sicherlich einige Standorte und Städte darauf gefreut, wenn du dein Camp dort durchgeführt hättest. Lag dir Wien hierfür besonders am Herzen? Oder wie kam es zur Entscheidung für diesen Standort?
Jakob: Wien war mir eine Herzensangelegenheit, weil ich selbst aus dieser Stadt komme. Was aber auf jeden Fall ebenfalls dafür gesprochen hat, war die Tatsache, dass ich dieses Basketball Camp zusammen mit meinem alten Team, den Vienna D.C. Timberwolves, durchführen konnte. Dies hat speziell in der Organisation einiges vereinfacht und erleichtert.

BBLProfis: Hand aufs Herz – dies ist bzw. war nun dein erstes Basketball Camp, dass ihr selbst auf die Beine gestellt und durchgeführt habt. Warst du anfangs etwas nervös, weil du nicht wusstest was auf dich zukommt? Wie waren zudem deine Erwartungen an dieses Camp und wie siehst du diese nun zum Abschluss der vier Tage erfüllt?
Jakob: Ich würde sagen, dass ich nicht unbedingt nervös war. Wo du aber Recht hast ist, dass ich vor dem Camp durchaus angespannt war, denn es war einfach eine neue Situation für mich. Das lag sicherlich auch daran, weil wir diese Veranstaltung zum ersten Mal organisiert hatten und wir somit nicht wussten, ob unsere Planungen und Ideen entsprechend greifen und umgesetzt werden können. Stand jetzt bin ich mehr als zufrieden mit unserem Camp. Die Organisation und der Ablauf haben super funktioniert. Doch was einfach am Besten war – die Kids haben unheimlich gut mitgezogen und das obwohl wir teils über 40 Grad in der Halle hatten. Jeder wollte aber etwas für sein Spiel mitnehmen und lernen, so dass alle mitgezogen haben. Gerade das hat mich unheimlich gefreut und auch Stolz gemacht.

BBLProfis: Das klingt absolut danach, dass du sehr zufrieden mit dem Camp bist und warst. Gibt es im kommenden Jahr daher eine Wiederholung und Neuauflage?
Jakob: Ich könnte es mir auf jeden Fall vorstellen. Es gilt jedoch wie immer die notwendige Zeit zu finden, denn speziell im nächsten Sommer steht bereits einiges an. Wir werden aber versuchen, dass wir es hinbekommen, um nochmals das „Jakob Pöltl Basketball Camp“ durchführen und anbieten zu können.

BBLProfis: Lass uns bitte auch einmal in Richtung NBA blicken und darüber sprechen. Du bist jetzt bei den San Antonio Spurs aktiv, nachdem du zur Saison 2018/2019 per Trade von den Toronto Raptors nach Texas gekommen. Nun hat dein ehemaliges Team die Meisterschaft gewinnen können. Was fühlst du hierbei als Spieler? Denkst du manchmal daran, dass du Teil dieser Meistermannschaft der Raptors hättest sein können?
Jakob: Natürlich ist eine gewisse Wehmut dabei, denn ich war über mehrere Jahre ein Teil dieses Teams, dass nun die Meisterschaft gewonnen hat. Es überwiegt jedoch die Freude für meine Ex-Teamkollegen. Gleich ob Pascal (Siakam), Fred (VanVleet), Norman (Powell) oder Kyle (Lowry) – ich hab mich einfach unheimlich für sie gefreut. Über zwei Jahre habe ich mit ihnen zusammengespielt und dabei gesehen, was meine ehemaligen Teamkameraden für den Titel investiert haben. Sie haben es sich mehr als verdient, weshalb die Freude darüber bei mir auch überwiegt.

BBLProfis: Deine Rolle bei deinem neuen Team, den San Antonio Spurs, hat sich durchaus im Laufe der Saison immer wieder etwas geändert. In den Playoffs hast du dann nochmals deutlich mehr Spielzeit bekommen. Im Duell mit den Denver Nuggets ging es für dich gegen Nikola Jokić, dem aktuell sicherlich komplettesten Center der NBA. Coaches, Spieler und Medien zollten nach dieser Playoff-Serie ihren Respekt vor deiner gezeigten Leistung, denn du hast dich gegen Jokic toll präsentiert. Denkst du, dass gerade die nochmals deutlich gestiegene Einsatzzeit ein Fingerzeig für die neue Saison gewesen sein könnte?
Jakob: Obwohl wir als Team gegen Denver ausgeschieden sind, so war diese Playoff-Serie sicherlich für mich als Spieler selbst gut. Ich konnte gegen Jokic meine Fähigkeiten zeigen und habe mein Bestes gegeben. Wir haben Nikola im 1:1 verteidigt, was es mir nicht leichter machte, jedoch zugleich eine klar definierte Aufgabe in der Defense verschaffte. Mit Blick auf die neue Saison wird es jedoch vor allen Dingen an mir selbst liegen, welche Rolle ich in der Rotation der Spurs einnehmen werde.

BBLProfis: In den letzten Jahren geht eindeutig der Trend dazu, dass auch die Big Man ihre Würfe von außerhalb nehmen sollen. Von dir habe ich einmal in einem Interview gelesen, dass du an deinem Spiel unter dem Korb arbeiten möchtest und nicht zwingend den Fokus darauf legst, einen Distanzwurf in dein Repertoire aufzunehmen. Siehst du dies in den kommenden Jahren als deinen Weg an? Auf die eigenen Stärken am Korb konzentrieren, um diese noch weiter auszubauen?
Jakob: Ich denke schon, dass das mein Weg sein wird. Ein Distanzwurf wird für mich und mein Spiel eine Art Bonus bleiben. Natürlich kann sich dies ändern, wenn beispielsweise dein Team und deine Coaches dich in diese Richtung entwickeln wollen, aber Stand jetzt ist geplant mich weiterhin auf meine Stärken am Brett zu konzentrieren.

BBLProfis: Bitte lass uns unbedingt auf deinen Coach zu sprechen kommen. Bei den San Antonio Spurs wirst du nun seit knapp einem Jahr von Gregg Popovich trainiert, der für viele einer der besten Coaches der NBA Geschichte ist. Als Trainer ist dieser zudem bekannt dafür, seine Spieler nicht nur auf dem Court zu fordern und zu fördern, sondern dass auch außerhalb des Spielfelds einiges unternommen wird, um über den eigenen Tellerrand hinauszusehen. Wie hast du selbst nun die erste Saison unter Gregg Popovich wahrgenommen?
Jakob: Es war eine sehr coole Erfahrung, weil wir eben auch einiges abseits des Courts gemacht haben. Wir waren als Team zum Beispiel einige Mal zusammen im Museum und essen beispielsweise auf Auswärtsfahrten als Team zusammen nach den Partien und Trainings. Für mich war dies durchaus neu in den USA, denn bis dato kannte ich es durchaus so, dass du als Spieler mit deinen besten Freunden im Team zum Essen gegangen bist, aber eben nicht in dieser Häufigkeit zusammen als Mannschaft mit dem kompletten Trainerstab isst oder etwas unternimmst. Was Gregg Popovich damit schafft, ist eine tolle Teamchemie bei den Spurs, die mir gefällt und die ich auch sehr zu schätzen weiß.

BBLProfis: Würdest du es unterschreiben, dass die San Antonio Spurs als Franchise durchaus etwas anders sind gegenüber den weiteren Teams der NBA?
Jakob: Auf jeden Fall. Du spürst als Spieler einfach, dass kein Aufwand gescheut wird, um jeweils das Beste herauszuholen. Sicher ist es auch von Vorteil, dass die Spurs als Franchise sehr erfahren sind und sie somit wissen, was funktioniert und was nicht.

BBLProfis: In Europa findet aktuell jährlich ein Regular Season Spiel statt. Nachdem zuletzt immer London der Austragungsort war, kommt die NBA nun im kommenden Januar nach Paris. Würdest du dich als europäischer Spieler freuen, wenn du mit deinem Team auch einmal in Europa spielen könntest?
Jakob: Ganz klar – das würde mir großen Spaß machen. Ich war beispielsweise noch nie selbst in Paris und würde mich daher nicht nur auf die europäischen Fans in der Halle freuen, sondern auch darauf, diese Stadt kennenlernen zu können. Meine Teamkollegen hätten sicherlich ebenfalls große Lust darauf, einmal in Europa vor ihren europäischen Fans spielen zu dürfen.

BBLProfis: Wie siehst du deine Zukunft in der NBA und bei den Spurs? Würdest du aus aktueller Sicht ein langfristiges Angebot in San Antonio annehmen?
Jakob: Ich würde gerne bei den Spurs bleiben, aber am Ende muss einfach alles stimmen bei einem solchen Vertrag. Es wird natürlich von der zukünftigen Planung der Spurs rund um meine Person abhängen, aber natürlich auch von den anderen Angeboten, die für mich eingehen. Würde ich meine Entscheidung – Stand jetzt – von der letzten Saison abhängig machen, würde ich sehr gerne bleiben.

BBLProfis: Wir müssen natürlich auch über das Thema Nationalmannschaft sprechen. Du bist als NBA Spieler ebenfalls von den eingeführten FIBA Windows in der Qualifikation betroffen. Wie siehst du als Spieler diese Terminfenster, in denen die verschiedenen Qualifikationsspiele ausgetragen werden müssen? Wie siehst du die Thematik, dass in den Spielen der Qualifikation bei starken Nationen mit vielen NBA und Euroleague Spielern gänzlich andere Teams auflaufen, als anschließend bei einer Welt- oder Europameisterschaft teilnehmen?
Jakob: Für mich persönlich ist es einfach sehr schade, denn ich würde sehr gerne für Österreich im Nationalteam spielen, doch kommen zwischen 80 und 90 Prozent der möglichen Einsätze für mich aufgrund dieser Terminfenster nicht in Frage. Damit ich die Chance hätte, einige Spiele in der österreichischen Auswahl zu absolvieren, müssten wir uns eigentlich für ein großes Turnier qualifizieren. Andererseits können wir als in Anführungszeichen kleine Basketball-Nation davon eventuell auch profitieren, indem andere Mannschaften in den Qualifikationsspielen nicht ihre besten Spieler einsetzen können.

BBLProfis: Wie siehst du die Chancen für eine erfolgreiche Qualifikation des österreichischen Nationalteams mit Blick auf die bevorstehende Europameisterschaft 2021?
Jakob: Ich sehe auf jeden Fall eine Chance. Zuletzt waren wir oft nah an einer Turnier-Qualifikation, doch hat am Schluss immer noch ein klein wenig gefehlt. Wir haben jedoch das Potential, um diesen letzten Schritt zu machen. Mit Rašid Mahalbašić, Thomas Klepeisz oder Marvin Ogunsipe haben wir in den letzten Jahren immer mehr Spieler bekommen, die auch im europäischen Ausland erfolgreich sind. Bekommen wir zusammen mit dem Trainerstab alles zusammen, können wir uns für ein großes Turnier qualifizieren. Gerade für den österreichischen Basketball wäre dies ein enorm wichtiger Startschuss für mehr Aufmerksamkeit.

BBLProfis: Lass uns zum Abschluss unseres Gesprächs bitte noch auf den österreichischen Basketball-Nachwuchs blicken. Mit dir gibt es nun ein Vorbild, dass in der NBA seine Spielzeit bekommt. Merkst du oder dein Umfeld etwas davon, dass beispielsweise dein Erfolg in Nordamerika auch einen Schub für den Basketball-Nachwuchs in Österreich gebracht hat?
Jakob: Mir persönlich fällt eine positive Entwicklung auf jeden Fall auf. Immer wenn ich in Österreich bin, sehe ich eine gute Weiterentwicklung in unserem Sport in Sachen Nachwuchs. Wenn wir dabei alle an einem Strang ziehen, ist jedoch noch viel mehr möglich.

Wir möchten uns an dieser Stelle nochmals ausdrücklich für diese Möglichkeit bei Jakob Pöltl und seinem Management bedanken. Wir wünschen für die Zukunft alles Gute und hoffen, dass wir uns im nächsten Jahr bei der zweiten Austragung des „Jakob Pöltl Basketball Camps“ erneut sehen werden.

Über Jakob Pöltl

Der 23-Jährige steht aktuell in der NBA bei den San Antonio Spurs unter Vertrag. Zuvor lief der 213 cm große Österreicher für die Toronto Raptors auf, welche ihn im NBA Draft 2016 an neunter Stelle auswählten. Vor seiner Zeit in der NBA spielte der in Wien geborene Center erfolgreich am College für das Team der Utah Utes. In seiner letzten Saison am College wurde Jakob Pöltl unter anderem mit dem Kareem Abdul-Jabbar Award ausgezeichnet und zudem in das Consensus second-team All-American gewählt.

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Tobias Forsterhttps://www.bblprofis.de
Tobias Forster ist seit vielen Jahren glühender Basketballfan. In der Basketball Bundesliga hält er dem FC Bayern München die Treue, während in der NBA die Dallas Mavericks und die Chicago Bulls seine Favoriten sind. Tobias berichtet über Neuigkeiten, ist jedoch zugleich im Bereich Interviews und Portraits aktiv.

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